Rodenstock: Streik gegen Umzug?

- München - Stürmische Zeiten für Rodenstock: Nachdem Einsparvorschläge des Betriebsrats von 30 Millionen Euro (unter anderem ein Lohnverzicht von 20 %) den größten deutschen Brillenhersteller nicht davon abhalten konnten, den Rest an Produktion aus dem Werk Regen (Niederbayern) ins südböhmische Klattau zu verlagern, schwenken die Arbeitnehmer um. Sie wollen nun den Umzug teuer machen.

<P>Auf einer Betriebsversammlung in Regen stellte Bernhard Roos von der IG-Metall Forderungen auf: Qualifizierungszeiten von zwei Jahren und hohe Abfindungsforderungen will die Gewerkschaft in einem Haustarifvertrag regeln. Sie kündigte an, dafür notfalls auch zu streiken. Ein Arbeitskampf, um Verlagerung zu behindern? "Wir haben Möglichkeiten", sagte Roos gegenüber unserer Zeitung. Manchmal werden deutsche Mitarbeiter noch gebraucht. Nicht alles, was Rodenstock mit 600 Mitarbeitern in Böhmen oder mit 1200 Beschäftigten in Thailand billig produziert, kann den Kunden vorgesetzt werden. Selbst in Kündigungsphasen seien, so Roos, Mitarbeiter ins Werk beordert worden, um "nachzuarbeiten, was in Tschechien verbockt wurde".</P><P>370 Stellen sollen nach Firmenangaben wegfallen. Betriebsratschef Max Schiller moniert, dass nur in Vollzeitarbeitsplätzen gerechnet wird, nicht mit Menschen. Aufgrund der Teilzeitverträge geht es um 400 bis 420 Mitarbeiter. Ein Unternehmenssprecher dagegen verweist darauf, dass auch künftig in Regen noch produziert werde. In welchem Umfang und mit wie vielen Mitarbeitern, konnte er aber nicht sagen.</P><P>Das Angebot der Arbeitnehmer, Jobs in Regen zu halten, war der Firma zu wenig: 11 Millionen Euro fehlten zu den Sparzielen der Geschäftsführung unter Giancarlo Galli. Roos geht davon aus, dass unrealistisch niedrige Annahmen über Löhne in Tschechien zugrunde gelegt wurden. Er sieht als Hintergrund die Absicht, das Unternehmen für den Börsengang zu schmücken.</P><P>In den Augen von Kritikern segelt der nach eigenen Angaben führende Hersteller Deutschlands für Brillengläser und Brillenfassungen mit "Made in Germany" unter falsche Flagge. Die Hälfte der Wertschöpfung fällt auch künftig in Deutschland an, erwidert ein Rodenstock-Sprecher. Doch muss sich das Unternehmen deshalb bereits rechtfertigen. So schrieb ein Optiker aus Bischofswiesen an Aufsichtsrats-Chef Randolf Rodenstock, er habe sich für Rodenstock entschieden weil die "Brillengläser, zumindest teilweise in Deutschland produziert werden". Lukrative Angebote aus Asien, heißt es weiter, "habe ich deshalb bewusst nicht wahrgenommen. So wie sich für mich die Situation jetzt darstellt, bekomme ich meine Ware nun doch aus Asien. Zum gleichen Preis, aber billiger produziert."</P>

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