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Rubel rutscht ins Bodenlose, Geldautomaten schon leer: „Russlands Staatspleite steht unmittelbar bevor“

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Von: Jonas Raab

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Kreml-Machthaber Wladimir Putin hat Russland mit seinem Angriff auf die Ukraine an den Rand einer Staatspleite gebracht.
Kreml-Machthaber Wladimir Putin hat Russland mit seinem Angriff auf die Ukraine an den Rand einer erneuten Staatspleite gebracht. © Justin Lane/Pool Sputnik Kremlin/AP/Mikhail Klimentyev/dpa (Archivbilder/Montage)

Die Sanktionen des Westens im Zuge des Ukraine-Krieg haben den Rubel in Russland abschmieren lassen und den Kreml binnen Tagen an den Rand einer Staatspleite gebracht.

Moskau - Die Sanktionen, die der Westen im Zuge des Ukraine-Konflikts gegen Kriegstreiber Wladimir Putin verhängt hat, greifen: Vielerorts stehen in Russland die Bänder still, Supermarktregale sind längst leergehamstert, der Rubel schmiert zusehends ab. Auch auf den internationalen Finanzmärkten ist Russland so gut wie abgemeldet. Obwohl die Staatskasse des Kreml gut gefüllt ist, steuert Russland direkt in eine neue Staatspleite. Auch das Datum des wahrscheinlichen Zahlungsausfalls steht bereits fest.

Wie der Finanznachrichtendienst Bloomberg berichtet, hat Russland 49 Milliarden Dollar an Staatsanleihen in Dollar und Euro offen. Marcel Fratzscher, Präsident des Berliner DIW-Instituts, hält eine Staatsschuldenpleite Russlands in den kommenden Monaten für sehr wahrscheinlich. Denn: Bereits am 16. März stehen Zinszahlungen über mehr als 100 Millionen Dollar an. Am 4. April läuft eine Anleihe über 2 Milliarden Dollar aus. Dass der Kreml diesen Pflichten nachkommt, erwartet kein Finanzexperte.

Ukraine-Krieg bringt Russland an den Rand einer Staatspleite - „wahrscheinlichstes Szenario“

„Wir sehen einen Zahlungsausfall als wahrscheinlichstes Szenario“, schrieb die US-Investmentbank Morgan Stanley bereits am Montag (7. März) an Klienten. Auch die US-Ratingagentur Fitch geht davon aus, dass Putin seine Staatsschulden nicht mehr bedienen kann. Ein Zahlungsausfall stehe „unmittelbar bevor“, warnten Fitch-Finanzexperten am Dienstag (8. März). Russische Staatsanleihen sind längst als Ramsch gekennzeichnet – bei Fitch wie bei den anderen großen Ratingagenturen Moody‘s und S&P.

S&P senkte Russlands Kreditwürdigkeit bereits am vergangenen Freitag (4. März) um acht Stufen bis knapp über die Kategorie für Zahlungsunfähigkeit. Bei Moody‘s fiel das Rating aufgrund „ernsthafter Bedenken hinsichtlich Russlands Bereitschaft und Fähigkeit, seine Schulden zu bezahlen“ auf noch tieferes Ramschniveau.

Sanktionen gegen Russland im Ukraine-Krieg: Putin versucht die Folgen abzufedern - erfolglos

Putin und die russische Zentralbank versuchen indes, die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen der westlichen Sanktionen abzufedern. Seit Mittwoch (9. März) dürfen Russen bei den Banken keine Auslandswährungen mehr kaufen. Wer noch Devisen besitzt, darf maximal 10.000 Dollar abheben. Der Rest wird in Rubel ausgezahlt. Wie Bild berichtet, sind an vielen Geldautomaten in Russland Dollar und Euro schon aus.

Aus gutem Grund: Der Rubel rutscht ins Bodenlose. Vor einem Monat war ein Euro noch 85 Rubel wert, heute sind es schon 142 Rubel. Auch die Leitzinserhöhung der russischen Zentralbank von 9,5 auf 20 Prozent lief ins Leere. Die meisten Preise in Russland seien schon um mehr als ein Drittel gestiegen, berichteten mehrere Medien.

Putin steuert direkt in die Staatspleite - wie geht es für Russland auf dem internationalen Finanzmarkt weiter?

Doch wie geht es auf dem internationalen Finanzmarkt für Russland nach Putins Einmarsch in die Ukraine weiter? Während aktuell wohl eine neue russische Militärkolonne auf Kiew zurollt und der Kreml dem Westen immer heftiger mit Gegensanktionen droht, geht dem Kreml das Geld aus. Und das, obwohl Russlands Staatskasse – nicht zuletzt dank hoher Öl- und Gaspreise – eigentlich prall gefüllt ist.

Die Kreditwächter von S&P und Moody‘s betonen, dass die Hauptursachen für das erhöhte Risiko der russischen Staatspleite nicht Geldnot, sondern Folgen der Sanktionen sind. Beispielsweise wurde nämlich durch die Sanktionen ein Großteil von Russlands Zentralbankreserven über rund 640 Milliarden Dollar eingefroren, was wiederum deren Handlungsspielraum enorm einschränkt.

Russland erneut vor der Staatspleite - Erinnerungen an 1998

Der 17. August 1998 markiert den bisher schwärzesten Tag in der Wirtschaftsgeschichte des neuen Russlands. Damals stellte die Regierung wegen knapper Kassen die Bedienung der Binnenschulden ein und gab den Rubel zur Abwertung frei. Die Finanzmärkte kamen ins Taumeln. Das Vertrauen in Russland war dahin. Der Rubel büßte nach Jahren der Stabilität in wenigen Wochen 75 Prozent ein. Russische Banken konnten ihre Verpflichtungen nicht mehr erfüllen. Internationale Finanzorganisationen stellten die Unterstützung ein.

Russland droht wegen Ukraine-Konflikt erneut Staatspleite - mit weitreichenden Folgen für Investoren

Vor diesem Hintergrund gilt es als äußerst unwahrscheinlich, dass der Kreml den am 16. März anstehenden Zinszahlungen nachkommt. Selbst wenn Russland zahlen würde, wäre deshalb ungewiss, ob Gläubiger im Ausland an ihr Geld kommen. Ein weiteres Problem für internationale Investoren: Auch Kreditausfallversicherungen greifen bei manchen Anleihen womöglich nicht. Denn Russland könnte Schulden in Rubel begleichen, dürfte das Geld aber nicht ins Ausland transferieren.

Sollten die Anleihezahlungen in der kommenden Woche ausbleiben, würde das nicht bedeuten, dass Russland von heute auf morgen in die Staatspleite gerät. Nach dem ersten Zahlungsversäumnis beginnt gewöhnlich eine 30-tägige Gnadenfrist, so dass der eigentliche Ausfall erst im April erfolgen würde. (jo/dpa)

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