Risikofaktor Nachwuchs? - So unterstützt der Staat Familien

- Kind oder Karriere, Haushalt oder Job, Schnuller oder Schreibtisch? Wer in Deutschland Nachwuchs erwartet, steht viel zu oft vor einer Entweder-Oder-Entscheidung. Stecken doch innovative Betreuungskonzepte im wahrsten Sinn des Wortes in den Kinderschuhen. In einem zweiteiligen Beitrag erklären wir, welche Hilfen Eltern bekommen können.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kamen in Westdeutschland im Jahr 2004 auf 100 Kinder nur 2,7 Plätze in Kindertageseinrichtungen. Ganz anders die Situation im europäischen Ausland: In Frankreich ist der Anteil der unter Dreijährigen, die einen Betreuungsplatz haben, dreimal so hoch wie in Deutschland, gar sechsmal so hoch bei unseren dänischen Nachbarn.

Steuervergünstigungen

Doch auch hierzulande tut sich was: "Deutschland soll das familienfreundlichste Land in Europa werden", kündigte einst Bundesfamilienministerin Renate Schmidt an. Amtsnachfolgerin Ursula von der Leyen, selbst Mutter von sieben Kindern, hat jetzt mit der Großen Koalition einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, nach dem Familien künftig deutlich mehr Geld für Kinderbetreuungskosten von der Steuer absetzen können.

Mutterschutz

Noch bevor der Nachwuchs auf der Welt ist, gilt für schwangere Arbeitnehmerinnen das Mutterschutzgesetz. Konkret bedeutet das: Der werdenden Mutter darf bis vier Monate nach der Entbindung nicht gekündigt, ihre Arbeit muss den "Umständen" angepasst werden. Schwangere dürfen weder nachts noch an Sonn- und Feiertagen Dienst tun. Auch schwere körperliche Arbeit ist tabu. Trotz dieser Einschränkungen darf das Einkommen in den meisten Fällen nicht gemindert werden.

Finanzspritze

Die Mutterschutzfrist beginnt sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin und endet regulär acht Wochen nach der Entbindung. Im Falle eines Beschäftigungsverbotes behält die werdende Mutter ihren bisherigen Durchschnittsverdienst und bezieht Mutterschaftslohn. Während der Mutterschutzfristen zahlen die Krankenkassen ein Mutterschaftsgeld, der Arbeitgeber steuert einen Zuschuss bei. Oberste Aufsichtsbehörde in puncto Kündigungs- und Mutterschutz für den Regierungsbezirk Oberbayern ist das Gewerbeaufsichtsamt München, Tel. (089) 69 93 80. Auf den Internetseiten des Bundesfamilienministeriums (www.bmfsfj.de) können Sie die kostenlose Broschüre "Mutterschutzgesetz - Leitfaden zum Mutterschutz" bestellen oder herunterladen.

Elternzeit

Für den Nachwuchs sorgen und trotzdem den Anschluss an die Arbeitswelt nicht verlieren - möglich macht's die so genannte Elternzeit. Der Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit soll auch Vätern eine realistische Chance geben, sich an der Erziehung zu beteiligen. Allerdings: Nur zwei Prozent der Männer machen bislang von diesem Angebot Gebrauch. Generell gilt: In Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten haben Mütter und Väter im Rahmen der Elternzeit einen Anspruch auf Ermäßigung ihrer Arbeitszeit - soweit nicht dringende betriebliche Gründe dagegen sprechen.

Gemeinsam fürs Kind

Ehepartner, die es sich leisten können, haben die Möglichkeit, die Elternzeit gemeinsam zu nehmen. Der "Elternzeitrechner" des Bundesfamilienministeriums hilft Ihnen, Nettoeinkommen und Erziehungsgeldanspruch zu berechnen (www.bmfsfj.de/Elternzeitrechner/). Bis zu 30 Stunden pro Woche dürfen Vater und Mutter jeweils während der Elternzeit arbeiten.

Doch nicht nur im Wiegenalter braucht der Nachwuchs besondere Zuwendung: Wer seinem Kind in wichtigen Entwicklungsphasen, beispielsweise kurz vor oder nach der Einschulung, zur Seite stehen will, hat die Möglichkeit, bis zum achten Geburtstag von Sohn oder Tochter bis zu zwölf Monate Elternzeit zu nehmen - immer vorausgesetzt, der Arbeitgeber stimmt zu.

Zweiter Teil: Tagesmütter, Au-pairs, Ganztagsschulen.

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