Rohöl-Preise fallen weiter

- London/New York/Hamburg - Die Ölbranche hat nur wenig Interesse an den freigegebenen Ölreserve-Mengen der Internationalen Energie-Agentur (IAE) nach dem Hurrikan "Katrina" gezeigt. Der europäische Markt sei zu jeder Zeit ausreichend versorgt gewesen, hieß es zur Begründung vom Erdölbevorratungsverband (EBV) am Montag in Hamburg. Die Ölpreise fielen am Montag im Handelsverlauf deutlich und hielten sich unter 60 Dollar je Barrel (159 Liter).

In Deutschland habe die Branche von den angebotenen 300 000 Tonnen Benzin aus der IEA-Reserve rund 20 Prozent abgenommen, berichtete ein EBV-Sprecher. Von 145 000 Tonnen Diesel aus den Beständen des EBV konnten rund 40 Prozent zu Marktpreisen verkauft werden.

Die IEA hatte Anfang September nach der Hurrikan-Katastrophe zwei Millionen Barrel Öl und Ölprodukte täglich für einen Zeitraum von 30 Tagen bereitgestellt. Weil "Katrina" viele Ölförderanlagen und Raffinerien im Golf von Mexiko außer Gefecht gesetzt hatte, hatte es in den USA regionale Versorgungsengpässe gegeben. Die Freigabe von Reserven der IEA entlasteten die Raffinerien in Europa, die dadurch mehr Ölprodukte in die USA exportieren konnten, hieß es vom EBV.

Die Preise für Rohöl und Mineralölprodukte waren nach dem Hurrikan stark gestiegen. Auch in Europa kletterten die Preise kräftig, weil sich die USA auf dem europäischen Markt versorgten und vor allem Benzin kauften. Superbenzin erreichte in Deutschland am 2. September mit 1,46 Euro für einen Liter seinen Höchstpreis.

"Als politisches Signal hat die Freigabe von Reservemengen die Märkte durchaus bewegt", heißt es beim Ölkonzern ExxonMobil. Vor allem Finanzhändler verkauften Öl-Papiere und der Ölpreis ging zurück. Mittlerweile kostet ein Liter Superbenzin wieder weniger als 1,30 Euro. Nach Meinung des Internationalen Energie-Beraters PVM (Wien) liegt der Grund für die fallenden Preise vor allem in der schnelleren Erholung der US-Ölindustrie nach den jüngsten Hurrikans.

Zu Wochenbeginn war Rohöl billiger als zum Handelsschluss am Freitag. Leichtes US-Öl der Sorte WTI kostete am Montag in New York im Handelsverlauf 59,60 Dollar pro Barrel und damit 1,03 Dollar weniger als noch vor dem Wochenende. Auch in London fiel der Preis: Ein Barrel Öl der Nordseesorte Brent war am Montag für 57,48 Dollar zu haben - genau einen Dollar weniger als am Freitag.

Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) fiel am vergangenen Freitag auf 52,47 Dollar (Vortag 52,85 Dollar) pro Barrel. Damit setzte sich der Trend der vergangenen Wochen fort. Nach Berechnungen des OPEC-Sekretariats vom Montag ist der so genannte Korbpreis für elf wichtige Rohölsorten des Kartells seit Mitte September im Wochendurchschnitt von 58,13 Dollar kontinuierlich auf 54,10 Dollar in der vergangenen Woche gefallen.

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