1. Startseite
  2. Wirtschaft

Veggie-Siegeszug: Rügenwalder Mühle verkauft erstmals mehr Vegetarisches als Fleisch

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Lisa Mayerhofer

Kommentare

Vegetarische und vegane Fleischersatzprodukte von der Rügenwalder Mühle im Supermarkt-Kühlregal.
Die Rügenwalder Mühle ist deutscher Marktführer für Fleischalternativen. © Joerg Boethling/Imago

Die Fleischindustrie in Deutschland leidet unter steigenden Preisen und sinkender Nachfrage. Dafür liegt Veggie im Trend. Der Rügenwalder Mühle beschert dies satte Zuwächse.

Bad Zwischenahn – Der Fleischhersteller Rügenwalder Mühle hat sich umorientiert und setzt seit Jahren auf vegetarische und vegane Produkte. Damit hat der deutsche Marktführer für Fleischalternativen nun ein kräftiges Umsatzplus verbucht. Im Geschäftsjahr 2021 erwirtschaftete das Unternehmen ein Plus von 12,7 Prozent auf 263,3 Millionen Euro, wie das Unternehmen mit Sitz in Bad Zwischenahn am Montag mitteilte.

Rügenwalder Mühle verkauft mehr Veggie-Produkte als Fleisch

Dabei verkaufte Rügenwalder nach eigenen Angaben erstmals in einem Geschäftsjahr mehr vegane und vegetarische Produkte als klassische Fleisch- und Wurstprodukte. „Wir freuen uns, dass wir vor allem im Bereich der Fleischalternativen weiterhin auf Wachstumskurs sind“, sagte Vorstand Michael Hähnel.

Ziel sei es, dies weiter auszubauen. Dafür wurde ein neuer Produktionsstandort in Goldenstein im Landkreis Vechta erworben. Welche Gewinnzahlen sich aus dem Umsatz ergeben, teilt die Firma aus Niedersachsen nicht mit. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben 851 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Der Fleischhersteller spürt jedoch auch die Folgen des Ukraine-Krieges: Lieferengpässe und steigende Kosten bei Energie und Rohstoffen wie Sonnenblumenkernen und Weizen belasten die Rügenwalder Mühle. „2022 wird ein herausforderndes Jahr“, sagte Hähnel dem Handelsblatt. Die Krise betreffe alle Marktteilnehmer in der gesamten Wertschöpfungskette für Fleisch und Veggie.

Hähnel spricht sich deshalb für einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Veggie-Produkte von sieben statt 19 Prozent aus. „Wir sehen keinen Grund, warum die pflanzlichen Proteine gegenüber Produkten aus Fleisch hier benachteiligt werden sollten“, sagte er der Zeitung.

Sinkende Nachfrage bei Tönnies

Andere Branchengrößen der Fleischindustrie leiden dagegen schon seit Monaten unter der weiter sinkenden Nachfrage, fehlenden Exportmöglichkeiten und zusätzlichen Kostenexplosionen. Immer mehr Deutsche haben im vergangenen Jahr ihren Fleischkonsum reduziert: Zahlen des Bundeslandwirtschaftsministeriums zeigen, dass der Pro-Kopf-Verzehr von Fleisch 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 Kilogramm auf 55 Kilo gesunken ist. Damit handelt es sich um den niedrigsten Wert seit Beginn der Berechnungen im Jahr 1989. 

Der spürbare Rückgang beim Fleischkonsum hat auch deutliche Spuren in der Bilanz des größten deutschen Schlacht- und Fleischkonzern Tönnies hinterlassen. Der Jahresumsatz sank um 11,4 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro, wie das Familienunternehmen Ende April in Rheda-Wiedenbrück gemeldet hatte. Als Grund gab Tönnies durchgängig niedrigere Erzeugerpreise und gesunkene Tierzahlen in Deutschland an. Mit Material der dpa

Auch interessant

Kommentare