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Geht es um die Milchqualität oder um den Marktzugang? Russland lässt Molkereiprodukte, die nur von deutschen Länderbehörden geprüft werden, nicht mehr ins Land.

Genossenschaften haben Probleme

Russen versperren Bayern ihren Markt

München – Regionales Unternehmen oder Global Player? Genossenschaften können beides sein – und bekommen es mit den Tücken des internationalen Wettbewerbs zu tun.

Die Tanklastzüge kennt jeder. Die Produkte auch. Bayernland ist ein großer Milchverarbeiter in Deutschland. Sie ist aber eine eingetragene Genossenschaft, eine Rechtsform, die überwiegend von kleinen regional orientierten Molkereien genutzt wird, die meist den Bauern gehören, die sie beliefern. Das zeigt bereits, in welchem Spektrum sich Genossenschaften inzwischen bewegen – vom Dorfladen bis hin zum global operierenden Konzern.

Bayernland und mehrere andere vergleichbar große deutsche Molkereien haben derzeit ein Problem. Diesen stark am Export orientierten Genossenschaften wurde der Zugang zu einem ihrer wichtigsten Märkte gesperrt: Zu der von Russland geführten Zollunion. Bereits ab Dezember dürfen sie keine Milch und vor allem keinen Käse mehr in ihren wichtigsten Markt im Osten liefern.

Grund sind angebliche Qualitätsmängel. So richtig klar ist derzeit niemandem, worin eigentlich diese Mängel liegen. Aber mittlerweile kristallisiert sich heraus, dass die Milchgüteprüfung durch die deutschen Bundesländer nicht den russischen Anforderungen genügt. Die Russen monieren das Fehlen einer nationalen Kontrolle. Der Stempel einer Behörde aus Weißrussland ist demnach einfach mehr wert als der des Freistaats Bayern.

Die Betroffenen vermuten ganz andere Motive für das Verbot. Es gehe wohl auch um den Schutz der einheimischen Milchwirtschaft. Doch ganz offen sagen will das keiner. Stephan Götzl, Präsident des Genossenschaftsverbandes Bayern, spricht ganz vorsichtig nur von einer „Anmutung von Protektionismus“. Die Genossen fordern nun den Einsatz der deutschen Politik für die Interessen ihrer Milchwirtschaft.

Denn diese hat gar keine Wahl, als ihr Heil im Export zu suchen. Allein Bayern deckt den Bedarf an Milchprodukten im eigenen Land zu 180 Prozent. Daher ist Export die einzige denkbare Lösung – auch für viele genossenschaftlich organisierte Milchverarbeiter. Alexander Büchel, Vorstandsmitglied des Genossenschaftsverbands Bayern, fordert von den meist kleineren Genossenschaften „neue Formen der Zusammenarbeit zu diskutieren“. Denn viele kleine Milchverarbeiter können allein im internationalen Wettbewerb nicht mithalten. Kooperationen bei der Verarbeitung von Trockenmilchprodukten könnten den Bayerischen Genossenenschaften neue Märkte auch in Asien oder Afrika erschließen, sagt Büchel.

Doch denkbar sind auch andere Beispiele einer Zusammenarbeit. In Italien darf beispielsweise die Bezeichnung des weltberühmten „Parmigiano Reggiano“ nur von einem Verbund genossenschaftlicher Käsereien verwendet werden. Winzige Betriebe, die oft nur wenigen Bauern gehören, haben mit einer international bekannten Exklusivmarke den Zugang zum Weltmarkt. In Deutschland haben sich zwar einzelne Genossenschaftsmolkereien ihre Produkte schützen lassen, aber Marken, die mehrere kleine Unternehmen gemeinsam weltweit nutzen dürfen, gibt es hier nicht.

Während sich der Genossenschaftsverband hier zunehmend der Globalisierung und ihren Problemen stellen muss, geht der Trend auf der anderen Seite hin zu immer kleinräumigeren Strukturen. Örtliche Energieerzeuger oder -verteiler, von wenigen Bürgern betriebene Dorfläden und zunehmend auch lokale Sozialeinrichtungen, etwa im Bereich der Altenpflege, greifen immer häufiger auf die Rechtsform der Genossenschaft zurück.

Martin Prem

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