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Spielzeug ist der Klassiker auf dem Wunschzettel fürs Christkind

Riechen, rubbeln, zupfen - So erkennen Sie sicheres Spielzeug

München - Ob Puppe, Teddybär oder Auto – Spielzeug ist der Klassiker auf dem Wunschzettel fürs Christkind. Damit die Bescherung keine gesundheitlichen Schäden nach sich zieht, müssen die Geschenke sicher sein. Wir erklären, auf was Sie beim Spielzeug-Kauf achten müssen.

Haben Kinder ein Spielzeug erst einmal zu ihrem Liebling auserkoren, dann geben sie es nicht mehr so schnell aus der Hand. Da wird geschmust, gespielt, geknabbert und gezerrt. Umso wichtiger, dass die Stoffmaus ihre Kulleraugen und das spitze Näschen behält, dass in den Bauklötzen und Puppenwagen keine giftigen Chemikalien stecken und im ferngesteuerten Auto kein Stromschlag lauert.

Das Warenangebot ist unüberschaubar und in der Vorweihnachtszeit packen die Kaufhäuser die Regale gerne noch ein bisschen voller. Dazwischen lauern schwarze Schafe. Auch im Internet. Vor allem aus China schaffen es immer wieder Spielwaren nach Deutschland, die unabhängige Warentester hierzulande als bedenklich und gesundheitsgefährdend einstufen.

Mittlerweile kommt weit über die Hälfte des verkauften Spielzeugs aus der Volksrepublik – doch kein Gesetz schreibt vor, die Herkunft besonders zu kennzeichnen. Genau das ist aber ein für Verbraucher enorm wichtiger Punkt: Nur wenn die vollständige Adresse des Herstellers oder zumindest des Importeurs genannt ist, laufen spätere Reklamationen nicht ins Leere.

EU-Spielzeugrichtlinie

Wie Spielzeug grundlegend beschaffen sein muss, regelt die europäische Spielzeugrichtlinie. Allerdings fallen nur Produkte für Kinder bis zu 14 Jahren darunter und Sportgeräte, Fahrräder oder auch Modeschmuck für die Keinen gelten vor dem Gesetz nicht als Spielzeug. Der EU-Verordnung zufolge müssen unter anderem folgende Sicherheitsanforderungen erfüllt sein:

Baby-Spielzeug (für Kinder unter 3 Jahren) darf nicht verschluckbar sein und keine Bestandteile enthalten, die sich ablösen könnten.

Bei Elektro-Spielzeug darf die Spannung maximal 24 Volt betragen.

Spielzeug muss so hergestellt sein, dass dessen Verwendung gesundheitlich unbedenklich ist und die Gefahr von Körperverletzungen so gering wie möglich ist.

Prüf-Siegel

Aufschluss über die Einhaltung der Richtlinien und damit über die Sicherheit des Spielzeugs geben auch verschiedene Kennzeichnungen auf den Produkten. Doch nicht alle Siegel sind so hilfreich wie es auf den ersten Blick scheint.

CE-Zeichen

Alle Spielzeuge auf dem deutschen Markt müssen dieses Zeichen tragen. „Doch damit verpflichtet sich der Hersteller lediglich, die europäische Spielzeug-Richtlinie 88/378/EWG bzw. das deutsche Geräte- und Produkt-Sicherheitsgesetz (GPSG) einzuhalten“, betont die Verbraucherzentrale Bayern. Dabei handelt es sich um Mindestanforderungen, über Schadstoffbelastungen sage dieses Siegel so gut wie nichts. Im Gegenteil: „Es ist durchaus auch auf Spielzeug mit gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffen oder mit Sicherheitsmängeln zu finden“, kritisieren die Verbraucherschützer. So seien die europäischen Grenzwerte für Schwermetalle in Spielzeug hoch, für Chemikalien wie zum Beispiel Formaldehyd gibt es keine Höchstmengen oder Verbote.

Weiterer Schwachpunkt: Das Zeichen wird von Herstellern und Importeuren ohne jegliche Kontrolle in eigener Regie vergeben. Die von den Verbraucherzentralen geforderte verpflichtende Prüfung von Kinderspielzeug steht nach wie vor aus. Die Kennzeichnung sei daher „in erster Linie kein Verbraucherkennzeichen“, heißt es beim Verbraucherschutz-Ministerium.

GS-Zeichen

Das GS-Zeichen steht für „geprüfte Sicherheit“, basierend auf dem GPSG. Bei dem Zeichen werden die gleichen Kriterien wie beim CE-Zeichen berücksichtigt. Allerdings untersucht eine zugelassene, unabhängige Prüfstelle, ob die europäischen Sicherheitsnormen und die Bestimmungen des Lebens- und Futtermittelgesetzbuchs eingehalten werden. Dazu gehören auch Untersuchungen, wie strapazierfähig die Artikel sind.

Spiel gut

Dieses kreisrunde, rote Zeichen wird von einem Arbeitsausschuss vergeben. Hier steht der Spielwert im Vordergrund, der nach pädagogischen Kriterien beurteilt wird. Dabei werden Design, Sicherheit und Haltbarkeit sowie Material und Umweltverträglichkeit getestet. Jedes Jahr werden etwa 500 Artikel begutachtet, rund die Hälfte erhält das Zeichen. Die gesundheitlichen und ökologischen Kriterien sind nicht sehr streng. Immerhin ist Spielzeug aus PVC-Plastik seit Oktober 2005 davon ausgeschlossen.

VDE-Dreieck

Dieses Dreieck-Zeichen wird vom Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik e.V. vergeben und signalisiert elektronische Sicherheit bei sachgemäßem Gebrauch. Schadstoffe oder pädagogische Kriterien werden nicht berücksichtigt.

TÜV-Proof Zeichen

Dieses weiß-blaue, kreisrunde Siegel mit grau hinterlegtem Teddybär wird vom TÜV Rheinland vergeben und gilt zunächst für ein Jahr. Danach muss der Hersteller sein Produkt erneut untersuchen lassen. Geprüft wird, ob sämtliche gesetzliche Vorgaben sowie einige zusätzliche Parameter (DIN EN 71) eingehalten wurden.

Selbst prüfen

Bei all den gesetzlichen Normen und Siegeln dürfen Verbraucher aber ihren gesunden Menschenverstand nicht abschalten. Deshalb:

Bei extrem billigem Spielzeug sollten generell alle Alarmglocken schrillen. Dort werden am häufigsten gesundheitsschädliche Stoffe und Grenzwertüberschreitungen festgestellt.

Übrigens ist auch Holz nicht automatisch besser als Plastik. So kann der Lack abblättern bzw. abfärben – auch bei Buntstiften. Es können sich bei schlechter Verarbeitung einzelne Splitter lösen. Bei gepresstem Holz findet sich manchmal Kleber mit krebserregendem Formaldehyd. Verbraucherschützer empfehlen daher unlackiertes oder gewachstes Vollholz.

Bei Plastik-Spielzeug immer auf die Hinweise „PVC-frei“ oder „Phthalat-frei“ achten – auch bei Puppen. Beides sind gesundheitsschädliche Weichmacher. Fehlt eine ordentliche Beschriftung, dann fragen Sie Verkäufer und Hersteller danach.

Für Kleinkinder sollten Sie nur Stoffpuppen kaufen und diese vor dem ersten Einsatz möglichst gemäß Etikett und in einem Kissenbezug und Schonwaschgang waschen.

Immer der Nase folgen. Riecht ein Spielzeug unangenehm, dann lassen Sie lieber die Finger davon. Ein strenger Geruch könnte ein Hinweis auf chemikalische Schadstoffe sein.

Die Dinge selbst in die Hand nehmen und fühlen, rubbeln, zupfen. Spüren Sie scharfe Kanten, färbt das Spielzeug ab oder lösen sich Einzelteile, dann lassen Sie es im Regal liegen. An solchen Geschenken hat niemand eine Freude und deshalb haben sie nichts unterm Christbaum verloren.

Stefanie Backs

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