Rürup-Rente: Meist rentiert sie sich nur für ältere Top-Verdiener

- Das Grundkonzept klingt verlockend: Wer mit der Rürup-Rente fürs Alter spart, kann die Beiträge als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Derzeit zu 62 Prozent, bis 2025 dann ansteigend bis auf 100 Prozent. Steuern werden erst nachgelagert auf die Rente fällig, ebenfalls schrittweise. Doch das Rentenmodell ist längst nicht das Steuer-Schnäppchen für Selbstständige, als das es gern verkauft wird.

"Die Einzigen, für die der Steuervorteil aufgehen kann, sind ältere Top-Verdiener mit Spitzensteuersatz kurz vor Renteneintritt", betont Georg Plötz von der Verbraucherzentrale Bayern. Viele andere müssten eher draufzahlen. Die Rürup-Rente, auch Basis-Rente genannt, entpuppe sich vor allem für jüngere Selbstständige und Freiberufler bei näherem Hingucken häufig als schlechtes Geschäft.

"Für jüngere Selbstständige meist nicht rentabel"

Wir befürchten eine Vielzahl von Falschberatungen", erklärt Plötz/ Kollege Merten Larisch. Wer sich für das Rürup-Modell interessiert, solle sich nicht allein auf die "schönen Steuerspar-Berechnungen" der Vermittler und Anbieter verlassen, rät Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Wichtig sei immer, vor Abschluss einen Steuerberater hinzuzuziehen. Denn die steuerliche Förderung kann im Einzelfall schnell verpuffen. Die so genannte Günstigerprüfung des Finanzamts bremst den geplanten Steuereffekt meist aus.

Grundsätzlich ist die Basisrente zwar speziell für Selbstständige und Freiberufler gedacht, die nicht rentenversicherungspflichtig sind. Das Modell bietet ihnen die Chance, steuerbegünstigt für den Ruhestand zu sparen. Doch die Rürup-Rente sei längst nicht für die gesamte Zielgruppe empfehlenswert, gibt Andreas Gernt, Altersvorsorgeexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen, zu bedenken. Für Angestellte und "Otto Normalbürger" sei das Sparmodell ohnehin nicht optimal. So hängt die Rendite der Rürup-Rente unter anderem von der Höhe des einzuzahlenden Beitrags ab, vom persönlichen Steuersatz des Selbstständigen und von der Laufzeit des Vertrags.

Rentabilität hängt von Höhe der Absetzungen ab

Nach Berechnungen von "Finanztest" lohnt sich das Konzept am ehesten für Besserverdiener, die nur noch wenige Jahre bis zur Rente haben und für ihre weiteren Vorsorgeaufwendungen nicht mehr als 2400 Euro im Jahr von der Steuer absetzen. Wer für Krankenversicherung, Lebens- oder Haftpflichtpolice etwa 3500 Euro pro Jahr absetzt, fährt schon deutlich weniger gut.

Und alle, die den Höchstbetrag von 5069 Euro im Jahr steuerlich geltend machen, müssen schon den Höchstbetrag von 20 000 Euro im Jahr einzahlen, damit eine Rürup-Rente für sie einigermaßen rentabel wird. Außerdem sind noch weitere Kröten zu schlucken, warnt Bieler: So kommt ein Versicherungsnehmer bis zu seinem vollendeten 60. Lebensjahr nicht an sein Geld heran, bis dahin bleibt das Angesparte unantastbar. Er muss zudem die ganze Laufzeit über feste Beträge einzahlen. "Für Selbstständige mit schwankenden Einkünften kaum machbar", warnt Bieler.

Die Auszahlung gibt es im Alter auch nicht auf einen Schlag, sondern nur monatlich. Die Rentenansprüche dürfen nicht beliehen, nicht übertragen und nicht verkauft werden. Sie können in keiner Weise zu Geld gemacht werden. Stirbt der Versicherungsnehmer vorzeitig, verfällt das Angesparte. "Ein sehr unflexibles Produkt", kritisiert Gernt.

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