Rewe ließ sich von Berninghaus austricksen

- Köln - Der frühere Rewe-Vorstandschef Dieter Berninghaus will dem Kölner Handelsriesen Schadenersatz in Höhe von rund 6,5 Millionen Euro zahlen. Berninghaus-Anwalt Michael Witzel räumte in einem von Rewe angestrengten Schadenersatzprozess ein, dass der Manager bei dem von ihm eingefädelten Kauf der Internetfirma Nexum durch den Handelsriesen ohne Wissen von Rewe eine Provision von 6,5 Millionen Euro kassierte. Die Zahlung soll über geheime Konten in der Karibik erfolgt sein.

Europas drittgrößter Lebensmittelhändler fordert von dem Ex-Chef in dem spektakulären Zivilprozess für die nach seinen Angaben inzwischen praktisch wertlose Fehlinvestition Schadenersatz in Höhe von mehr als 30 Millionen Euro. Der Rechtsanwalt von Rewe, Wilhelm Danelzik, beschuldigte Berninghaus, Vorstand und Aufsichtsrat von Rewe bei dem überteuerten Geschäft regelrecht ausgetrickst zu haben. Der Manager habe den Deal von langer Hand eingefädelt und minutiös geplant.<BR><BR>Konkret geht es um den Kauf der Internet-Firma Nexum durch Rewe im Jahr 2002. Berninghaus war damals als Manager federführend bei der 25 Millionen Euro teuren Investition, mit der sich Europas drittgrößter Lebensmittelhändler auf dem Höhepunkt des Internet-Booms ein Standbein im Online-Handel sichern wollte. Der Manager soll die Rewe-Spitze mit einem manipulierten Wertgutachten und der Drohung, der Konkurrent Metro sei im Begriff, die Internetfirma wegzuschnappen, regelrecht an der Nase herumgeführt haben.<BR><BR>Der Vorsitzende Richter der 10. Kammer für Handelssachen, Herbert Schäfer, zeigte sich verblüfft darüber, wie Berninghaus mit "schönen Worten und viel Papier" ein solcher Coup gelingen konnte. "Ich habe mir Wirtschaft nie so vorgesellt", sagte er.<BR><BR>Berninghaus-Anwalt Michael Witzel bestritt ein Fehlverhalten seines Mandanten nicht, hob aber die Mitverantwortung der Rewe-Führungsspitze an der Fehlinvestition hervor. Schließlich hätten sich die Gremien mehrfach mit der strategischen Entscheidung zum Einstieg ins Internet beschäftigt. Der damalige Rewe-Aufsichtsratsvorsitzende habe später erklärt, er hätte dem Geschäft auch zugestimmt, wenn er von der Provision für Berninghaus gewusst hätte.<BR><BR>Berninghaus selber nahm an dem Prozess wegen einer Erkrankung nicht teil. Doch bot Witzel in seinem Namen an, Rewe Schadenersatz in Höhe von insgesamt rund 6,5 Millionen Euro zu zahlen. Dies sei das gesamte Vermögen des Managers, sagte der Anwalt. Beide Seiten wollen in den nächsten Wochen versuchen, einen außergerichtlichen Vergleich zu schließen. Scheitert dies, will das Gericht am 9. September seine Entscheidung in dem Schadenersatzprozess verkünden.

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