Russland kassiert Millionen für Überflug-Rechte

- Luxemburg - Die Wegelagerer der Lüfte sitzen in Moskau. Für jeden Flug europäischer Gesellschaften nach Fernost kassieren sie ab. Rund eine Million Dollar im Jahr pro wöchentlicher Flugverbindung, die über Sibirien führt. Zusammen 300 Millionen Dollar (ca. 235 Millionen Euro) jährlich - und zwar "illegal", schimpft David Henderson von der Vereinigung europäischer Fluggesellschaften AEA.

Nur zähneknirschend zahlen die Fluggesellschaften diese Abgabe, die einmal mehr Europas Verkehrsminister beschäftigte. Kommende Woche will man in Brüssel erneut über die künftige Gestaltung der Gebühren verhandeln - ohne Aussicht auf raschen Erfolg. Zwar hat Russland nach Kommissionsangaben schon vor Jahren versprochen, sein System spätestens im Jahr 2013 zu ändern. Aber was danach kommt, ist unklar. Nur "durchschaubarer" soll es werden.

Die heutige Praxis ist reichlich undurchsichtig. Moskau verlange keineswegs einen festen Betrag pro Überflug, erläutern Fachleute in Brüssel. Manche Gesellschaften zahlten mehr, andere weniger. Das hänge von zwischenstaatlichen Verträgen ab, die teilweise Jahrzehnte alt seien. Der Kreml habe die Ersatzleistungen eingeführt, als die Flugzeuge westlicher Gesellschaften Ende der 1970er Jahre immer größere Reichweiten erzielten und auf dem Weg nach Asien nicht mehr wie die sowjetische Staatslinie Aeroflot in Moskau zwischenlanden mussten, erläutert AEA-Sprecher Henderson.

Die AEA fordert einen Abbau der Abgabe, die - anders als Lotsengebühren - nach internationalen Konventionen eigentlich verboten sei. Der Branchenverband freut sich dabei über wachsende Unterstützung der Politik in dieser Frage. Aber so lange Moskau stur bleibt, werden die Fluggesellschaften weiter zahlen. Aus einem einfachen Grund: Der Weg über Sibirien ist die wirtschaftlich sinnvollste Route nach Fernost, heißt es bei Lufthansa. Die Vorteile wögen auch die russischen Gebühren auf.

Von ihren 150 wöchentlichen Verbindungen zu Zielen in Asien führt die Lufthansa den größten Teil über Russland. Wie viel das Unternehmen dafür auf jenes Schweizer Nummernkonto überweist, von dem Brüsseler Diplomaten erzählen, bleibt Geschäftsgeheimnis. Nur so viel wird in Frankfurt verraten: Schlagartig billiger würden die Flüge nach Tokio, Peking oder Seoul kaum, wenn die Abgabe morgen wegfiele. Den Preis eines Tickets bestimmten viele andere Faktoren.

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