+
RWE-Vorstandsboss Jürgen Großmann (re.) hat sich bei Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Brief beschwert.

RWE-Chef Großmann beschwert sich bei Merkel

Berlin - Der Energiekonzern RWE fühlt sich benachteiligt. Konzernchef Jürgen Großmann beschwerte sich bei Bundeskanzlerin Merkel in einem Brief und fordert die Abschaltung des Meilers Gundremmingen B erst ab 2021.

Der zweitgrößte deutsche Energiekonzern RWE fühlt sich durch den Atom-Abschaltplan der Regierung benachteiligt und fordert für den Meiler Gundremmingen B eine Abschaltung erst 2021. Das geht aus einem Brief von RWE-Chef Jürgen Großmann an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hervor, wie die Nachrichtenagentur dpa am Dienstag in Berlin erfuhr. RWE verliert durch das vom Kabinett am Montag beschlossene sofortige Aus für acht AKW die beiden Meiler Biblis A und B. Der RWE-Vorstandsvorsitzende argumentiert, die Regierung gehe davon aus, dass alle zugestandenen Reststrommengen bis zu den jeweiligen Abschaltdaten verbraucht werden könnten. Dies sei aber nur bei Auslastung der Anlagen von 91 Prozent möglich.

Realistisch, so Großmann, sei jedoch ein Ausnutzungsgrad von lediglich 85 Prozent. Experten betonen, dass durch immer mehr Ökostrom zwangsläufig auch die Produktion von Strom in Atomkraftwerken eingeschränkt wird.

Insgesamt könnten daher selbst bei einer optimalen Verteilung der Reststrommengen über Unternehmensgrenzen hinweg bis zu 60 Terawattstunden (TWh) nicht verbraucht werden, betont Großmann. Nach der jetzigen Regelung könnte RWE rund 50 TWh nicht in eigenen Anlagen verstromen, weil das bayerische Kernkraftwerk Gundremmingen B 2017 abgeschaltet werden soll, obwohl es über fast die gleichen Reststrommengen verfügt wie Gundremmingen C, das erst 2021 vom Netz soll.

Großmann argumentiert weiter: Die Hälfte der Menge aus dem RWE-Kraftwerk Mülheim-Kärlich, das 1988 nach kurzer Laufzeit wegen einer fehlerhaften Genehmigung wieder vom Netz gegangen war, könnte so womöglich nicht verbraucht werden. Er bitte daher, “nicht einzelne Akteure zu benachteiligen“. Der “Schutz dieser grundrechtlich geschützten Position“ sei relativ einfach zu bewerkstelligen, wenn Gundremmingen B und C beide erst 2021 vom Netz gehen würden.

“Auf diese Weise wäre sichergestellt, dass auch RWE seine Mengen verstromen kann und nicht darauf angewiesen ist, sie unter Wert zu veräußern oder gar zu verlieren, schließlich brauchen auch wir die finanziellen Mittel, um die Energiewende zu finanzieren“, schreibt Großmann. RWE sei einer der größten Investoren in Deutschland bei den erneuerbaren Energien, “aber den Cash flow, um dies zu finanzieren, bringen nach wie vor Kohle und Kernkraft“.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dax verliert deutlich nach Erholung am Vortag
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax ist mit sichtbaren Verlusten in den Handel gestartet. Damit erwies sich die Vortagserholung vom schwachen Wochenstart erst einmal als …
Dax verliert deutlich nach Erholung am Vortag
Tarifabschluss für 120 000 VW-Beschäftigte steht
Langenhagen (dpa) - Mehr Geld, eine bessere Altersversorgung und eine höhere Sicherheit für Auszubildende: Im Streit um den Haustarif bei Volkswagen haben sich …
Tarifabschluss für 120 000 VW-Beschäftigte steht
Venezuela sammelt mit Kryptowährung Millionen US-Dollar ein
Caracas/Frankfurt (dpa) - Das finanziell und wirtschaftlich schwer angeschlagene Venezuela hat als erstes Land eine staatseigene Kryptowährung, den sogenannten Petro, …
Venezuela sammelt mit Kryptowährung Millionen US-Dollar ein
Stiftung Warentest untersucht 30 Lachsfilets und gibt Kunden allgemeinen Tipp
Wer frischen Fisch kaufen möchte, muss sich dafür nicht an die Theke stellen. Seit wenigen Jahren gibt es ihn auch abge­packt in Selbst­bedienungs­truhen von Discountern …
Stiftung Warentest untersucht 30 Lachsfilets und gibt Kunden allgemeinen Tipp

Kommentare