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EU-Kommission schlägt Embargo vor: Öl und Kohle aus Russland sind ersetzbar

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Von: Matthias Schneider

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Die EU-Kommission hat ein Embargo für Kohle aus Russland vorgeschlagen, die Rufe nach einem Öl-Stopp werden lauter. Das wäre für Europa leichter als beim Gas – aber für Russland nicht aussichtslos.

Brüssel – Nach den Berichten über Kriegsverbrechen in der Ukraine wächst der Druck auf Europa, sich von russischen Energielieferungen unabhängig zu machen. Während die westliche Abhängigkeit beim Erdgas zu groß scheint, sind andere Energielieferanten wie Steinkohle leichter ersetzbar, wie Carsten Fritsch, Rohstoff-Experte bei der Commerzbank, erklärt: „Der Verband der deutschen Kohleimporteure geht davon aus, dass die russischen Lieferungen durch Länder wie Kolumbien, die USA, Südafrika, Mosambik, Australien und Indonesien ersetzt werden könnten. Innerhalb der EU könnte vielleicht Polen seine Produktion nennenswert ausweiten.“

Kohle- und Öl-Embargo für Russland? Experte bestätigt - EU könnte Ausfall kompensieren

Wegen der begrenzten Kapazitäten müssten aber wahrscheinlich höhere Preise gezahlt werden: „Auf die Ankündigung des EU-Kohle-Embargos hin sind die Tonnenpreise für Steinkohle in Rotterdam beispielsweise von 260 Dollar auf knapp 300 Dollar gestiegen. Zum Vergleich: Anfang 2022 lagen sie etwa bei 150 Dollar.“ Das sind jedoch keine ungewöhnlichen Höhen: „Anfang März, als das Öl wegen des Ukraine-Krieges* fast auf einem Allzeit-Hoch war, stand die Kohle bei 485 Dollar pro Tonne.“

Fritsch rechnet damit, dass der Kohlepreis im Vergleich zum Jahresbeginn auf einem relativ hohen Niveau verharren wird. Beim Öl sei es schwieriger, die russischen Lieferungen zu ersetzen: „Die Internationale Energie-Agentur (IEA) geht davon aus, dass die russische Öl-Förderung wegen der freiwilligen Kaufzurückhaltung des Westens täglich um drei Millionen Barrel zurückgeht.“ Einige Konzerne hatten bekannt gegeben, kein russisches Rohöl mehr kaufen zu wollen, obwohl es keine derartigen Sanktionen gibt. Diesen Ausfall könnte Europa laut Fritsch kompensieren: Die USA*und andere IEA-Länder wollen insgesamt rund 240 Millionen Barrel Öl aus ihren Reserven freigeben.

Ukraine-Krieg: Russisches Öl würde nicht komplett verschwinden - Lieferbeziehungen vor Umbruch

Für Europa geht es vor allem um die Preise: „Insgesamt exportierte Russland*bislang wohl rund vier Millionen Barrel täglich nach Europa. Wenn die komplett wegfielen, müssten sie am Weltmarkt anderweitig ersetzt werden, was die Preise natürlich nach oben treiben würde, möglicherweise auf die kürzlich gesehenen 140 Dollar pro Barrel“, sagt Fritsch. Dieser Zustand sollte aber nicht lange anhalten: „Zwar wollen die Mitglieder des Ölkartells Opec+, zu dem unter anderem Saudi Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Russland gehören, ihre Fördermengen nicht signifikant erhöhen, aber es ist fraglich, wie lange die beiden Erstgenannten diese Blockadehaltung beibehalten können“, denn, „je länger sie dies tun, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Ölangebot außerhalb der Opec+ steigt und der Westen sich neue Lieferanten sucht oder sich früher von fossilen Brennstoffen abwendet.“

Außerdem: „Man darf nicht vergessen, dass das russische Öl nicht komplett vom Weltmarkt verschwindet: Länder wie Indien und China beteiligen sich nicht an den Sanktionen und kaufen das russische Öl gerade mit bis zu 30 Dollar Rabatt pro Barrel ein. Es ist also davon auszugehen, dass sich die Lieferbeziehungen langfristig verschieben.“ (Matthias Schneider) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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