Rückkauf: Warum Unternehmen Anteile zurückbekommen wollen

- München - Der US-Computerkonzern IBM plant den größten Aktienrückkauf in der Geschichte des Unternehmens. Fünf Milliarden Dollar hat der Verwaltungsrat dafür genehmigt. Aber nicht nur in Amerika entschließen sich immer mehr Aktiengesellschaften, sich selbst zurückzukaufen. Auch hierzulande stehen Rückkauf-Programme auf der Agenda vieler Unternehmen.

<P>Neben Dax-Titeln wie BMW, Deutsche Börse, Siemens, Altana und BASF haben auch kleinere Unternehmen wie Hugo Boss oder Salzgitter einen Aktienrückkauf angekündigt. Auch Anleger können von Rückkauf-Programmen profitieren. In den letzten Monaten stand auf der Agenda einiger Hauptversammlungen der Punkt "Aktienrückkauf".<BR>Plant eine AG den Rückkauf eigener Anteilsscheine, müssen die Aktionäre zustimmen. Nur selten legen diese gegen ein Rückkaufprogramm ein Veto ein, schließlich wird damit der Firma eine solide Basis attestiert. Nur eine gesunde Firma kann für solche Aktionen Geld einsetzen. Die Gründe für den Aktienrückkauf sind unterschiedlich.<BR><BR> Zum Beispiel kann so überflüssiges Eigenkapital an die Aktionäre zurückgegeben werden. <BR><BR> Mit dem Aktienrückkauf kann auch der Aktienkurs stabilisiert werden.<BR><BR> Eine feindliche Übernahme kann auf diese Weise erschwert werden. <BR><BR>Im Vergleich zu Amerika spielen Aktien-Rückkaufprogramme in Deutschland immer noch eine eher untergeordnete Rolle. Im vergangenen Jahr investierten US-Firmen mehr als 150 Milliarden Dollar in den Kauf eigener Aktien.<BR>Rückkäufe sind in Deutschland erst seit 1998 erlaubt und im Aktiengesetz geregelt. <BR><BR> So darf eine AG maximal zehn Prozent ihres Grundkapitals zurückkaufen. <BR><BR> Der Eigenerwerb darf nicht der kontinuierlichen Kurspflege und dem Handel in eigenen Aktien dienen.<BR> Der Vorstand ist verpflichtet, sich beim Erwerb und bei der Veräußerung eigener Aktien neutral zu verhalten. Er muss die Gleichbehandlung der Aktionäre sicherstellen.<BR><BR>Für den Anleger ist ein Aktienrückkauf oft eine gute Nachricht. Durch den Rückkauf steigt häufig der Kurs der Aktie, weil sich wegen der geringeren Stückzahl bei gleichbleibendem Ergebnis auch der Gewinn je Aktie erhöht. Schon die Nachricht über die Genehmigung eines Rückkaufes oder die Meldung über den anstehenden Rückkauf beflügelt in vielen Fällen den Kurs.<BR><BR>Steuerlich gesehen kann ein Aktienrückkauf gegenüber der klassischen Dividendenzahlung auch für den Anleger vorteilhafter sein. Dividenden müssen versteuert werden, sofern der Freistellungsauftrag ausgeschöpft ist. Kursgewinne, die der Rückkauf indirekt mit sich bringen kann, sind außerhalb der einjährigen Spekulationsfrist steuerfrei.<BR><BR>Warum sich ausgerechnet jetzt eine Vielzahl von Firmen entschließen, eigene Aktien zurückzukaufen, hängt vor allem an der Tatsache, dass viele börsennotierte Unternehmen gut bei Kasse sind. Das beweisen mitunter auch die hohen Dividendenzahlungen für das Jahr 2004. Als vor vier Jahren konjunkturell bedingte Gewinnwarnungen und Firmenpleiten die Märkte lähmten, fehlte bei den meisten AGs das Kapital, um eigene Anteilsscheine zu kaufen.<BR><BR>Kritiker kreiden den Firmen, die eigene Aktien zurückkaufen, an, dass das Kapital nicht optimal eingesetzt wird. Besser wäre in ihren Augen eine Investition in die Zukunft der Gesellschaft oder eine Anhebung der Dividende.<BR>Auch die Tatsache, dass sich viele Gesellschaften auf der Hauptversammlung einen Rückkauf zwar genehmigen lassen, ihn aber gar nicht umsetzen, stößt auf Kritik. Experten raten Anlegern, die auf Aktien mit "Rückkaufsphantasie" setzen wollen, sich genau über die jeweiligen Firmen zu informieren. Gesellschaften mit einer sehr hohen Bewertung oder AGs, die eigene Aktien nur kaufen, um damit Optionspläne bedienen zu können, gelten als weniger attraktiv.</P>

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