In Rüsselsheim geht die Angst vorm großen Sparen bei Opel um

- Rüsselsheim - Auf den Straßen von Rüsselsheim gibt es derzeit nur ein Thema: Opel. Die Angst ist groß, dass Entlassungen oder sogar eine teilweise Schließung des Stammwerks das Gesicht der Stadt südwestlich von Frankfurt für immer verändern könnten. "Wenn Opel hustet, dann hat Rüsselsheim einen Schnupfen", heißt ein gängiger Spruch in der 60 000-Einwohner-Stadt. Während bei den Beschäftigten des Autoherstellers noch die verzweifelte Hoffnung auf eine Schonung des Standorts überwiegt, machte sich in der Stadt angesichts der Ungewissheit Panik breit.

<P>Die Konzernmutter General Motors will nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" bei seinen europäischen Töchtern Opel, Saab und Vauxhall mehr als 500 Millionen Euro einsparen. 12 000 Arbeitsplätze stünden auf der Kippe.<BR><BR>"Rüsselsheim wird wie eine Geisterstadt im Wilden Westen", befürchtet Özgür Aktag, Inhaber einer Pizzeria, sollte es zum Schlimmsten kommen, "alle hier haben Angst vor der Zukunft". Das Opel-Werk mit insgesamt 20 000 Beschäftigten gehört zum Alltag der Rüsselsheimer - der Haupteingang liegt nur wenige Schritte entfernt vom Stadtzentrum.<BR><BR>Viele Passanten wirken wie gelähmt. Der frühere Opel-Mitarbeiter Adamo Bono vermisst Kampfgeist: "Bewohner und Geschäfte, alle leben von Opel. Aber keiner unternimmt etwas, um den Standort zu retten." Einzelhändler rechnen im Fall der Verlagerung der Produktion oder Massenentlassungen mit dem Aus. Schon die Werksferien hätten Auswirkung auf die Einnahmen, meint Gabriela Bayer, Filialleiterin einer Lebensmittelkette. "Macht Opel zu, können wir auch schließen."<BR><BR>Eine taktische Maßnahme vermutet der Rüsselsheimer Christian Otto hinter den Drohungen von General Motors: "Da werden Versuchsballons gestartet, um das Saab-Werk in Schweden gegen Opel in Rüsselsheim auszuspielen."<BR><BR>Bei der Stadtverwaltung ist Oberbürgermeister Stefan Gieltowski (SPD) nicht zu sprechen. Eine Vertreterin weist darauf hin, dass es auch im Fall der Verlagerung der Vectra-Produktion Alternativen gebe. Zwar zahle das verlustreiche Unternehmen keine Gewerbesteuer, "aber wir profitieren über die Arbeitsplätze", meint die Sprecherin. Die Stadt sei ständig im Gespräch mit Management und Betriebsrat.<BR><BR>Bei den Beschäftigten des Opel-Werks überwiegt noch die Hoffnung, dass die Auswirkungen gering bleiben. "Die Mitarbeiter sind ja auch bereit, kleine Einschnitte hinzunehmen", sagt Betriebsrat Antonio Silico. "Wir wollen unseren Arbeitsplatz behalten." Er vermutet, dass die Manager mit ihren Drohungen Angst schüren wollen, um eine bessere Verhandlungsposition zu erreichen. Kampflos würden die Opel-Mitarbeiter eine Schließung nicht hinnehmen. "Wenn sie die Anlagen abmontieren wollen, müssen sie schon mit einer Hundertschaft kommen", sagt einer, der lieber nicht namentlich genannt werden möchte. <BR></P><P> </P>

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