Saab meldet Konkurs an

Stockholm - Der Autobauer Saab beantragt in höchster Not eine Auszeit: Gläubigerschutz mit einem Zwangsverwalter von außen soll Zeit im Kampf gegen die drohende Pleite bringen. Experten äußern sich skeptisch.

Der angeschlagene Autobauer Saab hat Gläubigerschutz beantragt und will das bedrohlich näher rückende Aus mit einem Zwangsverwalter abwenden. Wie das schwedische Unternehmen am Mittwoch in Trollhättan nördlich von Göteborg mitteilte, sei ein entsprechender Antrag am Morgen beim zuständigen Gericht Vänersborg eingereicht worden. Saab steckt seit Monaten in großen Schwierigkeiten.

Das Gericht kündigte seine Entscheidung über den Antrag für Mittwochmittag an. Unter Gläubigerschutz - im Schwedischen “Unternehmenssanierung“ - wäre Saab vor möglichen Insolvenzanträgen geschützt und könnte versuchen, das Unternehmen mit dem Zwangsverwalter an der Spitze neu aufzustellen.

Saab hat im ersten Halbjahr 224 Millionen Euro Verluste eingefahren und, bedingt auch durch Produktionsausfälle, nur 13 000 Autos abgesetzt.

Saab teilte zu dem Antrag mit, angesichts der “begrenzten finanziellen Ressourcen“ sei eine “freiwillige Rekonstruktion“ die beste Lösung. Schon einmal hatte das schwedische Unternehmen als zum Verkauf stehende Tochter des US-Konzerns General Motors 2009 Gläubigerschutz beantragt und wurde von einem vom Gericht eingesetzten Zwangsverwalter geführt. 2010 übernahm der kleine niederländische Sportwagenhersteller Spyker Cars Saab.

Für den Eigner, der sich in Swedish Automobile umbenannt hat, sagte dessen Chef Victor Muller, die freiwillige Rekonstruktion werde Saab die nötige Zeit verschaffen, das Unternehmen zu stabilisieren und kurz- und langfristig nötige Mittel zu beschaffen. Er verwies auf Zusagen der chinesischen Auto-Unternehmen Pang Da und Youngman, die zusammen 250 Millionen Euro bereitstellen wollen.

Saab - Statement für Individualisten

Saab: Statement für Individualisten

Mit dem erneuten Antrag auf Gläubigerschutz kam Saab auch einem bevorstehenden Insolvenzantrag von Gewerkschaften zuvor, nachdem die vergangene Woche fälligen Löhne und Gehälter für August bisher nicht ausgezahlt werden konnten. Mit der Einsetzung eines Zwangsverwalters unter Gläubigerschutz tritt ein staatliches Garantiesystem für Löhne und Gehälter in Kraft.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht für das schwedische Traditionsunternehmen keine Zukunft mehr. “Saab hat keine Chance und wird nun abgewickelt“, sagte der Experte von der Uni Duisburg-Essen der dpa. Mit Blick auf den Saab-Antrag auf Gläubigerschutz sagte Dudenhöffer: “Das war nur eine Frage der Zeit.“ Es sei vielmehr “überraschend“, dass dies jetzt erst passiere. Saab spiele in einer Liga mit den großen Oberklasse-Herstellern BMW, Audi, Daimler oder auch Volvo. Diese hätten aber weitaus größere Stückzahlen.

In Deutschland ist Saab zuletzt vom Nischenmodell für Liebhaber in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht. 2008, im Jahr vor der Insolvenz der damaligen Mutter General Motors (GM), waren nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes noch 3797 Saab in Deutschland verkauft worden, der Marktanteil betrug 0,1 Prozent. In den ersten acht Monaten dieses Jahres verkauften die Händler in Deutschland nur noch 449 Fahrzeuge der früheren schwedischen Kultmarke (Januar bis August 2008: 2805) im August 2011 waren es gerade einmal 15 - nach 40 im August 2010.

dapd/dpa

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