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Rohde & Schwarz (hier die Unternehmenszentrale in München) bleibt eigenständig.

Rohde & Schwarz dementiert Fusionsgerüchte

München – Ein angeblicher neu entstehender Rüstungskonzern wirbelt viel Staub auf. Die Beteiligten haben zwar gemeinsame Pläne – aber einige Nummern kleiner.

Keine lästigen Publizitätspflichten, keine nervenden Analystenanrufe. In vieler Hinsicht haben es Familienunternehmen leichter, als börsennotierte Unternehmen. Doch gestern liefen bei der – traditionell eher verschwiegenen – Kommunikationsabteilung von Rohde & Schwarz, die Drähte heiß. Denn Agenturmeldungen ließen den Schluss zu, dass das Münchner Unternehmen Teil eines neuen Rüstungselektronikonzerns werden könnte. Dazu gehören nach den Meldungen außer Rohde & Schwarz auch EADS und Carl Zeiss. Und das sorgte unter den Mitarbeitern von Rohde & Schwarz für erhebliche Unruhe.

Nun ist Rhode & Schwarz zwar einem breiten Publikum kaum bekannt. Dennoch gehört das Münchner Unternehmen mit rund 7000 Mitarbeitern, das unter anderem den ersten UKW-Sender in Deutschland aufgebaut hatte, zu den ersten Adressen der weltweiten Elektronikbranche. Es baut unter anderem Sendeanlagen, hochkomplexe Messeinrichtungen und ist Spezialist für Ortung sowie auch bei der Ent- und Verschlüsselung von Funksignalen.

Vor allem aber ist Rohde & Schwarz ein Familienunternehmen par Excellence und legte immer Wert auf seine Eigenständigkeit. Nach wie vor sind Vertreter der Eigentümer auch im operativen Geschäft des Unternehmens tätig. Da wäre es auch sehr erstaunlich, wenn sich Rohde & Schwarz einem börsennotierten Konzern wie EADS an die Brust werfen würde. Das tut das Unternehmen auch nicht. Es plant aber gemeinsam mit der EADS-Rüstungssparte Cassidian und Carl Zeiss ein überschaubares Gemeinschaftsunternehmen auf dem Gebiet der Rüstungselektronik – ein Bereich, in dem Rohde & Schwarz nur einen kleinen Teil seiner Umsätze macht. „Da ist nichts dran“, lautete gestern auch der einsilbige Kommentar aus dem Unternehmen zum angeblichen neuen Konzern. Auch EADS dementierte Pläne, die eben erst in Cassidian umbenannte Rüstungssparte wieder aufzulösen und zum Teil eines neuen Unternehmens zu machen.

Der Hintergrund ist recht einfach: Für ihre gemeinsamen Pläne brauchen die drei Partner eine Genehmigung des Bundeskartellamts. Diese wurde am 21. Januar 2011 beantragt. Der Sachverhalt stand – wie in solchen Fällen üblich – in der Liste der Behörde über „laufende Zusammenschlussverfahren“. Darüber berichtete gestern die Financial Times Deutschland.

Erst in den Nachrichtenagenturen wurde aus der Maus ein Elefant. Tatsächlich gibt es auf allen Ebenen Bestrebungen, die nach wie vor zersplitterte europäische Rüstungsindustrie zu größeren Einheiten zusammenzufassen. EADS ist beispielsweise ein Produkt dieser Bemühungen im Bereich der militärischen Luftfahrt. Dagegen scheiterte eine Fusion der Giganten für die Ausrüstung der Landstreitkräfte. Während Rheinmetall dazu bereit wäre, wehrt der familiengeführte Konkurrent Krauss-Maffei Wegmann alle Fusionversuche ab. So gibt es derzeit lediglich ein Gemeinschaftsunternehmen für Militärfahrzeuge von Rheinmetall und MAN.

Martin Prem

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