Was es bei Riester-Zulagen zu beachten gilt

München - Die Riester-Rente gilt als kompliziert und bürokratisch – dies trifft vor allem für die staatlichen Zulagen zu. Hunderttausenden Sparern wurde dies jetzt zum Verhängnis. Wie man den Ärger vermeiden kann:

Die Riester-Rente gilt als kompliziert und bürokratisch – dies trifft vor allem für die staatlichen Zulagen zu. Hunderttausenden Sparern wurde dies jetzt zum Verhängnis: Sie müssen die staatliche Förderung zurückzahlen, weil sie die Voraussetzungen nicht erfüllt haben (wir berichteten). Wie man Ärger mit der Zusatzrente vermeidet, zeigt unser Überblick.

Mehr als 14 Millionen Riester-Verträge gibt es bereits in Deutschland. Jeder Riester-Sparer bekommt vom Staat 154 Euro Grundzulage im Jahr. Für jedes Kind gibt es 185 Euro. Für nach dem 1. Januar 2008 geborene Kinder zahlt der Bund sogar 300 Euro im Jahr. Auf den ersten Blick klingt dies ganz einfach, in der Praxis lauern aber einige Fallen.

„Das System ist äußerst komplex“, sagt Susanne Meunier, Redakteurin bei der Zeitschrift „Finanztest“. Viele Riester-Sparer würden daher vor dem Zulagen-Antrag zurückschrecken. Zwar sollten die Anbieter von Riester-Verträgen ihre Kunden informieren, doch auch die Anleger sind in der Pflicht. „Am besten wäre eine zentrale Anlaufstelle bei der Zulagenstelle“, so Meunier. Die Behörde verweist allerdings auf das vollautomatische Förder-Verfahren.

Rund 1,5 Millionen Riester-Anleger müssen Zulagen zurückzahlen, berichtet der Bayerische Rundfunk. Insgesamt geht es um etwa 500 Millionen Euro. Aufgedeckt wurden die Fälle, weil die Zulagenstelle bei der Prüfung erstmals auch auf Daten der Meldebehörden, der Rentenversicherung, der Familienkassen und der Finanzämter zugreifen konnte.

Riester-Expertin Meunier kennt die Probleme. Sie hat daher Fälle gesammelt, in denen Anleger besonders aufpassen müssen:

Mindesteinzahlung:

Um die volle Zulagen zu erhalten, muss der Anleger mindestens vier Prozent seines Bruttoeinkommens des Vorjahres minus der Zulagen einzahlen. Ein Beispiel: Wer als Kinderloser 30 000 Euro im Jahr verdient, muss mindestens 1046 Euro für das Alter zurücklegen, um die 154 Euro Zulage zu bekommen. Zahlt er weniger, wird die Förderung anteilig gekürzt.

Geburt eines Kindes:

In dem BR-Bericht wurden einer Mutter Anfang 2011 rückwirkend die Zulagen ab 2006 entzogen. Der Grund: Die Hausfrau hatte in den Vertrag nur Zulagen, aber keine Eigenbeiträge eingezahlt. Bis zur Geburt des dritten Kindes entsprach dies den gesetzlichen Voraussetzungen. Mit Beginn der dreijährigen Erziehungszeit galten jedoch neue Bestimmungen. Um die staatliche Förderung zu bekommen, hätte sie mindestens 60 Euro im Jahr einzahlen müssen. Das Tückische: Eigenbeiträge können grundsätzlich nicht rückwirkend eingezahlt werden.

Kindergeld:

Die Zulage für Kinder gibt es nur, solange die Eltern auch Kindergeld bekommen.

Arbeitslosigkeit:

Wer seinen Job verliert, muss mindestens fünf Euro im Monat weiter einzahlen, um die volle Förderung zu erhalten. Da immer das Vorjahresbruttoeinkommen zählt, können auch höhere Eigenbeiträge nötig sein.

Dauerzulage:

Seit 2005 können Riester-Anleger einen Dauerzulagenantrag stellen. Ihr Anbieter beantragt damit jedes Jahr automatisch bei der Zulagenstelle die Förderung. Damit soll das Verfahren vereinfacht werden. Ändert sich allerdings das Bruttogehalt, müssen Anleger dies rechtzeitig mitteilen. Ansonsten drohen später Rückzahlungen.

Umzug:

Auch ein Umzug hat Auswirkungen auf die Förderung – zumindest bei der Kinder-Zulage. Ist durch den Wohnungswechsel eine andere Familienkasse zuständig, ist dies zu melden. Sonst fordert die „alte“ Familienkasse die Zulagen zurück, ohne dass es von der neuen Stelle eine Förderung gab.

Von Steffen Habit

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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