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Mit bayerischem Janker, aber ohne gute Nachrichten für die bayerischen Standorte: Airbus-Chef Tom Enders kündigte ein hartes Jahr für die Rüstungs- und Raumfahrtsparte an.

Rekordjahr

Airbus: Rüstung bleibt eine teure Baustelle

München - 2014 war für Airbus ein Rekordjahr. Das macht die teuren Probleme in der Rüstungssparte für Konzernchef Thomas Enders umso ärgerlicher.

Das Rüstungsgeschäft bleibt für den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns Airbus eine Großbaustelle. Während seine Passagierflugzeuge immer neue Höhen erklimmen, rückt nun ein Teilverkauf der Rüstungsaktivitäten näher, bestätigte Konzernchef Thomas Enders zur Bilanzvorlage in München. Betroffen sind große Teile des Standorts Ulm, die Hälfte der Aktivitäten in Friedrichshafen und Teilbereiche in München. „Die Ausgliederung läuft, gut 100 Interessenten haben ihre Hand gehoben, das Interesse im Markt ist groß“, betonte Enders. Man nehme nun Kontakt mit Investmentbanken auf. Ein Verkauf der nicht mehr zum Kerngeschäft zählenden Aktivitäten werde 2015 Fahrt aufnehmen, stellte Vorstandskollege Marwan Lahoud klar.

„Das wird ein hartes Jahr für die Leute bei Verteidigung und Raumfahrt“, warnte Enders vor. Nach dem laufenden Abbau von allein hierzulande 2600 Stellen in den Airbus-Rüstungsbereichen sind Verkäufe der zweite Schritt, um die Problemsparte zurechtzustutzen. Früher sollte sie einmal zum zweiten Standbein ausgebaut werden. Nun ist Airbus auf dem Rückzug. Die IG Metall zeigte sich von den strikten Verkaufsplänen überrascht. Betriebsräten und Gewerkschaftern gegenüber sei bislang auch von Partnerschaften oder einem Verbleib der vor ihrer Ausgliederung stehenden Bereiche unter dem Airbus-Dach als Option die Rede gewesen.

Insgesamt geht es um die Ausgliederung von Aktivitäten vor allem im Bereich Verteidigungselektronik mit bundesweit gut 3000 Stellen, bestätigte ein Airbus-Sprecher. Der Standort Ulm ist personalseitig zu vier Fünfteln betroffen. Allein das entspricht 2000 Stellen. In Friedrichshafen ist mit 550 Arbeitsplätzen etwa die Hälfte der Belegschaft betroffen. Um eine ähnliche Dimension geht es beim Rüstungsstandort Unterschleißheim bei München, dessen Personal derzeit zudem auf andere Werke verteilt wird.

Betriebsräte votieren dafür, die Standorte komplett zu verkaufen. „Lasst den Laden beieinander“, lautet der Appell an Enders. An den betroffenen Orten wird aber auch für die Flugzeugbereiche von Airbus gefertigt und zugeliefert. Das ist für den Konzern unverkäufliches Kerngeschäft, womit Konflikte mit Personal und IG Metall vorprogrammiert sind. Zudem dürfte die Politik ein Wort mitreden. Von den Verkaufsabsichten betroffen sind sensible Bereiche wie Verschlüsselungs- und Sensortechnik.

Verteidigungselektronik ist zudem einer der wenigen Wachstumsbereiche der sonst unter Auftragsmangel leidenden Airbus-Rüstungssparte. „Da muss man uns erst mal erklären, warum ein Verkauf strategisch Sinn macht“, meinte ein Gewerkschafter und verwies auf die Airbus-Tochter Premium Aerotec. Auch die sollte einst verkauft werden, was dann abgeblasen wurde. Die Belegschaft werde immer mehr verunsichert und schlecht informiert, kritisieren Gewerkschafter. Für Ungemach sorgt bei Airbus auch der Militärtransporter A400M. Für das bereits vier Jahre hinter dem urspünglichen Zeitplan liegende Projekt sind nun nochmal 551 Millionen Euro Sonderlasten angefallen, räumte Enders ein. Zuvor hatte er das zuständige Management auswechseln lassen. 161 Mängel hatte das Bundesverteidigungsministerium jüngst am A400M beanstandet, der pro Stück 175 Millionen Euro kostet. Auf weit über vier Milliarden summieren sich für Airbus mittlerweile die Abschreibungen für das Krisenprojekt. Enders hofft, dass es 2015 keine weiteren außerplanmäßigen Kosten verursacht. Versprechen wollte er das aber nicht. Rund 16 Exemplare des Fliegers sollen 2015 ausgeliefert werden. 20 Stück waren ursprünglich geplant.

Völlig überstrahlt werden die Probleme im Militärbereich, zu denen auch der Hubschrauber NH 90 zählt, allerdings von den alles dominierenden und boomenden Airbus-Passagierflugzeugen. Das soll auch so bleiben, weshalb Enders für 2015 neue Rekorde für Konzernumsatz und Auftragsbestand sowie steigende operative Gewinne angekündigt hat.

Voriges Jahr waren die Umsätze um fünf Prozent auf knapp 60 Milliarden Euro geklettert, während der operative Gewinn um gut die Hälfte auf vier Milliarden Euro sprang. Aktionäre können sich über eine von 75 Cent auf 1,20 Euro erhöhte Dividende freuen. Der Auftragsbestand hat 857 Milliarden Euro erreicht, was die Produktion rechnerisch ein Jahrzehnt auslastet. Konzernweit beschäftigte Airbus Ende 2014 gut 138 600 Mitarbeiter.

Von Thomas Magenheim-Hörmann

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