Russische Pipeline bleibt trocken: Angst vor Öl-Abhängigkeit wächst

- München -­ Ausbleibende russische Öllieferungen haben in Deutschland die Sorge wegen der starken Abhängigkeit von Energieimporten angefacht. Fachleute und Politiker forderten deswegen, verstärkt auf erneuerbare Energien zu setzen und den Atomausstieg zu überdenken. Russland und Weißrussland beschuldigten sich gegenseitig, den Ölhahn abgedreht zu haben. Filmbericht

Klar war am Montag nur eines: Die 5000 Kilometer lange Pipeline "Druschba" ­ russisch für "Freundschaft" ­, über deren nördlichen Strang Deutschland aus Russland rund 20 Prozent seines gesamten Öl-Bedarfs zufließt, blieb trocken. Die deutschen Raffinerien PCK in Schwedt und Total in Leuna, die an die Rohrleitungen angeschlossen sind, bestätigten am Vormittag den Lieferausfall ebenso wie das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin. Auch Polen, das ebenfalls über Druschba Öl importiert, meldete Lieferausfälle.

 Filmbericht

Wer den Hahn zudrehte, blieb ungeklärt. In Russland wurde Weißrussland die Schuld in die Schuhe geschoben. So berichtete die Nachrichtenagentur Interfax, der Nachbar blockiere die Durchleitung. Der staatliche Pipeline-Betreiber Transneft warf Weißrussland vor, das für Europa bestimmte Öl aus Sibirien in eigene Speicher abzuzweigen. Ein Sprecher des weißrussischen Außenministeriums wies die Vorwürfe zurück. Am Nachmittag kündigte dann aber die weißrussische Pipeline-Gesellschaft Belneftechim ohne weiteren Kommentar an, dass die Pipeline umgehend wieder in Betrieb geht. Bis zum Abend blieb unklar, ob wieder Öl fließt.

Beobachter nehmen an, dass der seit Wochen schwelende Streit zwischen Russland und Weißrussland um Energiepreise der Grund für die Lieferunterbrechung war. So hatte Weißrussland einen drohenden Lieferstopp für russisches Gas zum eigenen Verbrauch erst am Silvesterabend abgewendet, indem es einer Verdoppelung der Bezugspreise zustimmte. Die Regierung in Minsk hatte daraufhin angekündigt, durch Weißrussland geleitetes Öl aus Sibirien mit einer Transitgebühr zu belegen. Wie alle früheren Sowjetrepubliken hatte Weißrussland Öl und Gas aus Russland früher zu günstigeren Konditionen bezogen. Im vergangenen Jahr hatte bereits die Ukraine in einem ähnlichen Konflikt mit Moskau die Gas-Lieferungen nach Europa verhindert.

Die erneute Blockade rief in Deutschland Besorgnis wegen der starken Abhängigkeit von ausländischen Energieimporten hervor, obwohl die Bundesrepublik über Ölvorräte für mindestens 90 Tage verfügt. "Die Energieabhängigkeit von Russland ist ein Problem", erklärte Grünen-Chef Reinhard Bütikofer. Union und die FDP forderten indirekt, den Atom-ausstieg zu überdenken und erneuerbare Energien zu fördern. Der Rohstoffexperte des Wirtschaftsinstituts HWWI in Hamburg, Klaus Matthies, mahnte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass Deutschland seinen hohen Energieverbrauch grundsätzlich reduzieren müsse, da sich derartige Lieferstopps in Zukunft wiederholen könnten.

Deutschland ist seit längerem darum bemüht, Abhängigkeiten von einzelnen Energieträgern und Regionen zu reduzieren. Gelungen ist das bislang aber kaum: Die Bundesrepublik muss nicht nur 97 Prozent des benötigten Rohöls einführen, sondern auch 85 Prozent des jährlich verbrauchten Erdgases. Russland liefert von beiden Energieträgern rund ein Drittel der benötigten Menge.

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