Rheinländer und Münchner wollen Prüf-Giganten bilden

München - Der Münchner Tüv Süd und der Düsseldorfer Tüv Rheinland wollen sich zum zweitgrößten Prüfkonzern der Welt und zum mit Abstand führenden in Deutschland zusammenschließen. Das teilte der Tüv Süd in München mit. Einzelheiten der geplanten Fusion wollen die Vorstandschefs beider Unternehmen heute bekanntgeben.

Die Verhandlungen befänden sich noch im Stadium "erster Sondierungsgespräche", erklärte ein Sprecher des Düsseldorfer Unternehmens. Der Tüv Süd ist bereits die größte, der Tüv Rheinland die zweitgrößte Prüfgesellschaft in Deutschland. Der neue Konzern wäre mit 2,2 Milliarden Euro Umsatz und 24 000 Beschäftigten weltweit die Nummer Zwei nach der Schweizer SGS. Der Tüv Süd ist mit 12 000 Beschäftigten und 1,2 Milliarden Euro Umsatz Marktführer in Deutschland und seit längerem international auf Expansionskurs. Eine geplante Fusion mit dem kleineren Tüv Nord war im vergangenen August in letzter Minute gescheitert.

Vorstandschef Axel Stepken hatte das mit zu hohem Integrationsaufwand und zu hohen Auflagen erklärt. In der Branche wurde spekuliert, dass die unterschiedlichen Interessenlagen der beiden Unternehmen einem Zusammenschluss entgegenstanden. Kurz zuvor war das Übernahmeangebot des Tüv Süd für den Schiffsprüfer Germanischer Lloyd gescheitert.

Der Tüv Rheinland ist mit rund 12 000 Mitarbeitern in 62 Ländern aktiv. 2007 verzeichnete das Unternehmen das beste Jahr seiner Geschichte. Das Ergebnis vor Steuern kletterte im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent auf 56 Millionen Euro. Der Umsatz erreichte 980 Millionen Euro, ebenfalls ein Plus von neun Prozent. Allerdings resultierte ein Teil dieses Wachstums aus Unternehmenszukäufen.

Internationale Konkurrenten wie SGS oder das französische Bureau Veritas engagieren sich in international wachstumsstarken Teilsegmenten wie Produkt-Zertifizierung oder Management-Zertifizierung. Die großen deutschen Tüv-Gesellschaften wollen auf diesen Wachstumsmärkten dabei sein. In Deutschland, wo die letzten Monopole der ins 19. Jahrhundert zurückreichenden Technischen Überwachungsvereine Ende Dezember ausgelaufen sind, geht es für den Tüv vor allem um die Verteidigung der Positionen.

Noch im Dezember hatte der Tüv Süd angekündigt, in den kommenden sechs Jahren eine Verdoppelung seines Umsatzes anzustreben. Dies würde im Fall einer Fusion mit dem Tüv Rheinland auf einen Schlag gelingen. Vorstandschef Axel Stepken hatte beteuert: "Wir suchen im Moment keine Partner."

2007 war für den Tüv Süd das fünfte Wachstumsjahr in Folge. Fast die Hälfte der Erlöse entfällt auf das Geschäftsfeld Industrie. Weitere 37 Prozent macht das Geschäftsfeld Mobilität aus, in dem auch die Hauptuntersuchungen für Autos enthalten sind.  mm/ap/dpa

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