VW rutscht in Nordamerika in die roten Zahlen

- Wolfsburg/Frankfurt - Der Wolfsburger VW-Konzern wird mit dem Kerngeschäft in seinem drittwichtigsten Markt Nordamerika in diesem Jahr Verluste einfahren. "Wir werden im Automobilbereich, also ohne die Finanzdienstleistungen, wahrscheinlich schon in diesem Jahr leicht in die roten Zahlen rutschen. An dieser Situation wird sich auch im nächsten Jahr nichts ändern", sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

<P>Zwischen Januar und Ende September war das operative Ergebnis in Nordamerika von 1,18 Milliarden Euro auf nur noch 9 Millionen Euro abgestürzt. Der Umsatz sank von 13,2 Milliarden Euro auf 10,8 Milliarden Euro. Bis Ende Oktober verkaufte das Unternehmen dort 255 699 Fahrzeuge, das waren 11,7 Prozent weniger als im Vorjahresvergleich. Nordamerika ist für VW der drittwichtigste Markt nach Westeuropa und Deutschland.</P><P>Als Grund für die Probleme in Nordamerika führte Pötsch vor allem den derzeit extrem schwachen Dollar an. Im Dollar-Raum stünden dem VW-Umsatz von 12 Milliarden Dollar Kosten von rund 6 Milliarden Dollar gegenüber. Um dem zu begegnen, hat VW nun rund zwei Drittel des Wechselkurs-Risikos abgesichert, bislang waren es nur 40 Prozent. Auf Grund des schwachen Dollars seien die Erlöse pro Fahrzeug derzeit um bis zu 25 Prozent geringer.</P><P>Außerdem seien die wichtigsten Modelle des Nordamerika-Marktes, Jetta und Passat, 2004 im letzten Jahr ihres Modellzyklus. Gleichzeitig beteiligt sich der Konzern nicht so intensiv an der Rabattschlacht der Konkurrenz. Pötsch: "Die amerikanischen Hersteller fördern ihren Absatz jeweils mit durchschnittlich 4700 Dollar. Wir liegen aktuell bei 1300 Dollar."</P><P>Pötsch zufolge soll der Abwärtstrend für VW im nächsten Jahr gestoppt werden. "Im nächsten Jahr wird unser Umsatz wieder steigen. Und wir werden uns auf der Ertragsseite verbessern". Allerdings werde erst das Jahr 2005 "einen wirklichen Einblick in das Ertragspotenzial dieses Konzerns geben." 2006 werde dann die Ernte der gestarteten Modelloffensive eingefahren und das Ziel einer Kapitalrendite von 9 Prozent erreicht. Um das zu erreichen, "haben wir noch einiges zu tun", sagte Pötsch. "Selbst wenn man das Ergebnis dieses Jahres um belastende Sondereffekte bereinigt, liegt der Abstand zwischen der aktuellen Rentabilität und dem Renditeziel von 9 Prozent bei einigen Milliarden Euro."</P><P>Nicht alle Bereiche des Konzerns würden 2006 die geforderte Rendite schaffen, räumte Pötsch ein. "Um in Brasilien in drei Jahren die Zielvorgabe zu erreichen, muss uns sicherlich noch mehr einfallen." Dort ist VW von einer schweren Absatzkrise betroffen. Im Zuge einer Restrukturierung werden 4000 Stellen in den dortigen Werken abgebaut. Im dritten Quartal hatte VW deshalb 120 Millionen Euro Sonderbelastung in die Bilanz eingestellt.</P>

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