Rückkehr der Aktie: Wo 2005 das meiste Geld zu holen war

- München - Das Jahr 2005 hat sich als guter Börsenjahrgang erwiesen. Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa strahlte die Börsensonne. Als Perlen am deutschen Aktienmarkt entpuppten sich im Jahr 2005 die Immobilienwerte Colonia-Real-Estate und Vivacon. Wer im Juni beispielsweise für 10 000 Euro Aktien von Colonia-Real-Estate (ehemals Küppersbusch AG) gekauft hatte, kann sich jetzt über einen Gewinn von über 700 Prozent, sprich 70 000 Euro, freuen. Vivacon überzeugte mit einem Kurssprung von knapp 400 Prozent. Weitere Überraschungen waren der Biotechwert Mologen (+ 397%), der Axa-Konzern (+ 325%) und Primacom (+ 290%). Zu den Überfliegern gehörten auch wie schon im Vorjahr der M-Dax-Wert Salzgitter ( +210%) und Solarworld (+ 257%).

Aktien begehrt

Zwar waren die Experten sich zu Jahresbeginn einig, dass die Aktien 2005 steigen werden, kaum ein Analyst hatte aber den rasanten und mehr als deutlichen Anstieg prognostiziert. Der weltweite Konjunkturaufschwung, erfreuliche Unternehmenszahlen, aber auch niedrige Zinsen und politische Faktoren wie die Neuwahl beflügelten die deutschen Dividendentitel. Den knapp 30-prozentigen Dax-Anstieg konnten auch der zeitweise über 70 Dollar teure Ölpreis und Inflationsängste nicht stoppen. Ein weiterer Punkt, der für ein Comeback der Aktie spricht: Neuemissionen standen im vergangenen Jahr wieder auf der Tagesordnung, etwa 50 Firmen feierten 2005 ihr Börsendebüt.

Dax-Tops und -Flops

Der große Gewinner im Dax war 2005 die Aktie der Deutschen Börse, die zuletzt doppelt so viel kostete wie noch zu Jahresbeginn. Mit einer glänzenden Performance präsentierten sich auch die Commerzbank (+ 78%) und die HypoVereinsbank (+ 60%). Gründe für den Höhenflug dieser Werte: Fusionen, Übernahmefantasien und geplatzte Fusionsversuche. Nur zwei der 30 Dax-Werte enttäuschten mit einer negativen Bilanz, nämlich die Deutsche Telekom (- 15%) und Infineon (- 2%).

Starke Nebenwerte

Gefragt waren 2005 vor allem die Werte der zweiten Reihe. Der M-Dax und der S-Dax gewannen im Jahresvergleich 36 Prozent und erreichten neue Allzeit-Höchstmarken. Nur der Technologieindex Tec-Dax kam nicht so richtig in Fahrt. Die 30 Werte legten zwar durchschnittlich 15 Prozent zu, ohne den Gipfelstürmer Solarworld wäre das Plus aber wohl einstellig ausgefallen.

Die besten Branchen

In der deutschen Branchenbilanz glänzten Bau-Aktien, die durchschnittlich knapp die Hälfte ihres Wertes zulegen konnten. Knapp dahinter mit einem Plus von 43 Prozent liegen die Versorger-Werte, die nicht nur von den stark steigenden Energiepreisen, sondern auch von der Neuwahl profitieren konnten. Gesucht wurden 2005 auch Bankaktien (+39%) und Chemiewerte (+35%). Einen großen Bogen machten die Anleger hingegen um Telekom- und Medientitel. Letztere litten vor allem unter dem Kurssturz der Premiere-Aktie.

Die besten Börsen

Der EuroStoxx50 und die meisten anderen Euroland-Börsen konnten zwar den Dax nicht toppen, gewannen aber trotzdem im Schnitt mehr als 20 Prozent. Die großen Gewinner waren wie bereits im Vorjahr die osteuropäischen Finanzmärkte. Getrieben von Konvergenzfantasien, legten die Börsen in Budapest und Prag 40 Prozent, der Istanbuler Aktienmarkt sogar 54 Prozent zu. Einer der Hauptprofiteure der Osteuropafantasie ist Österreich, und so war es nicht verwunderlich, dass der Wiener ATX-Index 50 Prozent gewann. Eine Wiederauferstehung erlebten die japanischen Dividendentitel. Der Nikkei-Index gewann knapp 40 Prozent, so viel wie zuletzt vor über 10 Jahren. Top-Börse des Jahres war der Aktienmarkt in Moskau. Vor allem die Kurssprünge bei Öl- und Gaswerten ließen den RTS-Index um mehr als 80 Prozent explodieren. Der US-Aktienmarkt hingegen trat auf der Stelle. Der Dow Jones steht zum Jahresende genau da, wo er in der Neujahrsnacht war.

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