Rußpartikelfilter: Kfz-Werkstätten büßen für Polit-Blamage

München - Unwirksame Rußfilter werden kostenlos ausgetauscht. Für Verbraucher ist das erfreulich, für das Kfz-Gewerbe ruinös. Denn Werkstätten werden wohl auf diesen Kosten sitzenbleiben.

Rund 60 000 nachgerüstete Rußpartikelfilter, die Feinstaub aus Diesel-Abgasen entfernen, sind fast wirkungslos. Weil die betroffenen Autofahrer als Umweltpioniere nicht bestraft werden sollen, hat sich das Kfz-Gewerbe bereit erklärt, die Filter kostenlos auszutauschen. Die entsprechende Zusicherung ihres Zentralverbandes kann viele Werkstätten ruinieren. Denn diese müssen nun die verbauten Billigfilter gegen teurere Modelle austauschen.

Zwar haben sich auch die Hersteller der wirkungslosen Filter bereit erklärt, kostenlos nachzuliefern. Vom größten Hersteller GAT wurde eine Lösung für Anfang dieses Jahres angekündigt. Doch sie ist bis heute nicht in Sicht. Experten glauben ohnehin nicht, dass die billigen Filter die notwendige Wirkung zustande bringen können.

Das bedeutet: Die Auto-Werkstätten müssen die aufwendigeren Systeme, wie sie beispielsweise Twintec oder HJS anbieten, kaufen und sie auf eigene Kosten gegen die billigen alten Systeme austauschen. Geld von den eigentlich Schuldigen, den Herstellern der Billig-Filter, können sie dafür nicht erwarten. Denn diese - ohnehin durch den Produktionsstopp geschwächt - würden unter der Last der hohen zweistelligen Millionenbeträge zusammenbrechen.

So ist es kein Wunder, dass viele Werkstätten ihre Kunden vertrösten, obwohl teure Austauschfilter zur Verfügung stehen. Die deutsche Umwelthilfe stellt solche Werkstätten in einer "Schmuddelliste" an den Pranger. Ganz als wären diese nicht Opfer, sondern Täter.

Auch von Seiten der Autofahrer wird aber der Druck auf die Werkstätten steigen. Denn die Betroffenen wurden vom Kraftfahrt-Bundesamt angeschrieben. Ihnen drohen der Entzug der Grünen Plakette und kräftige Steuernachzahlungen - obwohl ausgerechnet das Kraftfahrtbundesamt die unwirksamen Filter vorher zugelassen hatte.

Von einer ursprünglichen Kulanzregelung, wie sie Umweltminister Sigmar Gabriel zunächst zugesichert hatte, ist nichts mehr zu spüren. Dabei hat sich Gabriels Ministerium in der gesamten Angelegenheit nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Es war die treibende Kraft, als es darum ging, billige Systeme zur Nachrüstung auf den Markt zu bringen. 30 Prozent ausgefilterter Feinstaub sollten genug sein. Und um die Hürde noch ein bisschen niedriger zu bekommen, wurden dafür Verfahren festgelegt, bei denen in besonders schonenden Fahrzuständen gemessen wird.

Die eigenen Experten im Umweltbundesamt warnten - und behielten, als sie nachmessen ließen, bei einigen Produkten Recht. Die Werte lagen deutlich unter den geforderten 30 Prozent. Allerdings verwendeten sie bei der Messung nicht das gesetzlich vorgeschriebene Verfahren, sondern ein realistischeres, das zu schlechteren Werten führt.

Das Umweltministerium reagierte prompt. Anstatt das Kraftfahrt-Bundesamt vor den Schrott-Filtern zu warnen, ordnete Gabriels Staatssekretär Matthias Machnig beim Umwelt-Bundesamt das schonendere, vorgeschriebene Messverfahren an. In dieser Zeit wurden die mangelhaften Filter weiter verbaut. Um die Blamage perfekt zu machen, fielen sie dann aber auch bei der Prüfung unter maßgeschneiderten Bedingungen durch.

Personelle Konsequenzen konnten da nicht ausbleiben. Doch nicht Machnig musste seinen Hut nehmen. Axel Friedrich, Abteilungsleiter Verkehr im Umwelt-Bundesamt wurde versetzt - der Mann, der frühzeitig vor den unwirksamen Filtern gewarnt hatte. Der international anerkannte Verkehrsexperte arbeitet nun in der Abteilung "Unsere Städte sollen schöner werden".

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