Rheinmetall verkauft: Kommt nun die Fusion der Panzerschmieden?

- Düsseldorf/München - Europas Rüstungsindustrie wächst zusammen. Der Luft- und Raumfahrtriese EADS ist ein Beispiel. Der Zusammenschluss von Thyssen-Krupp-Werften mit HDW könnte der Anfang eines großen europäischen Marine-Technik-Verbunds werden. Nun zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung bei den Panzerschmieden ab. Dafür hat eine bedeutende deutsche Unternehmer-Familie den Weg frei gemacht.

<P>Die Familie Röchling trennt sich von ihren 42,1 Prozent an Rheinmetall. Ein gutes Geschäft, denn nach einem harten Sanierungskurs hat die Aktie gewaltig an Fahrt gewonnen. Gleichzeitig ist der Ausstieg geeignet, Fusionsphantasien anzuheizen. Denn die zweite große deutsche Panzerschmiede Krauss-Maffei-Wegmann (KMW) steht seit Jahren als Ladenhüter im Verkaufsregal. Siemens will sich bekanntlich von seinen 49 Prozent an KMW trennen, konnte dies aber nicht. Die Familien Röchling und Bode, die 51 Prozent an KMW halten, waren das größte Hindernis für einen Zusammenschluss. Keiner wollte der anderen im Verbund das Sagen überlassen. Dieses Hindernis ist weggeräumt.<BR>Umgekehrt wird es schwieriger und teurer, die Macht bei Rheinmetall zu kaufen. Denn die Röchlings, die bisher 73,7 Prozent der Stammaktien hielten, wollen die bisher stimmrechtslosen Vorzugsaktien mit den Stämmen zusammenlegen. Damit wird der Zukauf von Stimmgewicht fast doppelt so teuer. Gleichzeitig soll das Aktienpaket der Familie über die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs breit gestreut werden. <BR><BR>Mit diesen Maßnahmen, die eine Übernahme erschweren, wird offensichtlich einem möglichen Eingreifen der Bundesregierung vorgebeugt. Berlin hat beim Verkauf von mehr als 25 Prozent eines Rüstungsunternehmens ein sicherheitspolitisch begründetes Vetorecht.<BR><BR>Diese Frage stellt sich. Denn vor zwei Wochen hat der luxemburgische Versicherungskonzern Lombard mitgeteilt, dass er 14,7 Prozent der Stimmrechte an Rheinmetall hält. Gerüchte sahen die Luxemburger als Strohmänner von US-Investoren, allen voran der Beteiligungsgesellschaft Carlyle-Group.<BR><BR>In den letzten Jahren hat sich das Unternehmen prächtig entwickelt. Unter Führung des Vorstandschefs Klaus Eberhardt trennte sich Rheinmetall fast von der Hälfe des Umsatzes. Elektronik und Maschinenbau mussten raus. Rüstung und die Aktivitäten als Autozulieferer blieben. Allein im ansonsten eher flauen bisherigen Börsenjahr 2004 gewannen Rheinmetall-Aktien zeitweise 60 Prozent.<BR><BR>Nach der Platzierungs-Ankündigung liefen aber gestern die Anleger davon: Die Vorzugsaktien verloren zeitweise vier Prozent an Wert, die Stammaktien sogar neun Prozent. Die Spanne erklärt sich durch den bisher höheren Preis für die Stammaktien; diese Differenz wird durch die Zusammenlegung eingeebnet.<BR><BR>Doch mittelfristig sehen die meisten Experten Potenzial für Rheinmetall. Dazu tragen nicht nur erwachte Fusionsfantasien bei. Grund sind auch die Sachzwänge, denen Fondsmanager unterliegen. Weil künftig alle Aktien mit Stimmrecht verbunden sind, dürfte sich das Gewicht von Rheinmetall im Mittelwerte-Index M-Dax ungefähr verdoppeln. Die Manager Index-naher Fonds müssten damit die Rheinmetall-Bestände in ihren Depots aufstocken.</P>

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