Rund 1400 Euro pro Auto im Jahr: Was der Staat jetzt schon kassiert

- Die Stimmen mehren sich. Mit Sachsen hat sich das vierte Bundesland dem Ruf nach einer Pkw-Maut angeschlossen. Damit wird wahrscheinlicher, dass Autofahrer in Deutschland künftig für die Benutzung von Autobahnen zahlen müssen. Allerdings schränkte der sächsische CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer ein, die Fahrer müssten bei der Mineralölsteuer entlastet werden.

Dass der Durchschnittsfahrer im Schnitt nicht mehr zahlen muss, ist aber eine finanzpolitische Milchmädchenrechnung, wie der Autoclub ADAC einwendet.

Denn dabei werden die Erhebungskosten vergessen. Denn Druck und Verkauf von Vignetten und die notwendigen Kontrollen verschlingen einen erheblichen Teil der Einnahmen. Die Gebühren, die von ausländischen Fahrern gezahlt werden, liegen unter diesen Erhebungskosten, sagt Andreas Hölzel vom ADAC.

Und auch ausländische Autofahrer werden, wenn sie in Deutschland tanken, auf dieser Seite wieder entlastet. Allerdings ist die Entlastung selbst dann nicht üppig, wenn die vollen Maut-Einnahmen den Autofahrern in Form einer geringeren Mineralölsteuer zurückgegeben werden. 3,5 Milliarden Euro mögliche Mauteinnahmen bei einer angepeilten Jahresgebühr von 100 Euro sind nicht einmal zehn Prozent dessen, was dem Staat an Mineralölsteuer für Benzin und Diesel zufließt.

Das sind rund 37 Milliarden Euro. Da bei einer Absenkung der Mineralölsteuer dem Staat auch Mehrwertsteuer verloren geht, könnte der Staat höchstens auf vier bis fünf Cent Mineralölsteuer pro Liter verzichten - im für die Autofahrer günstigsten Fall.

Vielfahrer würden entlastet, Wenigfahrer zahlen dafür mehr. Wegen der Erhebungskosten würden aber - wenn die Mautpflicht für den Staat kein Verlustgeschäft werden soll - die Autofahrer im Durchschnitt mehr zahlen. Doch dadurch ist noch kein Betrag zum Stopfen von Haushaltslöchern gewonnen, was ein Hintergedanke bei den Mautplänen ist.

Doch diese sind nach Berechnungen der Automobilclubs ohnehin die Melkkühe der öffentlichen Kassen. 51 Milliarden Euro zweigen sie insgesamt an den Fiskus ab. Gerade 17 Milliarden fließen in den Straßenbau zurück - ein Drittel.

Das zahlt ein durchschnittlicher deutscher Autofahrer bereits jetzt an den Staat:

Die Kraftfahrzeugsteuer kostet im Durchschnitt pro Fahrzeug 181,23 Euro.Die Mineralölsteuer schluckt pro Jahr beim Durchschnittsfahrer 913 Euro. Steueraufkommen 37 Milliarden Euro bei 40,5 Millionen in Deutschland zugelassenen Autos. Darin enthalten ist auch die Ökosteuer.Die Mehrwertsteuer allein auf den Sprit summiert sich noch einmal auf 225 Euro (16 Prozent bei einem Spritpreis von 1,30 Euro pro Liter, einer Jahresfahrleistung von 12 900 Kilometern und einem Verbrauch von 8,4 Litern auf 100 km).Nicht zu vernachlässigen sind 86,91 Euro, die der Staat bei Haftpflicht und Kasko als Versicherungssteuer abgreift.

Allein diese Kosten summieren sich pro Auto auf knapp 1400 Euro im Jahr. Noch gar nicht enthalten sind die Mehrwertsteuer beim Autokauf sowie für Wartung und Reparatur.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dax nimmt Kurs auf Rekordhoch
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat wieder sein Rekordhoch ins Visier genommen. Trotz des weiter starken Euro und der lustlosen Wall Street knüpfte der deutsche Leitindex …
Dax nimmt Kurs auf Rekordhoch
Nach Eklat um Mini-Dosen: Coca-Cola plant diese Öko-Revolution 
Vor ein paar Tagen stand Coca-Cola noch als Umweltsünder in spe am Pranger. Nun kontert der Brausen-Konzern mit einer ambitionierten Umweltoffensive.
Nach Eklat um Mini-Dosen: Coca-Cola plant diese Öko-Revolution 
Schlimmer Vorwurf gegen Edeka: Dunkler Verdacht bei Chicken Nuggets
Chicken Nuggets sind sehr beliebt. Auch Edeka verkauft das Nahrungsmittel. Eine Studie erhebt eine heftige Anschuldigung gegen die Lebensmittelkette.
Schlimmer Vorwurf gegen Edeka: Dunkler Verdacht bei Chicken Nuggets
Forderung nach mehr Tierschutz zum Auftakt der Grünen Woche
Lebensmittel sollen nicht zu teuer sein. Doch was bedeutet das für den Umgang der Bauern mit Tieren und Böden? Naturschützer dringen zum großen Branchentreffen in Berlin …
Forderung nach mehr Tierschutz zum Auftakt der Grünen Woche

Kommentare