Rohöl/Devisen: Was die neuen Höchstpreise bedeuten

München - Fast zeitgleich haben Ölpreis und Euro Rekorde aufgestellt. Öl kostete 102,08 Dollar je Barrel, der Euro war erstmals mehr als 1,50 Dollar wert. Was bedeuten diese Höchststände? Hier Antworten auf zehn wichtige Fragen:

Hängen der hohe Ölpreis und der teure Euro zusammen?

Indirekt ja. Zunächst heißt ein starker Euro immer, dass der Dollar schwach ist. In Zeiten schwacher Dollarkurse steigen auch die Rohstoffpreise: Da Öl in Dollar bezahlt wird, wollen die Produzenten höhere Dollar-Beträge, um den Wertverfall auszugleichen. Außerdem flüchten Anleger aus dem Dollar in wertstabile Rohstoffe. Der hohe Ölpreis trifft die Konsumenten im Euro-Raum allerdings nicht so hart, da der Wertgewinn des Euro den Ölpreis-Anstieg teilweise ausgleicht.

Warum ist der Dollar so schwach?

Die US-Immobilien- und Kreditkrise hat den jahrelangen Verfall des Dollarpreises noch einmal beschleunigt. Ausländische Investoren zogen einen Teil ihrer Anlagen aus den USA ab, deshalb sank der Dollar-Kurs. Auch die US-Notenbank hat ihren Teil beigetragen, weil sie den Leitzins immer weiter senkte. Anleger zogen deshalb in Wirtschaftsräume mit höheren Zinsen.

Wird der Euro-Kurs noch weiter steigen?

"Der Euro hat seinen Langfrist-Höhepunkt fast erreicht", prognostiziert Jürgen Meyer, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Allenfalls sei noch ein Anstieg auf 1,52 bis 1,53 Dollar zu erwarten. Dann werde wohl eine mehrjährige Periode schwächerer Kurse folgen: "Ich erwarte keinen Absturz auf 1,10 Dollar, aber es dürfte eine deutliche Korrektur geben", sagte Meyer.

Was bedeutet ein starker Euro für die deutsche Wirtschaft?

Verbraucher können in einigen Fällen profitieren: Importware dürfte billiger zu haben sein, sofern die Einzelhändler die geringeren Einkaufspreise an die Verbraucher weitergeben. Die Kehrseite: Deutsche Waren mit festem Euro-Preis werden außerhalb des Euro-Raums teurer ­ das kann die Nachfrage drücken.

Was bedeutet ein teurer Euro für Reisende?

Urlauber in Dollar-Ländern können sich freuen: Sie haben mehr Dollar-Scheine in der Tasche und können vor Ort mehr kaufen. Die Reisen selbst werden allerdings nicht direkt billiger, Katalogpreise stehen lange im Voraus fest.

Bedroht der hohe Ölpreis die Konjunktur?

Wie hart der hohe Ölpreis die Wirtschaft trifft, ist sehr schwer zu sagen. Vor allem in Ländern mit schnell wachsender Wirtschaft kann die Preisexplosion beim Öl die Inflationsgefahr erhöhen.

Wie teuer wird das Öl noch werden?

Das weiß niemand. Manche Experten rechnen damit, dass der Ölpreis in fünf Jahren bei etwa 150 Dollar liegt, in zehn Jahren könnten es 200 Dollar sein. Entscheidend dürfte sein, wie lange die Ölförderung noch wirtschaftlich ist.

Wem nützen die hohen Ölpreise?

Vor allem den Opec-Ländern mit Saudi-Arabien an der Spitze, aber auch Russland oder Norwegen. In den USA wird viel Öl gefördert, aber noch mehr verbraucht. Auch die großen Ölkonzerne wie Exxon, BP oder Shell fuhren zuletzt Rekordgewinne ein.

Was bedeutet der hohe Ölpreis für die deutschen Autofahrer?

Laut ADAC-Statistik vom Mittwoch sind die Preise an den deutschen Tankstellen im Laufe der vergangenen Woche erneut stark gestiegen: Superbenzin kostete im Durchschnitt 1,416 Euro pro Liter, 1,8 Cent mehr als vor Wochenfrist.

Wie können sich Verbraucher in Deutschland vor steigenden Ölpreisen schützen?

Beim Autofahren hilft eine ruhige Fahrweise ­ früh hochschalten, bei Stopps Motor abstellen, nicht Höchstgeschwindigkeit fahren. Mieter und Hausbesitzer sollten sparsam heizen und zugige Türen und Fenster abdichten. Beim Kauf von Heizöl, Strom und Gas bringt die Suche nach günstigen Anbietern bares Geld.

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