Riskante Verlockung: Bauschulden in Yen oder Schweizer Franken

- Selbst in der momentanen Tiefzinsphase ist günstiges Baugeld noch billiger zu kriegen. Verlockend klingt, was zunehmend übers Internet angeboten wird: Hypothekenkredite mit effektiven Jahres-Zinssätzen ab 1,6 Prozent. Doch Vorsicht: Der Preis ist heiß - und sehr riskant, wie Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg meint. Aus den Traumzinsen kann schnell ein Albtraum werden.

<P>Denn aufgenommen wird der Kredit in Fremdwährungen, bevorzugt in Yen oder Schweizer Franken. Sinkt beispielsweise der Yen gegenüber dem Euro, macht der Bauherr ein Bombengeschäft. Steigt der Kurs, kann er vorm Finanzdesaster stehen. "Ein brandgefährliches Spiel", warnt Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen: "Das ist nix für Otto Normalverbraucher, Finger weg."</P><P>In Deutschland sind Kredite in fremdem Geld bislang nicht sehr bekannt. In Österreich dagegen sind sie ein Renner. Bei den Nachbarn traut sich schon jeder vierte Immobilienbesitzer an die Billig-Zinsen mit schwer kalkulierbarem Währungsrisiko heran, wie die "Financial Times Deutschland" staunt: "Ein Massengeschäft". "Das wird dort schon seit Jahren aggressiv vermarktet", zeigt sich Robert Haselsteiner, Vorstand des Münchner Online-Baufinanzierers "Interhyp", besorgt.</P><P>Unseriös ist es nicht, Schulden in einer fremden Währung zu machen. Es ist nur hoch spekulativ. Hinter den Offerten stecken seriöse Banken, oft aus Österreich. In Deutschland kommen risikofreudige Interessenten zunehmend über Internet-Anbieter oder spezialisierte Kreditvermittler weiter. Die traditionellen Banken halten sich in der Regel zurück. In Bayern und Baden-Württemberg zeigen sich aber einige Geldhäuser aufgeschlossener, wenn sich ein Kunde für diese Art der Baufinanzierung interessiert.</P><P>Wechselkurs macht das Geschäft heikel</P><P>Grundsätzlich funktioniert das Modell so: Der Kreditnehmer nimmt die gewünschte Summe in Yen oder Schweizer Franken auf und muss das Geld auch in dieser Währung wieder zurückzahlen. Damit kann er von den sehr günstigen Zinsen profitieren, die in diesen Ländern gelten. Das Kreditinstitut packt dann noch einen kräftigen Aufschlag für die eigene Kasse drauf, und so kommen momentan Zinssätze um die 1,6 Prozent (für Yen) oder 1,8 Prozent (für Schweizer Franken) zustande _ also etwa ein Drittel der aktuell gängigen Hypothekendarlehen in Euro.</P><P>Was das Geschäft besonders heikel macht, ist der Wechselkurs. Sobald der Kurs der Fremdwährung steigt, wird der Kredit teurer. Sackt der Kurs ab, darf sich der Kunde die Hände reiben. Denn dann ist auch seine Endschuld zusammengeschmolzen. Der Yen gilt als schwankungsanfälliger, der Schweizer Franken als etwas stabiler. "Das Ganze kann gut gehen, muss aber nicht", warnt Grieble und gibt zu bedenken: "Schwankungen von 10 bis 15 Prozent im Jahr sind drin." Und Gottschalk mahnt: "Kalkulierbar ist der Kurs einer Währung nie."</P><P>Wenn's schief geht, muss man sich das Finanzloch leisten können</P><P>Auch in dem verlockend niedrigen Zinssatz stecken noch Risiken. Er richtet sich nach dem "Liborzinssatz" (London Interbank Offered Rate), der täglich neu festgesetzt wird. Steigen die Zinsen, wird das Darlehen wiederum teurer. Mit fixen, sicheren Zinsen, die die Banken normalerweise anbieten, hat das Geschäft also nichts zu tun. Garantiert wird der Zinssatz aber meist nur für drei Monate. Längere Festschreibungen sind zwar möglich. Damit steigt allerdings auch das Währungsrisiko, ein kurzfristiger Ausstieg ist nicht mehr drin.</P><P>Und der dritte Pferdefuß: Statt zu tilgen muss der Kunde ansparen, häufig über eine Lebens- oder Rentenversicherung oder einen Aktienfonds. Und diese Sparpläne bedeuten eine zusätzliche Gefahr, den Gesamtkredit am Ende auch auf einmal abzahlen zu können.</P><P>"Die Kunden haben es also mit drei dicken Risikofaktoren zu tun: der Zinsentwicklung, Währungsschwankungen und dem Scheitern des Tilgungsplans", fasst Haselsteiner zusammen. Bauschulden in Fremdwährung kämen deshalb höchstens für "vermögende Kunden mit Marktkenntnissen" in Frage. "Wenn's schief geht, muss man sich das Finanzloch leisten können", so Grieble.</P>

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