Ruin statt Rente bei Altersvorsorge: Pulverfass grauer Kapitalmarkt

- Wer zu Hause eine Art "Sparvertrag" zur Altersvorsorge abgeschlossen hat, sollte den unbedingt prüfen lassen. Denn nicht immer ist im Ordner die solide Anlage für den Ruhestand abgeheftet, sondern eine zwielichtige, hoch riskante Investition auf dem grauen Kapitalmarkt. Statt einem hübschen Sümmchen im Alter drohen Totalverlust und Schulden.

"Wir befürchten, dass hunderttausende Bürger auf tickenden Zeitbomben sitzen und es einfach nicht wissen", sagt Markus Saller, Jurist der Verbraucherzentrale Bayern. Manchmal hätten bekannte Vertreter das Finanzgeschäft vermittelt, häufig fremde Berater an der Haustür. Dabei seien sowohl Vertreter als auch Kundschaft häufig "ahnungslos", wie Jens Günther, Finanzberater der Verbraucherzentrale Sachsen, weiß. Keiner wisse genau, was hinter den verkauften Verträgen eigentlich stecke - bis auf die Drahtzieher im Hintergrund.

Jahr für Jahr verlieren Anleger Schätzungen zufolge rund 30 Milliarden Euro auf dem grauen Kapitalmarkt (siehe Kasten). Was unter dem Deckmäntelchen der Altersvorsorge angeboten wird, sind nicht etwa harmlose Sparbücher oder monatliche Sparverträge, wie der gutgläubigen Kundschaft gern erzählt wird. Sondern riskante stille Beteiligungen an Unternehmen, oft an Pleitefirmen. Mit Laufzeiten von 15, 20 oder 30 Jahren und mehr. Zur angeblichen Altersvorsorge werden auch Inhaberschuldverschreibungen an den Mann gebracht, Genussscheine, Genossenschaftsbeteiligungen, Erwerbermodelle und Schrottimmobilien.

Wer unterschreibt, wird also kein normaler Sparer. Er wird vielmehr Unternehmer, beispielsweise als "atypisch stiller Gesellschafter" oder als Kommanditist - und muss damit das volle Unternehmerrisiko tragen. Meist ohne zu wissen, wohin sein Geld eigentlich fließt. Gerät die Firma in Schieflage, ist die Einlage meist in den Sand gesetzt. Als Unternehmer "steht man dann ganz hinten in der Schlange der Gläubiger", betont Günther.

Aber es kann noch schlimmer kommen. Auf den Anleger können zusätzlich noch Nachforderungen zukommen, er muss Geld nachschießen. Manchmal gerät er auch in persönliche Haftung mit seinem ganzen Vermögen, so die Erfahrungen Sallers. Das Vertrackte an den Verträgen: In den ersten Jahren bekommt man kaum mit, dass im Schrank ein "faules Ei" schlummert. Erst bei Schieflage der Firma oder bei persönlichen Finanzengpässen wird klar, dass man aufs falsche Pferd gesetzt hat.

Geprellte können oft die Notbremse ziehen

Für geprellte Anleger gibt es dennoch häufig Chancen auf eine Notbremse, versichert Günther. Beispielsweise dann, wenn der Prospekt zur Geldanlage nicht ausreichend über die Risiken aufklärte. Oder wenn der Vertreter gar nicht oder nur fehlerhaft über die Rücktrittsmöglichkeiten informierte. Dann verlängert sich das Widerrufsrecht auf unbefristete Zeit. Normalerweise gilt: Wurde der Vertrag an der Haustür oder auf der Straße angebahnt, hat der Kunde zwei Wochen Zeit für den Rückzieher. Und dann besteht manchmal auch noch die Chance, dem Verkäufer eine Falschberatung nachzuweisen.

Wer einer "falschen" Altersvorsorge aufgesessen ist, kann sich bei der Verbraucherzentrale Bayern helfen lassen (089 / 5 39 87 - 21 / 24).

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