Frontansicht des Rolls-Royce Phantom bei der Motor Show in Brüssel, Belgien
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Die Kühlerfigur des Rolls-Royce „Spirit of Ecstasy“ hat heute Kultstatus.

Mehr als nur ein Transportmittel 

Rolls-Royce: Das ist die Luxusmarke der BMW Group

Die Rolls-Royce Motor Cars Ltd. ist bekannt für ihre in Handarbeit gefertigten Luxuskarossen, die sich heute besser verkaufen denn je.

  • Die Rolls-Royce Motor Cars Ltd. ist seit der Übernahme durch BMW eine Tochtergesellschaft des Konzerns, die von Torsten Müller-Ötvös als CEO geführt wird.
  • In der Automobil-Manufaktur stecken Spezialisten rund 800 Stunden Handarbeit in die Fertigung verschiedener Modelle vom Ghost über den Wraith, den Dawn und den Cullinan.
  • Die Automobile der Luxusmarke werden von einer aus Metall gegossenen Kühlerfigur geziert, die offiziell „Spirit of Ecstasy“ und landläufig „Emily“ genannt wird.

Manchester - Die Geschichte der Marke Rolls-Royce geht auf den Anfang des vergangenen Jahrhunderts zurück und gründet auf der Zusammenarbeit zweier Experten auf ihrem jeweiligen Gebiet: Henry Royce (70, † 1933) war ein begnadeter Techniker, der in Charles Rolls (32, † 1910) einen ebenbürtigen Kaufmann fand. Sie lernten sich im Jahr 1904 kennen, wobei es noch weitere zwei Jahre dauerte, bis sie am 15. März 1906 in Manchester die Firma Rolls-Royce Limited gründeten.

Schon mit ihrem ersten Modell, dem 40/50 HP (1906-1925), der sogleich einen Langstreckenrekord aufstellte, machten Henry Royce und Charles Rolls auf der Automobilmesse in London auf sich aufmerksam. Ab 1907 als Silver Ghost bezeichnet, hatte das Auto schnell den Ruf, das aktuell beste auf dem Markt erhältliche Fahrzeug zu sein. Rolls-Royce war also schon damals eine Luxusmarke, die ein knappes Jahrhundert später durch eine Übernahme zur BMW AG gehören sollte – als eine Tochtergesellschaft mit Produktionsstätte im britischen Goodwood und angeführt von Torsten Müller-Ötvös als Vorsitzendem der Geschäftsführung von Rolls-Royce Motor Cars Ltd.

Rolls-Royce: Luxusmarke mit berühmter Kühlerfigur

Eine silbern glänzende, kniende Frau, deren Kleid im Wind weht, wird seit dem Jahr 1911 auf den Kühlern der Fahrzeuge der Luxusmarke Rolls-Royce angebracht. ”Spirit of Ecstasy“ („Geist der Verzückung“) wird die Figur genannt, die der Bildhauer Charles Robert Sykes (74, † 1950) ursprünglich für den britischen Adligen John Walter Edward Douglas-Scott-Montagu, 2. Baron Montagu of Beaulieu (52, † 1929) entworfen hatte.

Dieser hatte sich die Figur für seinen Rolls-Royce nach dem Vorbild seiner Geliebten und Sekretärin Eleanor Thornton (34, † 1915) fertigen lassen, die der britischen High-Society angehörte. Die Idee kam so gut an, dass Rolls-Royce alle seine Fahrzeuge mit der Kühlerfigur ausstatten wollte, wobei Lord Montagu seine Geliebte als Modell ebenso unterbrachte wie Sykes als Künstler. Die aus Metall gegossene Kühlerfigur war die erste, die bei einer britischen Automarke in Serie ging. Auch nach der Übernahme durch BMW blieb die auch als „Emily“ bezeichnete Figur als besonderes Merkmal der Luxusmarke, die von Torsten Müller-Ötvös angeführt wird. Firmengründer Henry Royce selbst war vom „Spirit of Ecstasy“ übrigens wenig verzückt und fuhr zeitlebens ein Automobil ohne Kühlerfigur.

Rolls-Royce und die neuesten Modelle für Liebhaber

Rolls-Royce präsentierte – angelehnt an das erste Automobil, den Silver Ghost, 2009 neun Jahre nach der Übernahme durch BMW auf der Automesse Shanghai erstmals den Ghost. Mit 5,40 m Länge eine vergleichsweise kleine Baureihe, die mit Preisen ab einer Viertelmillion Euro auch günstiger zu haben ist als andere Modelle der Luxusmarke. Ein Versuch der britischen Automobil-Manufaktur, mit diesem Angebot der Konkurrenz wie Maserati oder Bentley die Stirn zu bieten, die im Vergleich zu den eigenen bislang auch preiswertere Fahrzeuge im Angebot hatten.

Mit dem Wraith brachte die Automobil-Manufaktur 2013 eine zweitürige Coupé-Version des Ghost auf den Markt, die sich durch die hinten angeschlagenen Türen auszeichnet und bei dem PS-Liebhaber noch mehr auf ihre Kosten kommen. Rechtzeitig zum Frühlingsbeginn konnten Rolls-Royce-Fahrer 2016 dann auch ein Cabrio in Form des Dawn ordern, der ein Gegenmodell zu den großen Fahrzeugen der Phantom-Reihe sein sollte, die vor allem auch im Chauffeursdienst eingesetzt werden. Mit dem Cullinan produziert die von Torsten Müller-Ötvös geführte Tochtergesellschaft von BMW seit 2018 ihren ersten SUV mit Allradlenkung und 8-Stufen-Automatikgetriebe, dessen Karosserie im BMW Group Werk Dingolfing gefertigt wird.

Rolls-Royce, die Übernahme durch BMW und der Erfolg des amtierenden CEOs

Nach dem frühen Tod von Charles Rolls stieg der Firmen-Mitgründer Henry Royce vor dem Ersten Weltkrieg ins Flugmotorengeschäft ein, das bis 1971 parallel zur Autosparte lief. Damals wurde der Auto-Teil an den britischen Konzern Vickers verkauft, der sich 1998 wieder von ihm trennen wollte. Fast wäre Rolls-Royce damals an Volkswagen gegangen, doch letztendlich hatte die BMW Group die Nase vorn und übernahm im Jahr 2000 für 120 Millionen Mark das Nutzungsrecht der Marke.

Die Übernahme war perfekt und heute sind im britischen Goodwood 1400 Spezialisten mit der Fertigung der Luxuskarossen beschäftigt, in denen pro Modell laut „Spiegel“ rund 800 Stunden Handarbeit stecken. 2010 wurde Torsten Müller-Ötvös, der seit 1988 für BMW arbeitete, zum Chef der Luxusmarke, die seitdem große Erfolge verzeichnet. Allein im Jahr 2019 wurden 5152 Autos ausgeliefert und damit 25 Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2018. Unendliches Wachstum gehört aber nicht zur Strategie des deutschen CEOs. Die Kunden, so sagte er einmal, wollten die Fahrzeuge nicht an jeder Ecke sehen. Rolls-Royce wolle auch langfristig im einstelligen Tausender-Bereich bleiben.

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