Revolution im Supermarktregal: Microchips funken Produktdaten

- München - In der schönen neuen Einkaufswelt der Zukunft hat der alte Strichcode auf Produkten aller Art ausgedient. Radio Frequency Identification (RFID) heißt die neue Wundertechnik, die per Funksignal nicht nur die Vertriebswege vereinfachen soll. Datenschützer warnen allerdings vor dem "gläsernen Kunden".

<P>Forschung und Wirtschaft sind von RFID begeistert: Diese Technik "wird den Handel grundsätzlich beeinflussen und verändern", schreibt das Kölner Institut für Handelsforschung. Herzstück der RFID-Technologie sind die so genannten Tags - winzige Computerchips mit Antenne, die ohne eigene Energieversorgung auskommen. Auf ihnen werden Artikelbezeichnung, Preis oder Haltbarkeitsdatum in Codeform abgespeichert. Die Chips können in Etiketten eingewebt oder in Verpackungen oder Dokumente eingearbeitet werden. Die Daten sind per Funk abrufbar, die Entfernung zwischen Chip und Lesegerät schwankt je nach Sendestärke zwischen wenigen Zentimetern und maximal 30 Metern. Der Warenfluss kann lückenlos überwacht werden.<BR><BR>Die Metro AG will als einer der Ersten auf RFID umstellen. Bis 2007 soll die Technik in den Filialen von Metro, Kaufhof, Real und Extra im gesamten Logistikprozess zum Einsatz kommen. "Nicht der einzelne Becher, sondern Paletten und Kisten werden mit den Tags ausgezeichnet", sagte Metro-Sprecher Albrecht von Truchseß unserer Zeitung. Bis November werden 10 Vertriebszentren, 100 Lieferanten und 250 Filialen mit der neuen Technik ausgestattet. Die langfristige Vision: RFID-Tags auf jedem Produkt. Das könne aber laut Truchseß noch 10 bis 15 Jahre dauern.<BR><BR>Der Landesverband des Bayerischen Einzelhandels rechnet mit Vorteilen für Handel und Verbraucher durch RFID. "Die Technik kommt mit großen Schritten", sagte Sprecher Bernd Ohlmann. Interesse an RFID hat auch das Bundeswirtschaftsministerium. Dort unterstützt man eine Studie des Instituts für Handelsforschung, gemeinsam mit Rewe und der Gaffel Kölsch Brauerei will man ab April mit 15 000 Tags an Bierkästen Vor- und Nachteile der Technik im Vertrieb untersuchen. Noch keinen Zeitplan für die Einführung kann Wal-Mart nennen. In den USA werde die Technik gerade erprobt und komme dann auch nach Europa, teilte eine Wal-Mart-Sprecherin mit.<BR><BR>Der Handel setzt auf die neue Technik, Datenschützer schlagen Alarm. Kundendaten könnten in falsche Hände gelangen. "An der Kasse muss Schluss sein", sagt Peter Büttgen, Pressesprecher des Bundesbeauftragten für Datenschutz. Das RFID-System müsse dann blockiert werden und keine weiteren Daten mehr aussenden können. Weiter könnten die Zahlung mit EC- oder Kundenkarten sowie die unterschiedlichen Payback-Systeme eine Gefahr sein. "Der gläserne Kunde wäre technisch möglich." Deshalb wollen sich die Datenschützer demnächst von der Metro die neue Technik vorführen lassen. "Wir nehmen den Datenschutz sehr ernst", sagt Metro-Sprecher Truchseß. Auch deshalb habe die Metro einen Deactivator entwickelt, mit dem Kunden den RFID-Chip künftig unschädlich machen können. <BR></P>

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