Rußfilter nachrüsten? Im Prinzip ja, aber in der Praxis oft nein

- München - Der durchschnittliche Dieselauto-Besitzer versteht die Welt nicht mehr. Noch vor gut fünf Jahren erhielt er eine Steuervergünstigung beim Neukauf eines Dieselautos mit der Euro-4-Norm, jetzt steht er plötzlich mit einer Feinstaub-Dreckschleuder da. Was tun?

<P>Im schlimmsten Fall droht dem Selbstzünder-Lenker ein Fahrverbot, weil die strengen EU-Grenzwerte beim Feinstaub von den meisten Kommunen nicht eingehalten werden können. Da hilft eigentlich nur die Nachrüstung mit einem Partikelfilter - und da beginnt das Problem für den umweltbewussten Autobesitzer.<BR><BR>Zwar gibt es für viele Fahrzeuge eine Möglichkeit der Nachrüstung. Doch vor allem bei kleinen Motoren sieht es düster aus. <BR><BR>Angenommen man besitzt einen deutschen Diesel-Kleinwagen. Eine Anfrage beim Großhändler wird freundlich verneint: Für sein Auto gibt es keinen Filter, erfährt der Kunde. Wann wird es denn soweit sein? Keine Angaben zu dieser Nachfrage.<BR><BR>Da gibt es noch einen zweiten Weg. Wer den Kraftstoff wechselt, erreicht zwar nicht die Reinigungswirkung eines Rußfilters, doch um 40 Prozent lassen sich, nach Angaben von Bio-Diesel-Anbietern die schädlichen Partikel durch Einsatz des nachwachsenden Treibstoffs reduzieren. Darüber hinaus werden auf diese Weise auch andere schädliche Abgase reduziert. Bange Frage: Kann der Wagen auf Bio-Diesel umgestellt werden? Die Antwort: "Das hängt von der Fahrgestellnummer ab, da müssen Sie im Werk anrufen, ob ihr Baujahr für Bio-Diesel freigegeben ist." Ende der Auskunft. Doch der Diesel-Besitzer will nicht aufgeben. Da hatte doch der Geschäftsführer einer Fahrzeugtechnikfirma aus Menden in Nordrhein-Westfalen bei einem Umweltkongress in Augsburg erklärt, es gebe für alle Dieselfahrzeuge Nachrüstfilter. Eine Nachfrage ergab, dass dies im Prinzip richtig ist, aber noch nicht Wirklichkeit. Für das Auto des Betroffenen gebe es leider noch keinen Filter. Auf der Homepage des Unternehmens www.hjs.com gibt es eine Liste, doch der Kleinwagen ist wieder nicht dabei.<BR><BR>"Bei einer Betrachtung der Fahrzeugflotten wird es gewisse Prioritäten geben, so dass z. B. der VW Polo Diesel nicht unmittelbar nachgerüstet werden kann", lautet die freundliche Auskunft aus dem Sauerland.<BR><BR>Der Diesel-Besitzer will immer noch nicht glauben, dass er auf verlorenem Posten steht. Er schickt eine Internet-Anfrage an die Bundestagsfraktion der Grünen und erhält nach über einer Woche eine nichtssagende Antwort. Das ebenso angefragte Umweltbundesamt verweist auf den Hersteller und schickt eine mehr als 70 Seiten dicke Diesel-Broschüre, in der steht: "Eine drastische Partikelminderung ist nur durch eine Abgasnachbehandlung, d.h. durch den Partikelfilter möglich." Aber diesen Filter gibt es für sein Auto nicht.<BR><BR>Noch einen Versuch startete der Diesel-Besitzer. Er rief bei dem französischen Hersteller an, der doch die Filter schon auf den Markt gebracht habe. Ob denn der französische Filter in das deutsche Auto passe - natürlich nicht. Und erfährt überrascht, dass die französischen Diesel-Kleinwagen auch noch keinen Rußpartikelfilter serienmäßig haben. <BR><BR>Die Überlegung, den Diesel zu verkaufen, ist auch schnell verworfen. Die Gebrauchtwagenpreise für Diesel ohne Filter sind sofort abgerutscht. Bleibt nur zu warten, bis der Verbraucherdruck so hoch ist, dass Nachrüst-Filter auf den Markt kommen. Beim Katalysator hatte es nach Jahren auch geklappt. Auch aus einem anderen Grund lohnt es sich zu warten: Noch ist unklar, ob es geplante Steuervorteile rückwirkend für nachgerüstete Diesel-Autos gibt.</P>

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