Revision: Leo Kirch will Breuers private Millionen

- München - Leo Kirch gibt nicht auf. Der juristische Sieg gegen die Deutsche Bank hat dem gescheiterten Medienmogul gefallen, doch genug war ihm das nicht. Vor dem Bundesgerichtshof (BGH) will Kirch nun auch Rolf Breuer persönlich haftbar machen. Der Ex-Chef des Instituts soll mit Millionen aus dem Privatvermögen für ein unbedachtes Interview geradestehen.

<P>Das Duell der Ehemaligen zwischen Medienunternehmer und dem mächtigsten Banker der Republik beschäftigt Münchens Richter seit Monaten. Die erste Instanz hatte Kirch voll recht gegeben: Breuer habe im Februar 2002 in einem TV-Interview öffentlich Kirchs Kreditwürdigkeit in Frage gestellt und dadurch den Zusammenbruch des Medienimperiums wenige Wochen später mitverschuldet. Die zweite Instanz schränkte ein: Fehlverhalten ja, haftbar sei aber nur die Bank, nicht ihr damaliger Boss.</P><P>Gegen dieses Urteil nun haben Kirchs Anwälte Revisionsantrag gestellt: Er will den Banker, der als sein Erzfeind gilt, verurteilt wissen. "Es gibt keinen vernünftigen Grund, Breuer persönlich aus der Haftung zu nehmen", sagte Kirch-Anwalt Peter Gauweiler (Kanzlei Bub, Gauweiler & Partner) unserer Zeitung. Deshalb sei der Antrag beim BGH eingereicht worden.</P><P>Sechs Milliarden Euro will die Kirch-Seite in einem "bunten Strauß" von Prozessen als Schadenersatz von der Deutschen Bank einklagen. Urteilt der BGH wie die erste Instanz, würden Breuer und sein Institut gesamtschuldnerisch haften. Allein könnte Breuer trotz seines früheren Gehalts von rund acht Millionen Euro kaum dafür aufkommen. Den Schadenersatz teilt sich Kirch hälftig mit seinen Gläubigern. Beide Seiten stellen sich auf langwierige Prozesse ein.</P><P>Gleichzeitig hält sich die Deutsche Bank die Möglichkeit offen, gegen das Urteil vorzugehen. Eine Revision ist zwar vom Gericht für das Institut ausgeschlossen, gegen diesen Ausschluss könnte aber Beschwerde eingelegt werden. Das werde noch geprüft, sagte ein Bank-Sprecher unserer Zeitung, eine Entscheidung falle "im Laufe des Monats".</P><P>Unangenehmer Kontakt mit Kirchs Nachlass erwartet auch mehrere Spitzenpolitiker. Laut "Stern" will Insolvenzverwalter Michael Jaff鴐 Auskunft von mehreren früheren Ministern der Regierung Kohl über ihre Beratertätigkeit für Kirch. Mehrere Politiker hätten einen dreiseitigen Fragenkatalog erhalten - darunter die Ex-Postminister Christian Schwarz-Schilling (CDU) und Wolfgang Bötsch (CSU) sowie der einstige Verteidigungsminister Rupert Scholz (CDU). Auch Kohl und dem früheren Finanzminister Theo Waigel (CSU) soll das Schreiben in den nächsten Tagen zugestellt werden. Sie sollen jeweils rund 600 000 Mark im Jahr kassiert haben.</P>

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