Ergo

Revolution in der Lebensversicherung

München - Nach der Allianz hat auch Ergo eine Revolution in der Lebensversicherung angekündigt. Mehr Rendite, aber weniger Sicherheit lautet die neue Formel. Verbraucherschützer bleiben skeptisch.

Um die Lebensversicherung steht es schlecht: Die anhaltenden Niedrigzinsen drücken die Rendite, hohe Provisionen beim Abschluss sorgen für Ärger und Verbraucherschützer beklagen mangelnde Transparenz. Gerade für Neukunden ist die einst so beliebte klassische Lebensversicherung nicht mehr attraktiv. Mit völlig neuen Produkten wollen die Versicherer jetzt gegensteuern. Um die Renditechancen wieder zu erhöhen, planen die Konzerne massive Einschnitte bei den Garantien.

Mehr als 90 Millionen Lebensversicherungen gibt es in Deutschland. Die meisten Verträge stammen noch aus einer Zeit, als Kunden mit Garantiezinsen von 3,5 oder sogar 4,0 Prozent gelockt wurden. Wer derzeit eine neue Police abschließt, bekommt lediglich einen Zins von 1,75 Prozent garantiert – das ist weniger als die Inflationsrate. Auch Ergo bekommt den Rückgang bei der Lebensversicherung zu spüren. Die Einnahmen aus laufenden Beiträgen gingen 2012 in Deutschland um 3,4 Prozent zurück.

Mit neuen Produkten will Ergo das Geschäft wieder ankurbeln. Im Mittelpunkt steht die neue „Rente Garantie“, die am 1. Juli auf den Markt kommt. Der Name ist allerdings irreführend. Im Gegensatz zur klassischen Lebensversicherung bietet die Police keinen Garantiezins, sondern lediglich eine Garantie auf die eingezahlten Bruttobeiträge (inklusive Kosten). Auch ein bei klassischen Policen verbindlicher Rückkaufswert fehlt. Für die Einschnitte bei der Sicherheit verspricht Ergo höhere Renditen. So könnte etwa ein größerer Anteil der Beiträge in Aktien fließen. Derzeit liegt die Aktienquote bei der Ergo Lebensversicherung gerade mal bei knapp fünf Prozent.

Um die höheren Renditechancen zu verdeutlichen, zeigt Ergo eine Beispielrechnung: Zahlt ein Kunde über 35 Jahre 100 Euro im Monat in eine Police, bekommt er bei der neuen Ergo Rente Garantie bei einer mittleren Wertentwicklung rund 75 000 Euro. Bei der klassischen Lebensversicherung sind es nur 55 000 Euro. Läuft es auf den Finanzmärkten schlecht, gibt es bei der neuen Police nur die eingezahlten Beiträge in Höhe von 42 000 Euro. Die klassische Police schneidet in diesem Fall mit 50 000 Euro besser ab.

Wer ganz auf Garantien verzichtet, für den bietet Ergo eine neue fondsgebundene Lebensversicherung. Hier stehen den Kunden künftig rund 60 Fonds zur Auswahl – und damit deutlich mehr als bisher. Weitere Änderung: Wer später doch eine Garantie wünsche, könne diese dazukaufen, sagt Frank Neuroth von der Ergo Lebensversicherung. Mehr Transparenz verspricht der Versicherer auch bei den Kosten. Erstmals sollen die Ausgaben für Vertrieb, Kapitalanlage und Beitragsgarantie detailliert ausgewiesen werden.

Höhere Rendite und mehr Transparenz – Verbraucherschützer bleiben skeptisch. „Wir empfehlen grundsätzlich für die Altersvorsorge keine Versicherung“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Wer eine Lebensversicherung abschließe, müsse sich vorher genau überlegen, ob er die Beiträge dauerhaft zahlen könne. Eine Kündigung sei meist zum Nachteil der Kunden. Daran würden auch die neuen Angebote nichts ändern.

Auch die Allianz setzt auf neue Policen ohne lebenslange Garantien. Im Gegensatz zum Ergo-Modell soll künftig bei Vertragsabschluss nur noch die Rendite bis zum Ende der Einzahlungsphase garantiert werden, aber nicht mehr die Monatsrente für den Pensionär. Diese soll erst berechnet werden, wenn die Rentenzahlungen beginnen. Experten erwarten, dass weitere Versicherer nachziehen und ebenfalls neue Lebenspolicen auf den Markt bringen.

VON STEFFEN HABIT

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mehr als zehn Interessenten buhlen um Air Berlin
Für die insolvente Air Berlin gibt oder gab es offenbar deutlich mehr Interessenten als bisher bekannt. „Wir haben mit mehr als zehn Interessenten gesprochen, darunter …
Mehr als zehn Interessenten buhlen um Air Berlin
Analyse: Viele Haushalte mussten mehr heizen
Eschborn (dpa) - Wegen der kühlen Witterung in den Wintermonaten des Jahres 2016 mussten viele Haushalte in Mehrfamilienhäusern laut einer Analyse mehr heizen als im …
Analyse: Viele Haushalte mussten mehr heizen
Stromnetz nicht vorbereitet für Ausbreitung von E-Autos
Der Bund erwartet eine EU-Quote für Elektroautos - doch das ächzende deutsche Stromnetz ist auf eine massenhafte Verbreitung von E-Mobilen gar nicht vorbereitet. Eng …
Stromnetz nicht vorbereitet für Ausbreitung von E-Autos
Dobrindt wirbt für Umtauschprämien der Autobauer
Damit die Luft in Städten besser wird, sollen alte Diesel runter von der Straße - das war ein Ergebnis des Dieselgipfels. Autobauer bieten Prämien für Kunden, die sich …
Dobrindt wirbt für Umtauschprämien der Autobauer

Kommentare