Rezession in Deutschland? Rösler widerspricht

Berlin - Die OECD fürchtet, dass auch Deutschland in die Rezession rutscht. Wirtschaftsminister Rösler widerspricht, aber auch er sieht Risiken.

Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sieht im Gegensatz zur OECD zurzeit keine Rezessionsgefahr in Deutschland. „Die deutsche Wirtschaft erweist sich als robust und widerstandsfähig“, heißt es im jüngsten Bericht seines Ministeriums zur wirtschaftlichen Lage in Deutschland. „Trotz eines schwierigen weltwirtschaftlichen Umfelds und rezessiver Tendenzen in der Eurozone wächst sie weiter, wenn auch mit spürbar gedämpfter Dynamik.“ Gleichwohl gebe es keine Entwarnung: „Die Abwärtsrisiken für die Konjunktur überwiegen nach wie vor und bleiben beachtlich.“

Dies bestätigte auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU); er sieht Deutschland aber gut gerüstet für geringere Wachstumsraten. „Die hervorragende wirtschaftliche Entwicklung der letzten beiden Jahre schwächt sich etwas ab“, sagte Schäuble zum Auftakt der Haushaltsberatungen im Bundestag. Deutschland sei aber ist ein ganzes Stück schockresistenter geworden. Die Konjunkturprognosen der Bundesregierung für dieses und nächstes Jahr müssten nicht korrigiert werden. Weitere Etat-Spielräume gebe es aber wohl nicht.

Die OECD hatte in der vergangenen Woche eine leichte Rezession in Deutschland für das zweite Halbjahr 2012 vorhergesagt. Für das dritte Quartal prognostizierten die Volkswirte der internationalen Wirtschaftsorganisation einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,1 Prozent, für das Schlussquartal sogar ein Minus von 0,2 Prozent. Die Experten begründeten dies vor allem damit, dass sich die Unternehmen wegen der Eurokrise mit Investitionen zurückhielten und auch kaum mehr Beschäftigte einstellten.

Das Bundeswirtschaftsministerium widerspricht dieser Einschätzung. Den aktuellen Indikatoren zufolge dürfte die Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte weiter recht stabil verlaufen, schreiben die Konjunkturexperten. So hätten sich die Stimmungsindikatoren nach teilweise deutlichen Eintrübungen im August wieder leicht erholen können. Trotzdem gebe es weiter beachtliche Abwärtsrisiken, die nicht zuletzt auf die durch die Eurokrise ausgelöste Vertrauenskrise zurückzuführen seien.

Einer solchen Krise könne man nur mit einer wachstumsorientierten Konsolidierungspolitik und einer glaubwürdigen Reformpolitik begegnen. „Anleihekäufe am Sekundärmarkt, wie sie die EZB jetzt angekündigt hat, können allenfalls vorübergehend und bei krisenhafter Zuspitzung helfen, die Geldversorgung der Wirtschaft sicherzustellen“, schreiben die Konjunkturforscher. „Dauerhafte Zinssubventionen für einzelne Länder würden Fehlanreize geben und sind nicht akzeptabel.“

Rubriklistenbild: © dpa

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