Rürup-Rente: Tester decken große Unterschiede auf

München - Erstmals haben Verbraucherschützer im großen Stil Angebote zur Rürup-Rente verglichen. Die Leistungsunterschiede sind immens. Selbstständige und Freiberufler, die staatlich gefördert fürs Alter vorsorgen wollen, sollten deshalb ganz genau vergleichen.

Während sich die Riester-Rente mit Millionen abgeschlossener Verträge zum Vorsorge-Schlager gemausert hat, fristet die Rürup-Variante noch immer ein Schattendasein. Gerade einmal 600 000 Bürger in Deutschland haben sich bisher dazu entschlossen, mit dem im Jahr 2005 eingeführten Steuerspar-Modell monatlich Geld für den Ruhestand zurückzulegen. Doch das könnte sich nach dem groß angelegten Vergleich der Stiftung Warentest in Berlin ändern.

Über 70 Tarife für Männer und Frauen haben die Fachleute der Verbraucherschutzorganisation unter die Lupe genommen ­ und ein positives Fazit gezogen. Wie in der aktuellen Ausgabe des Magazins "Finanztest" (5/2008) zu lesen ist, haben zahlreiche Tarife mit "gut" abgeschnitten. Die Angebote von CosmosDirect, Europa und Debeka erhielten sogar die Bestnote "sehr gut". Allerdings enttäuschten auch einige Versicherer wie die Volksfürsorge und die Hamburg-Mannheimer. Sie bekamen nur ein "ausreichend" verliehen. 100 Euro Differenz

Getestet hatte die Stiftung klassische Rürup-Rentenversicherungen, bei denen die monatlichen Beiträge überwiegend in sichere Zinspapiere ­ und nicht in Fonds ­ angelegt werden. Dabei wurden jährliche Beitragszahlungen von 6000 Euro über eine Laufzeit von 25 Jahren unterstellt. Besonderes Augenmerk galt der garantierten Rente, die der Sparer nach Eintritt in den Ruhestand erhält. Hier ergaben sich drastische Unterschiede, so erhielten männliche Musterkunden im besten Fall 821 Euro pro Monat und im schlechtesten Fall nur 722 Euro. Hochgerechnet auf einen Rentenbezug von 25 Jahren sind das ­ ohne Zinseszinseffekt ­ 30 000 Euro.

Auch bei den weiblichen Musterkunden ergaben sich deutliche Unterschiede bei der garantierten Rente. Frauen müssen allerdings generell eine niedrigere garantierte Auszahlung einkalkulieren. Das liegt daran, dass sie statistisch gesehen länger leben und deswegen länger Rentenzahlungen erhalten. Anders als bei den Riester-Policen gibt es bei Rürup-Verträgen keine sogenannten Unisex-Tarife.

In das Test-Urteil floss jedoch nicht nur die Höhe der Garantierente ein, sondern auch die voraussichtliche Höhe der Überschuss-Anteile. Denn wenn die Versicherer das Geld ihrer Kunden gut anlegen, gibt es mehr Rente. Wirtschafte zum Beispiel die Debeka künftig so gut wie in den vergangenen Jahren, erhöhe sich die garantierte Rente für den Modellkunden von 799 auf 1237 Euro, erklärt Stephan Kühnlenz von der Stiftung Warentest. Wenig Flexibilität

Der Haken bei den meisten Rürup-Policen ist nach Ansicht der Experten die mangelnde Flexibilität. So erlauben viele Anbieter eine Beitragsfreistellung erst nach mehreren Jahren Laufzeit. Wenn ein Sparer seine Beiträge vorher nicht mehr zahlen könne, sei das bereits eingezahlte Geld weg, warnt Kühnlenz. Gerade für die Haupt-Zielgruppe der Rürup-Vorsorge, Selbstständige und Freiberufler (siehe Kasten), kann dieser mangelnde Freiraum ein Problem darstellen.

Die Stiftung Warentest rät deshalb davon ab, spontan eine Police abzuschließen. "Ein Rürup-Vertrag ist eine echte Lebensentscheidung", heißt es. Das Geld sei endgültig festgelegt und stehe nur noch für die Altersvorsorge zur Verfügung. "Im Krisenfall kündigen, die Einzahlung entnehmen und die Förderung zurückzahlen ist nicht möglich."

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