Rohde & Schwarz investiert kräftig und sucht weitere Ingenieure

- München - Stellenabbau, Verlagerungen ins Ausland und das Madig-Machen des Standortes Deutschland sind derzeit bei vielen Firmen an der Tagesordnung. Ganz anders hält man es bei Rohde & Schwarz. Nahe dem Ostbahnhof hat das Münchner Familienunternehmen für 35 Millionen Euro ein neues Technologiezentrum errichtet. Der Spezialist für Messtechnik und drahtlose Kommunikation stellt seine weltweit vertriebenen Produkte fast ausschließlich in Deutschland her und stellt hierzulande auch kräftig ein.

Der größte europäische Produzent von elektronischer Messtechnik peilt gegen Ende des laufenden Geschäftsjahres an, 6800 Menschen zu beschäftigen. Zum Geschäftsjahr 2004/05 waren es 6350 und ein Jahr zuvor 6160. Derzeit sucht das Unternehmen allein in Deutschland 200 neue Mitarbeiter, vorwiegend Ingenieure. "Wir haben in Deutschland eine sehr gute Infrastruktur und hoch qualifizierte Arbeitskräfte. Genau das braucht eine Firma wie wir und macht den Standort für uns attraktiv", sagte Friedrich Schwarz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Rohde & Schwarz GmbH & Co.KG vor der Eröffnung des Zentrums. Die Technischen Universitäten hierzulande seien hervorragend: "Wir finden gute Leute."

Auch sei laut Schwarz die Technik-Freundlichkeit in Deutschland auf einem aufsteigenden Ast. In München ist der größte Teil der Mitarbeiter aus Forschung und Entwicklung sowie Management, Zentralvertrieb und Verwaltung angesiedelt; hier arbeiten 1800 Menschen für Rohde & Schwarz. Produziert wird in Memmingen (1250 Beschäftigte) und Teisnach im Bayerischen Wald (900 Beschäftigte); außerdem gibt es noch ein Werk in Vimperk in Tschechien. 90 Prozent werden in Deutschland produziert, 80 Prozent der Umsätze im Ausland erzielt, führt Schwarz, Sohn eines der beiden Firmengründer, aus. In Köln befindet sich das Dienstleistungszentrum. Das Unternehmen unterhält Vertretungen in über 70 Ländern.

Für Forschung und Entwicklung will Rohde & Schwarz im laufenden Geschäftsjahr 180 (Vorjahr 160) Millionen Euro ausgeben. Die Investitionen belaufen sich auf 60 Millionen Euro, im Vorjahr waren es 91 Millionen mit dem Neubau. Dem Umsatz des vergangenen Geschäftsjahres 2004/2005 gibt das Unternehmen mit 1,12 Milliarden Euro an. Das sei ein Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Auftragseingang betrage 1,35 Milliarden Euro (plus 23 Prozent). Den Gewinn muss die Personengesellschaft nicht ausweisen. Nur so viel verrät Schwarz: "Wir waren immer profitabel, auch in der Internetkrise." Um bei dem rasanten Wachstum das Eigenkapital gleich zu halten, sei eine Nettorendite von sieben, acht Prozent nötig. "Das halten wir." Die Eigenkapitalquote liege bei 43 Prozent.

Rohde & Schwarz sieht sich weiter im Aufwind. "Die mobile Kommunikation ist ein Megatrend, der sich weiter fortsetzen wird", sagte Geschäftsführer Michael Vohrer. Mit Macht werde an immer höheren Übertragungsraten auch für Bilder gearbeitet. "Die Kombination Fernsehen und Mobilfunktechnik gefällt uns ganz besonders", freut sich Vohrer. Diese Kombination ist das, was das Haus Rohde & Schwarz wie kein Zweites könne. Auf den 13 000 Quadratmetern Laborfläche in dem neu errichteten Gebäude können jetzt Ingenieure an Technologien tüfteln, "die 2008 oder später kommen werden".

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