Saban beschert Pro-Sieben einen bitter-süßen Tag

- München - Entgegen allen früheren Beteuerungen erhält die Münchner TV-Gruppe Pro-Sieben-Sat.1 nun doch einen neuen Firmenchef. Wenn der bisherige Konzernlenker Urs Rohner Ende April durch seinen Vorstandskollegen Guillaume de Posch ersetzt wird, sei das ein "bitter-süßer Moment" für das Unternehmen, sagte Mehrheitseigner Haim Saban in München. Rohner habe die TV-Gruppe erfolgreich durch schwierige Zeiten gesteuert und gehe auf eigenen Wunsch. Für seinen Rücktritt gebe es mehrere Gründe, auch persönliche, sagte indes der scheidende Vorstandschef.

<P>Vor wenigen Wochen hatte er auf entsprechende Fragen noch betont, dass es keine weiteren Veränderungen im Topmanagement mehr geben werde. Zuvor mussten auf Drängen des US-Milliardärs und Mehrheitseigners Saban mehrere Manager den Hut nehmen. Er wechsle zu einem schweizerischen Unternehmen, das nicht aus der TV-Branche komme, sagte Rohner, dessen Vorstandsvertrag erst vorigen Herbst bis 2006 verlängert wurde.<BR><BR>Zuvor gab es mehrmals Gerüchte über einen Weggang Rohners, die dementiert wurden. Sein jetziges Ausscheiden wollte er nicht näher begründen, räumte aber ein, ursprünglich noch einige Jahre an der Spitze von Pro-Sieben-Sat.1 geplant zu haben. Somit deutet einiges auf ein nicht ganz freiwilliges Aus des Schweizers, der demnächst durch den Saban-Vertrauten de Posch ersetzt wird. Dieser werde den bisherigen Kurs fortsetzen, teilte der TV-Konzern mit.<BR><BR>Dessen ungeachtet verkündete Saban erstmals konkretes Interesse an einem Einstieg beim bislang einzigen deutschen Bezahlsender Premiere und einem Kauf der Pay-TV-Rechte der Fußballbundesliga. Beides werde aber nur geschehen, wenn der Preis stimmt. "Wir machen nichts Verrücktes", sagte der US-Milliardär. <BR><BR>Premiere ist wie Pro-Sieben-Sat.1 aus der Insolvenzmasse des kollabierten Kirch-Imperiums hervorgegangen. Während die frei empfangbare Senderfamilie mit Pro-Sieben, Sat.1, Kabel 1 und N24 nach langem Poker von Saban übernommen wurde, stieg bei Premiere mehrheitlich die Frankfurter Investorengruppe Permira ein. Die Premiere-Eigner lehnen einen Schulterschluss mit Saban bislang ab. "Wir sind derzeit nicht daran interessiert, Anteile zu verkaufen", betonte zuletzt Premiere-Chef Georg Kofler, der selbst ein Fünftel der Firmenanteile besitzt. Sein Ziel sei ein Börsengang von Premiere.<BR><BR>Auch gegen einen Verlust der Live-Rechte an der Fußballbundesliga kämpft Kofler. Um Premiere zu überbieten, müsste Sat.1 die nächsten beiden Spielzeiten über 500 Millionen Euro ausgeben, was das Unternehmen über Jahre hinaus in die Verlustzone treiben würde, warnte Kofler, der früher einmal selbst Senderchef bei Pro-Sieben war. Die Fußballbundesliga gilt als entscheidender Programmbestandteil von Premiere, ohne den der Sender nicht überlebensfähig wäre. Branchenkenner sehen im Ringen darum ein Druckmittel Sabans, um einen Einstieg bei Premiere zu erzwingen. "Diesem Druck werden wir uns nicht beugen", sagte Rohner jüngst zu entsprechenden Vermutungen.<BR><BR><BR></P>

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