Rettungspakt mit harten Schnitten sichert die Zukunft von Opel

- Rüsselsheim - Der Autobauer Opel soll mit scharfen Einschnitten, einem massiven Stellenabbau und einer besseren Auslastung wieder in die schwarzen Zahlen fahren. Nach einem fünf Monate dauernden Verhandlungspoker mit der US-Mutter General Motors (GM) stellte Opel als vorerst letzten Schritt des Sanierungspakets einen "Zukunftsvertrag" vor. Er sichert die Existenz der Opel-Werke in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern bis 2010.

<P>Das Opel-Stammwerk in Rüsselsheim baut laut Vertrag von 2007 an die Mittelklasse von Opel (Vectra) und Saab (9-3). GM hält aber auch an seiner schwedischen Tochter Saab mit dem Werk in Trollhättan fest. Dort wird in Zukunft der neue Cadillac gebaut.<BR><BR>GM, der weltgrößte Autohersteller, verpflichtet sich, seine drei westdeutschen Standorte besser auszulasten und rentabler zu machen. Betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen sind europaweit bis Ende 2010 ausgeschlossen. Dafür nehmen die Opel-Mitarbeiter Nullrunden und Lohneinbußen hin und akzeptieren flexible Arbeitszeiten bis 40 Stunden pro Woche inklusive Samstage. Insgesamt baut Opel bis 2007 mit 9000 Stellen jeden dritten Arbeitsplatz ab. Die von GM angedrohten Massenentlassungen, gegen die das Bochumer Werk im Oktober sechs Tage lang gestreikt hatte, sind vom Tisch.<BR><BR>"Wir haben unser Ziel erreicht, die deutschen Standorte wettbewerbsfähig und damit fit für die Zukunft zu machen", sagte der Opel-Vorstandsvorsitzende Hans Demant. Wann die Traditionsmarke nach fünf Jahren hoher Verluste wieder rentabel wird, wollte Demant nicht sagen. "Es wird noch einige Jahre dauern, bis wir uns aus dieser Situation befreit haben." Das Einsparziel von 500 Millionen Euro jährlich werde mit der Sanierung erreicht, sagte ein Opel-Sprecher.<BR><BR>Für Saab kündigte GM eine Erweiterung der Modellpalette an. "Wir stehen bedingungslos hinter der Marke Saab", sagte der europäische GM-Chef Fritz Henderson in Trollhättan. GM Europe schreibt seit 1999 rote Zahlen. Allein 2004 summierte sich der Verlust bei Opel nach Medienberichten auf bis zu 600 Millionen Euro.<BR><BR>Mit jährlich rund 293 000 Fahrzeugen ist Rüsselsheim als modernstes Werk gut ausgelastet. "Das Geschäftsmodell für Rüsselsheim war über die Laufzeit rund 200 Millionen Euro kosteneffektiver als das von Trollhättan", sagte Henderson. Die notwendigen Investitionen seien sehr viel niedriger, auch die Logistik sei besser.<BR><BR>Das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim wird eine zentrale Rolle spielen. Vorstand und Gesamtbetriebsrat gehen davon aus, dass Rüsselsheim die Entwicklung für die neue Kompaktklasse (Astra) erhalten wird. <BR><BR>Die Opel-Mitarbeiter nehmen hin, dass Tariferhöhungen bis 2005 nicht weitergegeben, danach bis 2010 um ein Prozent reduziert werden. Entgegen der Forderung des Managements bleiben übertarifliche Zuschläge zunächst bestehen. Opel-Mitarbeiter verdienen bis zu 20 Prozent über Tarif. Diese Zulagen sollen nach Opel-Angaben in den kommenden Jahren abgeschmolzen werden. Das Weihnachtsgeld wird von 2006 auf 70 Prozent gekürzt. Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz zeigte sich "zufrieden, dass wir ein Fundament für die Zukunft gelegt haben", bezeichnete die Sanierung aber auch als "schmerzlichen Einschnitt".<BR><BR></P>

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