Rote Karte gegen die Spielsucht

- Berlin - Die Bundesregierung geht gegen die Abzocke von Spielsüchtigen vor. Das Wirtschaftsministerium bereitet eine Novelle vor, nach der Spielautomaten, die zum Einsatz hoher Summen reizen, verboten werden. Kommt die Änderung, müssen bis zu 80 000 Geräte in Spielhallen abgebaut oder neuen Regeln angepasst werden "Uns beschäftigt die Thematik der so genannten Fun Games schon länger, jetzt ist eine Änderung der Spieleverordnung geplant", bestätigte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums unserer Zeitung.

<P>Wann die Änderung in Kraft treten solle, sei noch unklar. Insgesamt drei Milliarden Euro werden pro Jahr in Deutschlands Spielhallen ausgegeben, davon ein immer größerer Teil für "Fun Games". Diese waren in zwei Eilverfahren des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Hamburg Ende März für unzulässig erklärt worden. Ob "Las Vegas", "Fun City" oder "Dynamite Joe": Die Hersteller der betroffenen Unterhaltungsspielgeräte sprechen verharmlosend von "Fun Games". Doch in Wirklichkeit sind es Spielautomaten mit knallharten Regeln. Bis zu 1200 Euro kann ein Spieler an einem solchen Gerät in nur einer Stunde verlieren.<BR>Die hohen Verluste kommen durch die Spielgeschwindigkeit zustande. Ein Spiel dauert nur drei Sekunden. Offiziell gelten "Fun Games" nicht als Glücksspiele, da die Automaten kein Geld ausspucken, sondern Spielmarken, mit denen ein neues Spiel gestartet werden kann. Doch Polizei und Ordnungsämter machen andere Erfahrungen. Viele Spielhallen-Betreiber umgehen die Spiele-Verordnung und zahlen ihren Kunden die Marken bar aus. Inzwischen wird mit den Marken sogar im Internet gehandelt. <BR><BR>"Die Branche nennt solche illegal handelnden Betreiber liebevoll ,schwarze Schafe'", sagt Jürgen Trümper, Geschäftsführer des Arbeitskreises gegen Spielsucht e.V. Aber gerade "Fun Games" hätten ein "immens hohes Stimulations- und Suchtpotenzial", weil die Dauer eines Spieles statt zwölf Sekunden nur drei betrage. Den Vorstoß der Bundesregierung hält Trümper für sinnvoll: "Es ist gut, wenn die Geräte vom Markt genommen werden. Sie sind technisch nicht kontrollierbar." <BR><BR>Dass es "schwarze Schafe" gibt, bestreitet Kurt Besse, Präsident des Bundesverbandes der Automaten-Unternehmen, nicht. Man sei aber selbst mit der Aktion "Rote Karte" gegen diese Spielstätten vorgegangen. Besse weist auf die verschärfte Situation in der Glücksspielbranche hin. Die Spielhallen bekämen zunehmend Konkurrenz im Internet, im Fernsehen und durch die staatlichen Spielbanken. "Wir werden weiter zurückgedrängt, wenn wir die heutigen Spielbedürfnisse nicht erfüllen", glaubt er. Ein Verbot von bestimmten "Fun Games" sei zu verkraften, sagt Besse, wenn "uns der Staat anderweitig entgegenkommt". Seine Branche müsse die Spiele attraktiver gestalten können, fordert er. Nach unbestätigten Medienberichten ist genau das der Fall. Das Ressort von Wolfgang Clement kommt danach Glücksspiel-Betreibern mit einigen Lockerungen entgegen. Die Mindestspielzeit pro Einsatz soll von zwölf auf drei Sekunden gesenkt werden. Der zulässige Verlust soll von 60 auf 105 Euro pro Stunde erhöht werden, der maximale Gewinn soll weiterhin 500 bis 600 Euro pro Stunde betragen. Zudem sollen Unternehmen zukünftig 15 statt zehn Automaten pro Halle beziehungsweise drei statt zwei Geräte pro Gaststätte aufstellen dürfen. <BR><BR></P>

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