Ringen um Baukonzern Züblin nimmt immer bizarrere Züge an

- München/Stuttgart - Die Neuordnung der deutschen Bauindustrie gerät zum Verwirrspiel. Im Zentrum steht die Stuttgarter Baufirma Züblin, um die immer heftiger gerungen wird. Derzeit gibt es mindestens zwei Interessenten und jede Menge widersprüchlicher Gerüchte.

<P>Das Ringen um den Stuttgarter Baukonzern Züblin nimmt verwirrende Züge an. Mittlerweile kursieren drei Varianten der Zukunft des hierzulande viertgrößten Bauunternehmens, um dessen Mehrheit nach der Pleite der Augsburger Walter Bau vor vier Monaten hinter den Kulissen heftig gepokert wird. Als vor der Tür stehende neue Herren der Stuttgarter werden nun in verschiedenen Zeitungen und sich widersprechend der österreichische Bauriese Strabag oder aber ein ungenannter Investor aus Süddeutschland genannt. Einer dritten Variante zufolge gibt es Probleme mit dem Verkauf der Züblin-Anteile. <BR><BR>Ohne die Bayern LB geht gar nichts<BR><BR>Fakt ist, dass 48,7 Prozent der Züblin-Aktien, die früher im Besitz von Walter Bau waren, derzeit bei der Bayern LB ruhen. Die halbstaatliche Bank hat sich das Paket als Pfand für einen seinerzeitigen Kredit an die Augsburger Pleitefirma gesichert. Eigentlich ist es zusammen mit weiteren fünf Prozent an Züblin und großen Teilen von Walter Bau durch dessen Insolvenzverwalter Werner Schneider an Strabag verkauft worden, bestätigt ein Sprecher von Schneider. Für einen Besitzerwechsel der verpfändeten 48,7 Prozent sei aber die Zustimmung der Bayern LB nötig, die bislang aussteht. Die will das Paket meistbietend verkaufen, hat Bankenchef Werner Schmidt Anfang Mai verkündet und sich dabei eine Frist von ein bis zwei Wochen gesetzt. Diese Zeit ist ohne Ergebnis verstrichen und mittlerweile sagt die Bayern LB gar nichts mehr zum Thema.<BR><BR>Die "Süddeutsche Zeitung" will dagegen erfahren haben, dass ein Verkauf der Anteile an Strabag unmittelbar bevorsteht. Damit hätten die Österreicher die Mehrheit an Züblin. Nach dem jüngsten Zuschlag für weite Teile der Walter-Bau-Insolvenzmasse ist die Strabag über ihren deutschen Ableger in Köln der mit Abstand größte Baukonzern Deutschlands. Die heimischen Branchenriesen Hochtief sowie Bilfinger und Berger haben nur deshalb insgesamt mehr Umsatz, weil sie sich massiv in Auslandsgeschäfte geflüchtet haben. Mit der Kontrolle über Züblin würde Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner seine Führungsrolle am deutschen Markt zementieren. Damit wäre beim Ringen um die Macht bei Züblin zugleich die Familie Lenz aus dem Spiel.<BR><BR>Die ist seit Jahrzehnten und mit heute 43 Prozent an der Stuttgarter Baufirma beteiligt. Mit Hilfe eines Investors wirbt sie bei der Bayern LB ebenfalls um das zum Verkauf stehende Aktienpaket. Die Industriellenfamilie will die Selbstständigkeit von Züblin erhalten und hat dem Vernehmen nach 62 Millionen Euro für die knapp 49 Prozent geboten. Das wären vier Millionen Euro mehr als Strabag bislang offeriert hat.<BR><BR>Fusion könnte weitere Stellen kosten<BR><BR>Haselsteiner hat allerdings ein Aufstocken des eigenen Angebots in Aussicht gestellt. Zugleich will er den Sitz einer mit Züblin vereinigten Strabag von Köln nach Stuttgart verlegen. Auf Wohlwollen der Familie Lenz ist er damit aber nicht gestoßen. Denn Branchenkenner befürchten im Falle einer solchen Fusion den Verlust hunderter Stellen mutmaßlich vor allem beim Juniorpartner Züblin.<BR><BR>Zur Makulatur erklärt das Bieterduell zwischen Strabag und Lenz nun die "Financial Times Deutschland". Dieser Zeitung zu Folge hat sich ein neuer Interessent aus Süddeutschland gemeldet. Die Chancen der Strabag seien damit gesunken. Der neue Bieter komme nicht aus der Branche und sei wegen des bestehenden Anteils der Familie Lenz auf ein Zusammenspiel mit ihr angewiesen. Eine offizielle Stellungnahme verweigern in dieser undurchsichtigen Lage alle Beteiligten.</P>

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