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Unabhängig von Russland: Ist Gas aus Israel die Lösung, um Putin zu schwächen?

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Von: Max Müller

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Benjamin Netanjahu (r), Premierminister von Israel, steht mit Yuval Steinitz, Israels Minister für Energie- und Wasserversorgung, bei der Einweihung der Plattform Leviathan zur Förderung von Erdgas im Mittelmeer.
„Geschenk Gottes“: Benjamin Netanjahu, ehemaliger Premierminister von Israel, bei der Einweihung einer Erdgas-Plattform im Mittelmeer 2019. (Archivfoto) © Amos Ben Gershom/dpa

Die EU will nicht mehr auf Gas aus Russland angewiesen sein. Die Lösung könnte aus Israel kommen. Doch der Transport aus dem Mittelmeer ist komplex.

München – Auf rund 1000 Milliarden Kubikmeter Gas wird das Vorkommen vor der israelischen Küste geschätzt. Zur Einordnung: Die gesamte EU hat einen Bedarf von 500 Milliarden Kubikmetern pro Jahr. Somit könnten die europäischen Staaten zwei Jahre überbrücken. Der Zeitpunkt, um Gas aus Israel zu kaufen, wäre angesichts der verzweifelten Suche nach einer kurzfristigen Ausweichmöglichkeit geradezu optimal. Russland liefert jedes Jahr 155 Milliarden Kubikmeter in die EU, die damit den Krieg indirekt mitfinanziert. Deswegen reißen auch die Forderungen nach einem Energie-Embargo gegen Russland nicht ab.

Gas aus Israel: Kein Geld mehr für Putins Kriegskasse

Wenn Israel Gas in die EU liefert, könnten beide Parteien profitieren. Für das Land von Staatspräsident Jitzchak Herzog wären insgesamt Einnahmen in Höhe von rund 28 Milliarden Euro möglich, wie Energieexpertin Gina Cohen in der Süddeutschen Zeitung vorrechnet. Nicht von ungefähr bezeichnete der ehemalige israelische Präsident Benjamin Netanjahu die Gasfelder als „Geschenk Gottes“. Die EU-Staaten wiederum müssten sich nicht mehr täglich erklären, warum man mit Energie-Devisen die Kriegskasse des russischen Präsidenten Wladimir Putin füllt.

Doch es gibt viele Schwierigkeiten. Zunächst einmal ist die Hälfte des Gases schon für israelische Haushalte und Unternehmen verplant. Für 25 Jahre soll das Vorkommen reichen. Die zweite Hälfte – immer noch das Volumen für ein ganzes Jahr in der EU – wäre damit noch zu haben. Doch die Liefermengen mal eben erhöhen geht nur langfristig.

Pipeline oder Flüssiggas: Wie kommt das Gas aus Israel in die EU?

Dabei braucht es vor allem eine Antwort auf die Frage, wie der Transport in die EU zu stemmen ist. Gas kann grundsätzlich auf zweierlei Weise transportiert werden. Die eine Möglichkeit sind Pipelines. Davon gibt es bereits mehrere, die von Russland nach Europa führen. Deutschland fungiert dabei als Drehscheibe für den Rest der EU.

Eine vergleichbare Infrastruktur für den Transport von Israel in die EU fehlt. Zwar verläuft bereits eine Pipeline nach Ägypten, von wo aus das Gas dann in Richtung Europa verschifft werden könnte. Allerdings durchquert die Pipeline schwieriges Terrain, in manchen Streckenabschnitten hat der Islamische Staat seine Finger im Spiel. Auch ein Neubau, sodass das Gas auf direktem Weg nach Ägypten gelangen würde, ist politisch heikel. Israel und Ägypten pflegen nicht die besten Beziehungen. Ähnlich verhält es sich mit der Türkei, von wo aus das Gas weiter in die EU geleitet werden könnte.

Am weitesten ausgearbeitet waren die Pläne für die sogenannte „Eastmed“-Pipeline. 2018 sagte die EU eine Förderung in Höhe von 38 Millionen Euro zu. Der Plan: Über zypriotische und griechische Gewässer soll eine Verbindung nach Italien hergestellt werden. Die Machbarkeitsstudien der EU laufen. Doch die USA entzogen dem Projekt bereits die Unterstützung – ein herber Rückschlag.

Israelische Energieexpertin: „Große Begeisterung, wenig Taten“

Eine weitere Möglichkeit, wie das Gas, das im östlichen Mittelmeer vor der Küste Israels liegt, nach Europa kommen könnte: Flüssiggas. In Wilhelmshaven starteten Anfang Mai die Bauarbeiten für ein LNG-Terminal. Auch in Stade und Brunsbüttel sind LNG-Anlandehafen geplant. Das Grundproblem mit dem Flüssiggas ist jedoch: Es ist sehr teuer. Aufgrund des aufwendigen Transports und der Wiederaufbereitung liegt der Preis für LNG meist über dem Preis für Pipeline-Gas. 

All diese Optionen zeigen, dass es noch ein langer Weg ist, bevor das erste israelische Gas in deutschen Haushalten eingespeist werden könnte. Ob Flüssiggas oder Pipeline – in jedem Fall müssten einige Hürden genommen werden. Darum äußert sich Cohen in der SZ auch nur vorsichtig optimistisch: „Große Begeisterung, wenig Taten.“

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