Rezept gegen den Stau: Brummis ein Drittel schwerer und länger

- München - Die Kette von Lkw auf der rechten und oft der mittleren Spur von Autobahnen reißt nicht ab. Der Großhandelsverband BGA hat jetzt ein Rezept dagegen gefunden: noch größere Brummis und ein Ende des Sonntagsfahrverbots.

<P>Australienreisende kennen das: Road-Trains, Straßenzüge mit bis zu fünf Anhängern und manchmal mehr als 50 Meter lang, donnern über die staubigen Pisten des Outback. Ganz so groß wollen es auch die deutschen Großhändler nicht haben. Doch die EU-Gewichtsgrenze von 40 Tonnen soll weg. 60 Tonnen fordert der BGA. Und die 16,5 Meter Länge reichen den BGA-Experten nicht. Mehr als 25 Meter lange Gespanne sollen möglich sein.</P><P>Auf weniger Straßenfläche können genauso viele Güter transportiert werden, rechnet Gerhard Riemann, Vorsitzender des BGA-Verkehrsausschusses. Oder mehr Güter auf der gleichen Fläche. Dass es mehr werden, da sind sich die Experten einig. Riemann spricht davon, "dass wir im Jahr 2015 fünf schwere Lkw auf den Autobahnen vor uns haben, wo es jetzt drei sind".</P><P>Der Spritverbrauch und die Abgasbelastung würden durch die Super-Brummis um 15 % sinken. Mehr Achsen sollen dafür sorgen, dass die LKW-geplagten Straßen sogar entlastet werden. </P><P>Bundesregierung und ADAC haben sich gerade deshalb in seltener Einigkeit gegen schwerere Lastzüge ausgesprochen. Es drohten Milliarden-Schäden an Straßen und Brücken. Auch Parkplätze und Standstreifen seien der Belastung nicht gewachsen, macht der ADAC geltend. Immerhin will selbst der BGA den 60-Tonnern die Fahrt in Innenstädte und Fußgängerzonen verwehren. Es müssten Abkoppelungsplätze geschaffen werden.</P><P>Experten des Bundesverbands für Güterkraftverkehr und Logistik halten wenig von den Plänen der Groß- und Außenhandelsvertreter. ADAC-Sprecher Maximilian Maurer macht auch Sicherheitsbedenken geltend. Beim Überholen auf Landstraßen seien die Risiken noch größer als derzeit. Und bereits 20- und 40-Tonner würden beim Auffahren auf ein Stau-Ende Autos einfach überrollen.</P><P>Ohnehin wären die geforderten 60-Tonner ein deutscher Alleingang in der EU. Das bedeutet: Über die Grenze dürfte man mit den Güterverkehrs-Riesen nicht.<BR>Doch begnügt sich der BGA nicht mit der Forderung nach größeren und schwereren Fahrzeugen. Auch andere Schranken sollen fallen: So das Sonntagsfahrverbot, das, so Riemann, nicht nur an 52 Tagen im Jahr, sondern an insgesamt 72 Tagen Stillstand erzwinge. Doch auch hier stemmt sich der BGA gegen den Trend. Denn das deutsche Beispiel macht Schule: In Italien und Österreich gibt es diesen Sommer eine entsprechende Fahrverbots-Probephase. "Die Regelung hat wirklich Sinn", sagt auch ADAC-Sprecher Maurer. An Wochentagen seien die rechte und oft auch die mittlere Spur der Autobahnen vom Schwerlastverkehr blockiert. Maurer findet eher die geltende Regelung zu weich: "Ausnahmegenehmigungen werden zu großzügig gehandhabt." Er plädiert für mehr Güterverkehrsfahrten in der Nacht. "Der Tag hat schließlich 24 Stunden."</P><P>Auch könnten, so Maurer, viele Leerfahrten vermieden werden. Zumindest in diesem Punkt ist der Autoclub im Gleichklang mit dem BGA. Das geltende Verbot für Handelsunternehmen, Güter für Dritte zu transportieren, müsse fallen, so Riemann. Würde die Hälfte der dadurch erzwungenen Leerfahrten vermieden, könnten 500 Millionen Tonnen mehr befördert werden.</P>

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