Royal Bank of Scotland mit zweitgrößtem Verlust in Bankengeschichte

London - Die Royal Bank of Scotland (RBS) ist wegen der Finanzmarktkrise tief in die roten Zahlen gerutscht und hat das zweitgrößte Minus in der britischen Banken-Geschichte eingefahren.

Die zweitgrößte Bank des Königreichs verbuchte in den ersten sechs Monaten des Jahres einen Vorsteuer-Verluste von 691 Millionen Pfund (877 Mio Euro), wie das Institut am Freitag in London mitteilte. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte RBS noch ein Plus von 5 Milliarden Pfund erwirtschaftet.

Wegen des Wertverlusts zahlreicher Kapitalanlagen hatte RBS nach der Übernahme der niederländischen Bank ABN Amro Abschreibungen in Höhe von 5,9 Milliarden Pfund verkraften müssen. RBS-Chef Fred Goodwin zeigte sich von dem Verlust betroffen. "Meine Kollegen und ich bedauern das sehr." Vor Bekanntgabe der Zahlen war allerdings über ein noch höheres Minus spekuliert worden. Analysten hatten einen Fehlbetrag von bis zu 1,7 Milliarden Pfund befürchtet. Den größten Verlust in der britischen Bankengeschichte (minus 715 Mio Pfund) hatte Lloyds im Jahr 1989 eingefahren.

Zum negativen Ergebnis der Royal Bank of Scotland, die vor der Finanzmarktkrise noch zu den vertrauenswürdigsten Banken Großbritanniens gezählt hatte, trug nach Ansicht von Experten vor allem die Übernahme der niederländischen Bank ABN Amro bei. "ABN war das falsche Geschäft zum falschen Preis zur falschen Zeit", sagte ein Analyst. Ein von den Schotten geführtes Konsortium hatten ABN Amro im Oktober vergangenen Jahres für umgerechnet 71 Milliarden Euro übernommen.

Bankchef Fred Goodwin wertete die Fortschritte bei der Integration der von ABN Amro übernommenen Sparten allerdings als Erfolg. Hier komme die Bank schneller voran als geplant. Beim Ausblick blieb Goodwin vorsichtig. Es sehe so aus, als ob sich die schwierige Lage an den Finanzmärkten mit einer weltweiten Konjunkturabkühlung vermische.

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