Rohstoffe: Weizen & Co versprechen hohe Renditen

New York - Schon mal Mais, Soja oder Weizen gekauft? Nicht im Supermarkt ­ sondern an der Börse. Mit Grundnahrungsmitteln lässt sich derzeit an Rohstoffbörsen enorm viel Geld verdienen, die Preise sind auf Rekordfahrt.

Die Schattenseite der satten Gewinne: Hunger bedroht immer mehr Menschen weltweit, warnen Hilfsorganisationen. Und auch in den Läden bei uns werden Lebensmittel dadurch teurer.

Die Agrarpreise schießen an den Börsen seit Ende 2006 steil in die Höhe. Wer damals über Termingeschäfte in Weizen investierte, hat den Einsatz inzwischen rund verdoppelt. Ein Scheffel Weizen erreichte an der Chicagoer Terminbörse CBOT zeitweise den Rekordpreis von rund 13 Dollar. Bei Mais oder Soja verlief der Trend ähnlich, vergleichbar der Rekordjagd bei Rohstoffen wie Öl, Gold und anderen Edelmetallen.

Experten zufolge treiben eine Reihe von Faktoren die Preise in die Höhe ­ vor allem die steigende Nachfrage und Spekulanten. Rasant wachsende Riesen wie Indien, China und andere Schwellenländer verbrauchen mehr und immer höherwertige Nahrungsmittel. Der Boom bei Biokraftstoff erhöht den Bedarf an Agrarerzeugnissen zusätzlich. Die Produktion hält nicht mit. Die weltweiten Lagerbestände etwa an Weizen werden laut US-Agrarministerium in diesem Jahr auf den niedrigsten Stand seit 30 Jahren fallen.

Ebenso Kurstreiber sind aber Investoren weltweit. Die Kreditkrise ließ viele Anlageformen zusammenbrechen. Aktien sind auf unsicherer Berg- und Talfahrt. Die Kapitalströme flossen daher zunehmend in gewinnträchtige Agrar-Kontrakte und heizten damit die Hausse ­ wie Zeiten stark steigender Kurse heißen ­ nochmals kräftig an. Ganz groß mit dabei sind etwa Hedge-Fonds auf der Suche nach dem effektivsten Einsatz ihrer Milliarden.

Noch schneller dreht sich die Spirale durch eine Besonderheit bei Rohstoffen ("commodities"): Die Geschäfte müssen mit weit weniger Eigenkapital hinterlegt werden als etwa auf dem Aktienmarkt. Mit relativ wenig Einsatz kann auf viel Gewinn gewettet werden. Das lockt Spekulanten in Scharen.

Längst sind auch Privatanleger auf den Trend aufgesprungen. Über Online-Handelsplattformen sind Anlagen in Weizen & Co so einfach wie nie zuvor. Die Risiken bleiben je nach Geschäft jedoch enorm, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Geldes. Experten empfehlen vor Abschluss eine eingehende Beratung und nur den Einsatz eines kleinen Teils des eigenen Vermögens.

Historisch sollten Termingeschäfte ("Futures") für Agrarprodukte den Bauern finanziell helfen. Über die Börse konnten sie ihr Getreide schon vor der Ernte auf dem Papier verkaufen und Geld für nötige Investitionen bekommen. Daraus entstand ein gigantischer Finanzmarkt.

Doch wegen der Preisexplosion schlagen Hilfsorganisationen und die Vereinten Nationen Alarm: "Immer mehr Menschen nähern sich wegen der steigenden Getreidepreise der Schwelle zum Hunger an", warnt eine Sprecherin des UN-Welternährungsprogramms. Das International Food Policy Research Institute in Washington errechnete: Je Prozentpunkt höherer Nahrungsmittelpreise sind zusätzlich 16 Millionen Menschen von Hunger bedroht. Große Reisproduzenten wie Ägypten und Indien beschränkten bereits den Export aus Angst vor Engpässen und Unruhen.

Die heiß diskutierte Frage an den Waren-Terminbörsen: Platzt bald eine Blase? Zumindest kurze Preisstürze halten Experten für jederzeit möglich. Doch ein Ende der Hausse sieht Rohstoff-Analyst Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg noch nicht: "Die Nachfragesituation spricht für steigende Preise. Zudem bleibt die Angebotsseite eng."

Auch die Investmentbank Goldman Sachs rechnet allein für das laufende Jahr mit Preissteigerungen von bis zu rund 80 Prozent vor allem bei Weizen. Der Analyst Johann Schmalhofer erwartet sogar einen Aufwärtstrend bis 2014. Bei Weizen, Mais und Soja sei noch eine Vervielfachung der Kurse zu erwarten.

An den Märkten in den USA kursieren allerdings bereits erste Gerüchte über angebliche Finanzprobleme von Hedge-Fonds, die sich verspekuliert haben sollen. Ähnlich habe vor knapp einem Jahr auch die inzwischen weltweite Kreditkrise begonnen, unken Marktteilnehmer.

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