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Ruhe bei den Röstern: Streit unter Tchibo-Eignern vorerst beigelegt

- Hamburg - Der Kampf der Kaffeeröster ist wohl der skurrilste Streit in einer deutschen Unternehmerfamilie. Jahrzehntelang rauften die Tchibo-Eigentümer, die zerstrittene Familie Herz, um die Macht im milliardenschweren Bohnen-Imperium. Jetzt rüsten sich die Röster für den großen Abgang: Zwei der Geschwister werden ausgezahlt. Der Frieden kostet mehrere Milliarden Euro.

<P>Die Geschwister Daniela und Günter Herz sowie der Unternehmensberater Otto Gellert werden aus dem Unternehmen herausgekauft. "Sie geben ihr Aktienpaket von 39,6 Prozent an die verbleibende Aktionärsgruppe um Michael Herz ab", teilte die Tchibo-Holding am Abend nach einer Aufsichtsratssitzung knapp mit. Der Kaufpreis ist geheim, die Größenordnung lässt sich erahnen: Fünf bis sechs Milliarden Euro hatte Tchibo nach dem Verkauf der Zigarettenfirma Reemtsma in der Kasse. Geschätzt wird, dass es bald vier Milliarden weniger sind.</P><P>Nun sind nur noch die drei Brüder Michael, Joachim und Wolfgang Herz sowie ihre Mutter Ingeborg Eigentümer des Kaffee- und Handelsimperiums, zu dem auch ein knappes Drittel des Körperpflegekonzerns Beiersdorf gehört. Unter den fünf Geschwistern und Mutter Ingeborg herrscht seit Jahrzehnten Streit. Günter Herz sprach vor einem Jahr von massiven Auseinandersetzungen "im Bereich des Emotionalen": "Mein Vater wäre von all dem nicht begeistert."</P><P>Vater Max Herz hatte das Unternehmen gegründet und aufgebaut. Günter Herz hatte nach dem Tod des Gründers ab 1965 aus dem Kaffeeröster Tchibo ein hochprofitables Handelsunternehmen gebastelt. 10 000 Mitarbeiter machen rund drei Milliarden Euro Umsatz.</P><P>Beiersdorf: Es darf ein bisschen mehr sein</P><P>Um nun das Geld zusammenzukratzen, wurde im Vorfeld des Zahltags wohl eine aufwändige Konstellation gewählt. Dem Vernehmen nach haben die Aktionäre eine Sonderdividende beschlossen, mit der die verbleibenden Eigentümer ihre Geschwister und Gellert zahlen.</P><P>Wenn die Milliarden schon ausgeschüttet sind, könnte es weitere Transfers geben. In Branchenkreisen wird spekuliert, dass die steinreichen Geschwister nach der Ausschüttung gemeinsam Anteile an Beiersdorf kaufen könnten. Die AG gehört schon zu 30 Prozent Tchibo. Zurzeit hält die Allianz ein 44-Prozent-Paket an Beiersdorf und will verkaufen.</P><P>Allerdings will der Versicherungskonzern mehr Geld als die 3,9 Milliarden, die das Paket nach dem Börsenkurs wert ist. Ob die Geschwister sich auf ein gemeinsames Vorgehen einigen können, ist offen. "Wenn man kein gemeinsames Ziel hat, soll man getrennte Wege gehen", wird Günter Herz oft zitiert.</P><P>In einer Erklärung teilte Vorstandschef Dieter Ammer mit, nun würden alle Management-Kapazitäten eingesetzt, um die Firma "weiter nach vorne zu bringen". Verdi-Landesleiter und Aufsichtsrat Ulrich Meinecke sagte, das Tchibo-Engagement bei Beiersdorf stehe nicht zur Disposition. Die neuen Eigentümer würden auch am Ziel festhalten, mehr Beiersdorf-Anteile zu kaufen. Man wolle die Tchibo-Holding langfristig mit wenigstens zwei Standbeinen erhalten, hieß es von der Gewerkschaft. Das habe Michael Herz zugesagt. Weil nun das Risiko ständigen Zoffs der Aktionäre gebannt sei, stimmen die Arbeitnehmer zu.</P><P>Der Aufsichtsrat wählte Reinhard Pöllath als Nachfolger von Jens Odewald zu seinem neuen Vorsitzenden. Er hat sich, heißt es, den Posten schwer verdient: Angeblich war es der Münchner Anwalt, der den Frieden in der Familienfehde vermittelte.</P>

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