Saban nimmt Deutschlands größten TV-Konzern an die kurze Leine

- München - Der neue Besitzer Haim Saban drückt Deutschlands größtem TV-Konzern ProSieben-Sat-1 immer stärker seinen Stempel auf. In den vergangenen Monaten wurde bereits ein großer Teil des Managements ausgewechselt. Auch der Sparkurs, den der Konzern unter den neuen Besitzern verschärft hat, zeigt zunehmend Wirkung. Im ersten Quartal machte die Sendergruppe einen Vorsteuer-Gewinn von 43 Millionen Euro nach einem Verlust von 29 Millionen Euro im Jahr zuvor. Die Mitarbeiter hoffen, dass nun endgültig Ruhe ins Unternehmen einkehrt. Mit einem seiner seltenen Interviews sorgte Saban allerdings wieder für Gesprächsstoff.

<P>ProSieben-Sat-1 hat in den letzten Jahren viel durchgemacht. Die Werbekrise in Deutschland ging auch an dem börsennotierten TV-Konzern nicht spurlos vorüber. Für Verunsicherung sorgten zudem der Zusammenbruch des Kirch-Imperiums und die lange Suche nach einem neuen Besitzer. Im vergangenen Sommer nun übernahm eine Investorengruppe um Saban das Ruder.<BR><BR>Seither gab es in der Führungsetage das große Stühlerücken. Ende vergangener Woche versuchte der neue Vorstandsvorsitzende Guillaume de Posch, die Wogen zu glätten. In einem Schreiben an die Mitarbeiter versicherte er, dass die personellen Umbesetzungen nun abgeschlossen seien.<BR><BR>Unmittelbar zuvor war unter anderem der Abgang von Geschäftsführer Nicolas Paalzow verkündet worden wegen "unterschiedlicher Auffassungen über die künftige Ausrichtung des Senders". Gerade von dieser Personalie wurden viele überrascht. Denn bei einer Führungskräfte-Tagung am Tag zuvor war davon keine Rede, ebenso wenig wie vom nahenden Abschied von ProSieben-Sat-1-Vorstand Jürgen Doetz. "Da ist die Glaubwürdigkeit beschädigt, das entspricht nicht unserer Firmenkultur", hieß es in Betriebsratskreisen. Paalzow sei im Sender sehr beliebt. Offenbar kam er den Besitzern bei der Verbesserung der Rendite aber nicht schnell genug voran.<BR><BR>Gegenüber dem "Spiegel" gab sich Saban euphorisch: "Wir haben jetzt ein fantastisches Management-Team." ProSieben-Sat-1 sei beim Umbau gut vorangekommen. "Ein Unterschied wie Tag und Nacht." Angesichts der Fortschritte sieht sich der US-Unternehmer bereits nach neuen Übernahmeobjekten um. Sein Interesse am Musiksender Viva ließ den Kurs der Viva Media AG gestern um fast acht Prozent auf rund 11 Euro springen.<BR><BR>Neues über die Pläne Sabans werden die ProSieben-Sat-1-Aktionäre möglicherweise am Freitag auf der Hauptversammlung erfahren. Aus Sprachgründen wird die Veranstaltung aber nicht vom Aufsichtsrats-Vorsitzenden Saban geleitet, sondern von seinem Stellvertreter, Springer-Chef Mathias Döpfner. "Ich habe leider nicht schnell genug Deutsch gelernt", sagt Saban. "Ich werde aber selbstverständlich da sein." <BR><BR></P>

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