+
Ein Flugzeug des Unternehmens "Ryanair". Cockpit wirft Ryanair vor, die Arbeitnehmer und Sozialsysteme auszubeuten. Foto: Ralf Hirschberger

Piloten scheinselbstständig?

Ryanair-Manager im Visier des Staatsanwalts

Ist Ryanair auch deshalb so billig, weil die Airline ihre Leute ausbeutet? Das Unternehmen steht im Verdacht, ein System für scheinselbstständige Piloten selbst in Gang gesetzt zu haben.

Frankfurt/Koblenz (dpa) - Manager der Fluggesellschaft Ryanair stehen im Verdacht, Piloten zur Scheinselbstständigkeit angestiftet zu haben.

Die Staatsanwaltschaft Koblenz bestätigte Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung, dass nunmehr auch gegen vier Verantwortliche des irischen Billigfliegers wegen des "Verdachts auf Anstiftung zum Vorenthalt und Veruntreuung von Arbeitsentgelt und der Lohnsteuerhinterziehung" ermittelt wird. Einer der Manager habe das Unternehmen zwischenzeitlich verlassen.

Bislang wurden in dem 2011 begonnenen Ermittlungsverfahren rund 820 Piloten, ihre Steuerberater sowie Beschäftigte zweier britischer Personaldienstleister als Beschuldigte geführt, wie ein Justiz-Sprecher weiter bestätigte. Mit ersten Anklagen sei noch in diesem Jahr zu rechnen.

Ryanair selbst teilte mit, dass man von Ermittlungen gegen Angestellte der Gesellschaft nichts wisse. Das Unternehmen selbst sei nicht Gegenstand der Ermittlungen und halte seine Beschäftigten zur Einhaltung der Vorschriften an. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) wirft Ryanair seit längerem vor, mit scheinselbstständigen Vertragspiloten illegal Kosten einzusparen.

Die Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass das komplexe Beschäftigungssystem mit selbstständigen Piloten in den Cockpits von Ryanair selbst angeschoben worden sein könnte. Die Piloten sollen zur Gründung eigener Kleingesellschaften angehalten worden sein, die ihre Arbeitskraft über Dienstleister an Ryanair verkauften. Den Medienberichten zufolge hat einer der beschuldigten Dienstleister von Ryanair-Anweisungen berichtet, Verträge nach einem festgelegten Vertragsmuster zu verwenden. Auch seien zur Abwicklung bestimmte Steuerkanzleien "vorgeschlagen" worden.

Die Pilotengewerkschaft wirft Ryanair vor, auch mit neu gestalteten Arbeitsverträgen die Arbeitnehmer und Sozialsysteme auszubeuten. Es sei zwar eine neue Vermittlerfirma gegründet worden, die neuen Verträge begründeten aber immer noch "modernes Sklaventum", wiederholte VC-Sprecher Markus Wahl Vorwürfe aus dem Herbst. So könne beispielsweise jederzeit Zwangsurlaub angeordnet werden und die Piloten müssten im Krankheitsfall ihre entfallene Arbeitszeit nachleisten, um nicht auf Gehalt zu verzichten. Die VC hat einige Ryanair-Piloten organisiert, bislang aber noch keine Verhandlungen mit dem Unternehmen aufnehmen können.

Bericht der "Süddeutschen Zeitung"

Bericht der "Tagesschau"

VC zu neuen Ryanair-Verträgen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

SEC brummt Deutsche-Bank-Töchtern Millionenstrafe auf
Washington (dpa) - Die Deutsche Bank kommen Regelverstöße in den USA abermals teuer zu stehen. Die US-Börsenaufsicht SEC brummte zwei US-Töchtern des Geldhauses wegen …
SEC brummt Deutsche-Bank-Töchtern Millionenstrafe auf
Dax schließt nach Trumps Rundumschlag klar im Minus
Frankfurt/Main (dpa) - Der jüngste Rundumschlag von Donald Trump hat den Dax am Freitag deutlich ins Minus gedrückt. Der US-Präsident heizte den Handelskonflikt weiter …
Dax schließt nach Trumps Rundumschlag klar im Minus
Ford ruft in Deutschland knapp 190.000 Autos zurück
Köln (dpa) - Der Autobauer Ford muss wegen Problemen an der Kupplung in Deutschland fast 190.000 Fahrzeuge zurückrufen.
Ford ruft in Deutschland knapp 190.000 Autos zurück
Merkel äußert sich zu drohender Thyssenkrupp-Zerschlagung
Berlin (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich indirekt gegen eine drohende Zerschlagung des Industriekonzerns Thyssenkrupp ausgesprochen.
Merkel äußert sich zu drohender Thyssenkrupp-Zerschlagung

Kommentare