Rupert Murdoch bestellt neuen Chef

Michael Börnicke hat mit Premiere die Kurve nicht gekriegt. Nach nur einem Jahr im Amt schmeißt der Vorstandschef hin. Der unzufriedene Großaktionär Rupert Murdoch soll nachgeholfen haben.

Lange stand Michael Börnicke bei Premiere im Schatten seines Vorgängers Georg Kofler. Kofler war "Mr. Premiere", der Strahlemann, der den Bezahlsender 2005 an die Börse brachte. Börnicke kümmerte sich um die Zahlen. Im August vergangenen Jahres schied Kofler dann überraschend aus, nachdem er seine Anteile an Premiere versilbert hatte. Börnicke übernahm, doch Kofler hatte seinem "engsten Partner und Weggefährten" ein schweres Erbe hinterlassen. Zu schwer offenbar. Nun nimmt auch Börnicke seinen Hut.

Der Sender teilte mit, Börnicke habe aus persönlichen Gründen gebeten, ihn von seiner Aufgabe freizustellen. "Der Aufsichtsrat hat die Notbremse gezogen. Sie waren unzufrieden mit Börnicke", sagt dagegen ein Branchenkenner. Der neue Großaktionär Rupert Murdoch, dessen News Corp. ein Viertel der Anteile an Premiere hält, wollte Fortschritte sehen, doch diese blieben weitgehend aus. "Die müssen sich total in die Haare bekommen haben", meint auch Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Im ersten Halbjahr 2008 vergrößerte sich das Minus bei Premiere von 28 auf knapp 66 Millionen Euro. Dabei waren es zunächst einmal Koflers Zahlen, die Börnicke ausbaden musste. "Herr Börnicke hat viele Altlasten übernommen", sagt Bergdolt. "Kofler hat bei der Vergabe der Bundesliga-Rechte zu hoch gepokert. Das hat das Unternehmen viel gekostet." Kofler war 2005 im Ringen um mehr Exklusivität für seinen Sender auf Konfrontationskurs zur Deutschen Fußball Liga gegangen und hatte verloren. Den Zuschlag erhielt der Nobody Arena. Die Premiere-Aktien verloren zeitweise zwei Drittel an Wert. Viele Abonnenten wanderten ab.

Mittlerweile hat Premiere die Bundesliga zwar zurückgekauft, doch dafür werden rund 220 Millionen Euro pro Saison fällig. Ob Premiere bei der anstehenden Neuvergabe der Rechte zum Zug kommt, steht noch in den Sternen. Hinzu kommen massive Einbußen durch zahlreiche "Schwarzseher". Börnicke kündigte deshalb die Einführung eines neuen Verschlüsselungssystems an, das "Schwarzseher" ausschließen soll.

Auf der Hauptversammlung im Juni gab er außerdem ehrgeizige Wachstumsziele für den Sender aus. Der Umsatz sollte sich bis 2012 verdoppeln, vielleicht sogar verdreifachen. 10 Millionen Abonnenten seien drin, meinte Börnicke vollmundig. 2007 waren es gerade einmal 4,3 Millionen. Selbst im Unternehmen beurteilten einige seine Ankündigungen skeptisch. Sogar eine Übernahme des Free-TV- Senders Sat.1 vom ProSiebenSat.1-Konzern brachte Börnicke ins Spiel.

Richten soll es nun der Murdoch-Mann Mark Williams. Der News-Corp.-Manager wechselte vom Premiere-Aufsichtsrat in den Vorstand, er gilt aber nur als Übergangskandidat. Ob Murdoch seinen Anteil nun weiter aufstockt, bleibt offen. Als plausibel gilt dieses Szenario aber. Die Deutsche Bank schrieb in einer Studie, mit dem Wechsel stiegen auch die Chancen auf weitere Investments durch Murdoch. Eine Erhöhung des Anteils oder eine Komplettübernahme werde zu gegebener Zeit erwartet.

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