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Goldige Zeiten für künftige Erben. Sie werden laut einer Studie so viel Vermögen bekommen wie noch nie in der Geschichte. Gold wollen neun Prozent der Bayern vererben.

Riesige Erbschaftswelle rollt an

München - Die Deutschen werden nicht nur immer älter, sie haben auch immer mehr zu vererben. Vor allem Immobilien treiben den Wert der Erbschaften in die Höhe. Bayern sticht besonders hervor.

Von einer gigantischen Erbschaftswelle sprechen die Forscher, vor heftigen Streitereien warnen die Juristen – auf künftige Erben kommt einiges zu. „Das Erbvolumen wird drastisch und auf ein historisches Niveau steigen“, sagt Michael Meyer, Privatkundenvorstand der Postbank. Einer repräsentativen Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Postbank zufolge werde mehr als jede fünfte Erbschaft einen Wert von über 100 000 Euro haben – ein Anstieg zu heute von gut 50 Prozent. Diese Dimensionen habe es bislang noch nicht gegeben, betont Meyer.

Bayern beerben gerne Geschwister

Wann dieses Vermögen tatsächlich den Besitzer wechselt, kann niemand vorhersagen – schließlich lässt sich der Tod nicht berechnen. Doch die Tendenz ist eindeutig. Auch das Statistische Bundesamt sowie die Bundesbank gehen davon aus, dass sich in der Bundesrepublik das Erbschafts-Volumen von 833 Milliarden Euro im Zeitraum 2001 bis 2005 auf knapp 1,5 Billionen Euro im Zeitraum 2011 bis 2015 vergrößern wird.

Wenn es etwas zu vererben gibt, dann sind das in 55 Prozent der Fälle Immobilien – in Bayern liegt der Wert sogar bei knapp 65 Prozent, nur im Rhein-Main-Gebiet werden mit über 72 Prozent noch mehr Häuser, Wohnungen oder Grundstücke vererbt. Geld liegt künftig mit 53 Prozent an zweiter Stelle. Dann folgen Möbel, Autos, Schmuck und Wertpapiere. Gold rangiert mit sechs Prozent weit abgeschlagen – kommt aber in Bayern auf fast neun Prozent. Zum Vergleich: In der Rhein-Main-Region haben nur rund vier Prozent Barren oder Münzen zu vererben, in Berlin dagegen zehn Prozent. Im regionalen Vergleich fällt zudem auf, dass in Bayern die meisten Menschen leben, die fest vorhaben, überhaupt etwas zu vererben – knapp 41 Prozent. In Berlin haben das nicht einmal 20 Prozent vor, dafür sagen dort fast 35 Prozent, dass sie ihren Verwandten wohl nichts hinterlassen werden – in Bayern sind das noch nicht einmal zwölf Prozent.

Wenn die Erbschaftswelle anrollt, schwappen die Milliarden vor allem auf die Konten der Kinder: 76 Prozent haben vor, ihren Sprösslingen etwas zu vererben. Da unterscheiden sich auch die Menschen in Bayern nicht. Doch bei der Frage, ob man auch den Enkelkindern etwas vom Vermögen abgeben möchte, haben hier nur 17 Prozent Ja gesagt – der Bundesdurchschnitt liegt bei 33 Prozent. Dafür denken die Bayern mehr an ihre Geschwister und Neffen bzw. Nichten – über zwölf Prozent wollen ihren Brüdern und Schwestern oder deren Kindern etwas abgeben, das sind fünf bzw. sieben Prozentpunkte mehr als im Durchschnitt.

Bei der Frage, auf welchen Wert man denn sein Vermögen schätzt, das man einmal vererben wird, machten die Befragten aus Bayern die meisten Kreuzchen über 250 000 bis unter 500 000 Euro (13 Prozent). Auf unter 10 000 Euro schätzten nicht einmal vier Prozent ihr Vermögen – in Berlin sind es über 24 Prozent.

Wo es viel zu verteilen gibt, scheint Streit vorprogrammiert. Jeder vierte Nachlassempfänger erwarte Konflikte, heißt es in der Studie. „Vor allem Erbengemeinschaften bergen aus juristischen, aber auch aus menschlichen Gründen ein hohes Konfliktpotential“, erklärt der Münchner Fachanwalt für Erbrecht Anton Steiner. Zu einer Erbengemeinschaft kommt es immer dann, wenn der Verstorbene kein Testament aufgesetzt hat und somit die gesetzliche Erbfolge zum Zuge kommt.

Ein Testament hat der Studie zufolge knapp jeder fünfte Deutsche verfasst. Diese Quote steigt mit dem Alter: bei den über 65-Jährigen sind es 45 Prozent. Von denjenigen mit schriftlichem Letzten Willen haben allerdings nur 44 Prozent ihren Angehörigen gesagt, wo sie das Testament denn hinterlegt haben.

Ein notarielles Testament findet sich allerdings von selbst, denn es ist immer beim Amtsgericht hinterlegt, der Behörde, die über jeden Todesfall informiert wird und auch die Sterbeurkunde ausstellt. Ein eigenhändig handschriftlich verfasstes Testament im Nachtkästchen kann verloren gehen und gilt übrigens auch nicht als Ersatz für einen Erbschein – den offiziellen, vom Amtsgericht ausgestellten und mit Kosten verbundenen Beweis, dass man tatsächlich erbberechtigt ist.

Stefanie Backs

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