1. Startseite
  2. Wirtschaft

Energieriese Uniper strauchelt – wen retten wir da mit der Gas-Umlage?

Erstellt:

Von: Matthias Schneider

Kommentare

Von den rund 90 Prozent der Gas-Umlage zur Ersetzung russischer Lieferungen entfallen 65 Prozent auf Uniper. Wir erklären, wer hinter dem Konzern steckt.

Düsseldorf/München – Uniper ist ein Kunstwort – entstanden aus den Begriffen „unique“ und „Performance“, was so viel wie einzigartige Leistung bedeutet. Ein findiger Mitarbeiter hat den Namen erdacht. Uniper ist heute – neben Fortum und EDF – einer der größten europäischen Stromerzeuger, vertreten in Großbritannien, den Niederlanden, Schweden, Deutschland, Ungarn und Russland. Dabei setzt der Konzern fast ausschließlich auf grundlastfähige – und damit größtenteils fossile – Kraftwerke.

Uniper: Die Geschäftsfelder des Konzerns im Überblick

Von den 2021 erzeugten rund 109 Terawattstunden Strom stammten rund zwölf Prozent aus Wasserkraft (darunter das Walchenseekraftwerk), kaum weniger aus einem schwedischen Kernkraftwerk, rund 22 Prozent aus Braun- und Steinkohle und – mit knapp 54 Prozent der Löwenanteil – aus Erdgas. Gut ein Drittel ihrer Erzeugungskapazität hat Uniper in Russland – wo sie unter dem Namen Junipro an der Moskauer Börse gelistet ist und rund vier Prozent der nationalen Stromversorgung stemmt. Die Russland-Sparte soll jedoch abgestoßen werden.

Die Stromerzeugung macht rund die Hälfte des Geschäfts von Uniper aus. Bis 2025 sollen 1,5 bis zwei Gigawatt Leistung aus Wind und Solar dazukommen – was zwischen 4,5 und sechs Prozent der bereits installierten Leistung entspräche. Die Bedeutung für den deutschen Strommarkt ist erheblich: Mit knapp zehn Gigawatt betreibt Uniper etwa zehn Prozent der grundlastfähigen Leistung in Deutschland. Das ist der Strom, der benötigt wird, wenn Wind und Sonne nicht zur Verfügung stehen.

Das Logo des Energieversorgers Uniper in der Konzernzentrale
Uniper soll von der Gas-Umlage profitieren. © Roberto Pfeil/dpa

Das zweite – und aktuell relevantere – Standbein des Konzerns ist der globale Handel – vornehmlich mit Gas, daneben mit Kohle und CO₂-Zertifikaten. 2021 hat Uniper nach eigenen Angaben etwa 370 Terawattstunden Erdgas gekauft und vertrieben. Zur Einordnung: Das entspricht etwa 37 Prozent des deutschen Erdgasverbrauchs 2021. Damit beliefert der größte nationale Importeur etwa 100 deutsche Stadtwerke und diverse Industriekunden.

Deren Lieferungen – und die Preise dazu – hängen also an dem Düsseldorfer Konzern. Kann Uniper wegen Insolvenz nicht zu den alten Konditionen liefern, müssten die Abnehmer neue, teure Verträge bei anderen Anbietern abschließen.

Uniper auch im Bereich der Logistik vertreten

Auch Logistik gehört zu den Leistungen der Uniper: 2021 hat der Konzern über 350 Ladungen Flüssiggas (LNG) verschifft. Nach eigenen Angaben kann einer der moderneren Tanker 65 000 Haushalte ein Jahr lang versorgen. In den LNG-Terminals können jährlich 47 Terawattstunden Flüssiggas regasifiziert und in die Netze gespeist werden. In seinen Kavernen kann Uniper 74 Terawattstunden Gas speichern. Zur Einordnung: Das entspricht etwa sieben Prozent des deutschen Jahresbedarfs.

Angesichts der Mondpreise – teilweise das Fünfzehnfache des Vorkrisenniveaus –, die gerade für Gas bezahlt werden, könnte der Konzern wie andere Händler viel verdienen. Doch gerade Uniper fehlt das Gas, weil Russland die vereinbarten Mengen nicht liefert. Dennoch muss Uniper die Verträge mit seinen Abnehmern erfüllen und das Gas dafür teuer nachkaufen. Im ersten Halbjahr fuhr der Konzern damit 12,4 Milliarden Euro Verlust ein.

So soll die Rettung von Uniper ablaufen

Abhilfe soll ab Oktober die Gas-Umlage bringen, über die alle Verbraucher 90 Prozent der Ersatzbeschaffungskosten tragen. Die Umlage gilt vorerst bis April 2024. Bis dahin könnten viele Altverträge auslaufen, die Uniper die enormen Verluste bescheren. Durch die Gas-Umlage wird die teure Ersatzbeschaffung auf die Schultern aller Gaskunden umgelegt. Dazu gibt es weitere Kredite von der Förderbank KfW. Der – bereits ausgeschöpfte – Rahmen von zwei Milliarden Euro wurde auf neun Milliarden aufgestockt.

Zuvor hatte der Mutterkonzern Fortum einen Kredit von rund vier Milliarden Euro gewährt. Zusätzlich sollen vom Bund bis zu 7,7 Milliarden Euro in Form eines Pflichtwandelinstruments gewährt werden – hierzu später mehr. Die Bedingung für die Hilfen des Bundes: keine Dividendenausschüttungen oder Vorstandsboni.

Besitzverhältnisse bei Uniper: Bund will mit 30 Prozent einsteigen – als Teil der Rettung

Die Hilfen gibt es nicht umsonst: Der deutsche Staat will bei Uniper einsteigen. Der junge Konzern hat bereits eine bewegte Geschichte hinter sich: 2016 entstand Uniper als Ausgründung des konventionellen und Wasserkraftwerkparks der Eon sowie deren Energiehandel. 2018 stieg der Mutterkonzern als Großaktionär aus. 2020 wurde der Konzern Fortum Mehrheitseigner, der inzwischen knapp 80 Prozent der Uniper besitzt und zur Hälfte vom finnischen Staat kontrolliert wird.

Für Fortum war der Kauf bisher ein schlechter Handel: Unter anderem wegen Uniper vermeldete der Konzern für das zweite Quartal Nettoverluste von 7,4 Milliarden Euro.

Teil des Rettungspakets ist nun ein großer Einstieg des Bundes: 30 Prozent der Stammaktien wurden jeweils für 1,7 Euro gekauft – bei einem Kurswert von rund zehn Euro. Das brachte der Uniper spärliche 267 Millionen Euro an Kapital. Derzeit sind die Titel knapp über etwas unter sechs Euro wert. Wenn sie nicht weiter fallen, ein gutes Geschäft für den Bund. Der Anteil von Fortum verwässert sich damit auf 56 Prozent.

Bund stellt Uniper Milliarden-Anleihe zur Verfügung

Die Summe reicht freilich nicht, um den Konzern zu stützen. Deshalb wird der Bund Uniper zusätzlich bis zu 7,7 Milliarden Euro in Form einer Pflichtwandelanleihe zur Verfügung stellen. Das bedeutet, der Bund gibt Uniper einen Kredit, der zum Ende der Laufzeit in Aktien beglichen wird. Das ist eine Wette, die für den Steuerzahler in beide Richtungen ausgehen kann.

Denn bei rund 360 Millionen Stammaktien und einem gegenwärtigen Kurs von rund 5,5 Euro ist das ganze Unternehmen gerade zwei Milliarden Euro wert. Der strategische Wert der Infrastruktur kommt für den Bund dazu.

Wie viele Aktien der Bund am Ende bekommt – und nach welcher Laufzeit – wird derzeit noch verhandelt, erfuhr unsere Zeitung aus dem Bundeswirtschaftsministeriums. Es komme unter anderem darauf an, wie sich der Börsenkurs Unipers entwickle – und ob Fortum seinen Kredit von vier Milliarden Euro in einen Teil des Pflichtwandelinstruments umwandle. Es bleibt also noch offen, ob der Staat – wie bei der Lufthansarettung – profitieren kann.

Fortsetzung: 25 Prozent der Gas-Umlage werden an den Händler Sefe – früher Gazprom Germania – fließen. Weshalb ein russischer Konzern mit deutschen Mitteln gestützt wird, analysieren wir im zweiten Teil.

Auch interessant

Kommentare